Jahrgang 
1857
Seite
50
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Kleine Mittheilungen zur Kurzweil und Belehrung.

guter Rath iſt theuer.

Eine wahre Anekdote.

Der Rechtsanwalt K. und der Fleiſchermeiſter R. wohnten nicht weit von einander. Der Erſtere hielt einen Hund, der es nicht verſchmähte, ſich zuweilen in den Nach⸗ barhäuſern als ungebetener Gaſt gütlich zu thun. So hatte

er auch einmal aus dem nahen Fleiſcherladen ein Stück

Rindfleiſch davon getragen. Meiſter R. war darüber höchlich entrüſtet. Den diebiſchen Hund zu züchtigen, wenn er ſeiner überhaupt habhaft werden konnte? Dabei hätte er ſich nur noch mehr geärgert, ohne für ſeinen Verluſt Erſatz zu ge⸗ winnen. Nein, er wollte es ſchlauer anfangen, und legte

berg waren einmal zwei Frauen, die begegneten einander

ſich in ſeinem Kopfe ein Plänchen zurecht, das er ohne Ver⸗ die z. ſich in ſeinem Kapſe ein Plämhen zurecht, das uüöchte, lud er den ganzen kleinen und großen Rath ein auf

zug ausführte.

Er ging mit gravitätiſchem Ernſte zum Rechtsanwalt K. Nachdem die gewöhnlichen Grüße gewechſelt waren, ſagte Meiſter R., ganz unbefangen, um den Advokaten deſto ſicherer in ſeiner eigenen Schlinge zu fangen:Lieber Herr Nachbar, ich will einen guten Rath bei Ihnen einholen, da Sie doch ein rechtsverſtändiger Mann ſind. Muß der Herr eines Hundes für den Schaden haften, welchen derſelbe an⸗ richtet?

Gewiß! antwortete der Rechtsanwalt ohne Bedenken.

Nun, ſo bitte ich mir 10 Silbergroſchen von Ihnen aus! ſagte der Fleiſchermeiſter ſchmunzelnd,denn Ihr Caro hat ein Stück Fleiſch aus meinem Laden fortgetragen, das mindeſtens ſieben Pfund gewogen hat.

Der Rechtsanwalt ſtutzte, aber nach kurzem Bedenken

täglich mit den Fleiſchkörben im Arm auf dem Platz vor dem Rathhauſe, und blieben dann auch immer beiſammen ſtehen, eine Stunde oder darüber, je nachdem ſie viel oder wenig auf dem Herzen hatten. Und wenn ſie auch dazwiſchen aus⸗ einander liefen und unmüßig thaten, als kälbere daheim die Kuh, oder ſchwärniten die Bienen, oder wollte der Topf über⸗ laufen, ſo blieben ſie doch meiſtens auf ſechs oder zehn Schritte von einander ſtehen und plauderten fort, bis ſie wieder ſo nahe beiſammen ſtanden, daß ihre Armkörbe ausweichen mußten. Darüber aber betrübte ſich der Bürgermeiſter, der dieß böſe Exempel tagtäglich vor dem Fenſter ſeiner Amtsſtube mit anſehen mußte, und weil er fürchtete, daß dieſer Unfug gegen der Stadt Beſtes weiter um ſich greifen

eine beſtimmte Stunde und ſagte zween Stadtknechten, was ſie zu thun hätten. Und als die zwei ehrbaren Frauen des andern Tages wieder beiſammen ſtunden und kehrten, wo ihre Thüren nicht waren, und mit ihren Zungen das fremde Korn draſchen, und den Flachs des Nächſten durch ihre haar⸗ feinen Hecheln zogen, und dieſes und jenes Vögelein rupften, bis keine gute Feder mehr an ihm war, ſiehe, da kamen die zwei Stadtknechte, der eine von der Pegnitz herauf und der andere von der Veſten herab, ein jeder aber mit einem

rothſaffianenen Rathsſtuhl. Je weiter ſie aber gingen, deſto

zog er ſeine Börſe und legte 10 Silbergroſchen auf den

Tiſch. Mit triumphirender Miene wollte Meiſter R. die⸗

ſelben einſtreichen und freute ſich ſchon der Liſt, mit welcher

er ſo ſchnell zum Ziel gekommen. Da rief ihm der Advokat entgegen:Halt, lieber Nachbar! Wenn Sie noch 10 Silbergroſchen zulegen, dann bin ich gerade für meine Mühe bezahlt. Der Fleiſchermeiſter ſtutzte.

Aber der Rechts⸗

anwalt fügte unbefangen hinzu:Jeder gute Rath, den ein Advokat ertheilt, koſtet 20 Groſchen, laut Sporteltaxe,

Paragraph ſo und ſo. Rath angeſprochen, ich bitte mir dafür die rechtszuſtändigen Gebühren aus.

nicht, was er ſagen ſollte. ſeinen Beutel ziehen und die auf den Tiſch gezählte Summe verdoppeln. Als er mit ellenlangem Geſichte heimwärts ging, murmelte er bei ſich ſelbſt:Ja, befaß dich nur mit Advokaten, da wirſt du bald erfahren, wie guter Rath theuer iſt.

Der Faſtnacht Rurzweil. Von Karl Stöber. 14.

Wenn zwei Ameiſen an dem Stamm eines Baumes in Geſchäften gehen, die eine hinauf die andere herab, und ſich begegnen, pflegen ſie anzuhalten und bei einander ſtehen zu bleiben, aber nur einen kleinen Augenblick. Und in Nürn⸗

Sie haben mich um einen ſolchen

größer wurde ihr Schweif von Schulkindern und Lehr⸗ burſchen. Und als ſie bei den zwei Weibern angekommen waren, ſtellten ſie ihre Armſtühle hin, richteten einen Empfehl von Bürgermeiſter und Rath aus und ſagten, die ehrbaren Frauen möchten doch Platz nehmen. Und als ſie das ſagten, gingen am Rathhaus alle Fenſter auf, die es hat, und alle Perücken ſchauten heraus, die darin waren, das böſe Volk der Schreiber gar nicht gerechnet, und die Geier hinter den Rathsdienern ſchlugen ein Geſchrei auf, dergleichen die alte Reichsſtadt bis dahin noch nicht gehört hatte, und gaben den Frauen das Geleite bis vor ihre Häuſer. Die Chronik aber berichtet, das Mittel des Bürgermeiſters hätte ange⸗ ſchlagen und die Töchter Jeruſalems ſtellten ſich ſeit der Zeit nicht mehr ſo oft und ſo lange zuſammen. Ja, ſie geht noch weiter und will behaupten, das Mittageſſen um eilf Uhr

datire ſich von dieſer Zeit, wo die Frauen der ehrbaren Der Fleiſchermeiſter ſtand mit offenem Munde und wußte )

Aber wohl oder übel, er mußte

.

Bürgerſchaft angefangen hätten, das Fleiſch bälder heimzu⸗ bringen und an das Feuer zu ſetzen. Vordem wäre es oft um zwölf Uhr noch nicht weich geweſen.

15.

Einer von den ſieben Weiſen in Grübelſtadt machte ein⸗ mal eine Reiſe, und als er müde geworden war, legte er ſich unter einen großen Baum in den Schatten. Weil er aber kurz zuvor in dem Büchlein Tobiä von der Unvorſichtigkeit und Unzielſetzlichkeit der Schwalben geleſen hatte, breitete er ſein Schweißtuch über das Angeſicht und ſchlief ein. Da geſchah es, daß ein ſchwerer Schuh denn er hatte daumen⸗ dicke Sohlen und dieſe waren über und über mit Nägeln be⸗ ſchlagen vom Baume fiel und mit dem Schienbein des Weltweiſen Bekanntſchaft machte, daß der Mann aufwachte und über dieſe Naturerſcheinung ſeine Vermuthungen hatte, z. E. es möchte ein Meteorſchuh ſein, gleich den Steinen,

NA