Freſſer Zeiten wohl ſchon öfter geſchehen und braucht einen nicht Wunder zu nehmen, daß es Menſchen mit ſo weiten Magen giebt. Gibt's ja doch ſolche mit noch viel weiteren Gewiſſen, die allmälig ſo viel verſchlingen, bis ſie es zur Kunſt bringen. Aber thun wir die Frage des Nimmerſatts nicht Alle und faſt täglich:„Kommt denn der Fiſch bald?“ Der liebe Gott ſpeiſt uns unverdient und reichlich, und je ſatter wir ſind, deſto öfter fragen wir nach mehr.
Auch nicht übel. Ein origineller Gauner, der in der neueſten Zeit unter verſchiedenen Geſtalten und häufig als„Graf“ ſein Weſen getrieben, iſt der Schuhmacher Raupe aus Buttſtädt im
Großherzogthum Weimar. Durch das jüngſte Schwurge⸗ richt wurde er, nachdem man ſeiner endlich habhaft geworden, zu 8 Jahren Gefängniß verurtheilt, die er im Strafarbeits⸗ haus zu Eiſenach verbüßen ſollte. Aber ſiehe! ſchon nach kurzer Zeit wußte ſich der ſchlaue Patron am hellen Tage in Freiheit zu ſetzen und zieht nun, zum Schabernack der Poli⸗ zei, als vornehmer Herr im Lande umher, wiederum ein Gaunerſtückchen nach dem andern verübend.
Als man ſich neulich in einer ländlichen Geſellſchaft davon unterhielt, ſagte ein Bauer, der nicht auf den Kopf gefallen iſt:„Ja, ja, das machen die warmen Tage, die uns heuer ſchon der Februar gebracht hat: da iſt Herr Raupe als Schmetterling ausgeflogen und hat nicht einmal den Frühling abgewartet. Der wird ſich nicht ſo bald wieder verpuppen laſſen!“
Guter Kath in
Offenes Sendſchreiben an Herrn Dr. Rathgeber
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von J. L. Schwarzbrühhauſen, 22. Febr. 1857.
Hochverehrter Herr Dr.! Ihr Ruhm iſt geſichert, Ihr Leben wird fortan nur eine reiche Ernte ſein für das Ver⸗ dienſt, das Niemand in größerem Maße ſich erworben, als Sie, theuerſter Mann, gelehrteſter Doktor! Ein Wort haben Sie geſprochen, und dieſes eine genügt Ihren Namen vor der Vergeſſenheit zu bewahren. Eine Wahrheit haben Sie verkündet, deren Licht viele Köpfe erleuchten, viele Herzen erwärmen, viele gebeugte Seelen aufrichten muß! Ja, ich bin ſo voll des Entzückens, daß ich mich nicht enthalten kann, Ihr inhaltreiches Wort hier zu wiederholen. Sie ſagen:„aber für Kaffee und Thee iſt noch nichts aufgefunden worden, was ſie in Wahrheit erſetzen könnte.“ Bitte, laſſen Sie dieſe Worte mit fetter Schrift drucken, daß kein Auge an ihnen vorüber gehe, daß beſonders Ihr Freund H. F. J. ſie leſe und ſich wohl merke. Sagen Sie mir, beſter Doktor! wer iſt dieſer H. F. J., der ſich unterſteht die Magenkrämpfe, Nervenſtörungen und Schlafloſigkeit ſeiner Frau auf Rechnung des Kaffees zu ſetzen? Im Namen meines beleidigten Geſchlechtes beſchwöre ich ſie, nennen Sie mir den vollſtändigen Namen dieſes Mannes, deſſen Haus⸗ arzt meint:„Stirb, oder entſage dem Kaffee!“ Der Mann und ſein Arzt ſoll mit der Spitze des vernichtenden Wortes von mir getroffen werden, von mir, die ich mich berufen glaube, mein ſo oft gedemüthigtes, verſpottetes und dem Ehrgeize der Männer geopfertes Geſchlecht gegen ſolche An⸗ griffe, wie die in No. 8. des„Feierabend“, zu vertreten. Was ſoll man von einem Arzte denken, der gegen Magen⸗ krämpfe, dieſen oft beſiegten Damenfeind, kein anderes Mittel weiß, als Nichtkaffee? Iſt Jemand ſchon an Magen⸗ krämpfen geſtorben, ſo lange er Kaffee getrunken? oder, trinkt man nicht erſt recht Kaffee, wenn man die Magenkrämpfe bekämpft? oder iſt etwa der Kaffee früher nach Europa gekommen, als die Magenkrämpfe? Ihr Hausarzt, Herr H. F. J.! ſtellt den Tod als die Folge des Kaffee's hin? Sagen Sie mir doch gefälligſt, wo hat Ihr Hausarzt ſtudirt? Welche Fakultät hat ihn zum Doktor gemacht? Ihre Frau klagt über Nervenſtörungen? Kein Wunder! Man müßte Nerven wie ein Ankertau haben, wenn ein ſolcher Arzt ſie
offenen Briefen.
nicht ſtören ſollte! Ihre Frau leidet an Schlafloſigkeit, und Ihr Arzt giebt dem Kaffee die Schuld? Hat denn der Frevel der Männer gar keine Gränzen, daß ſie ſelbſt die Wiſſen⸗ ſchaft benutzen, uns Frauen zu kränken? Auf Kaffee ſollte man nicht gut ſchlafen? Welch' ein Hohn, welch' eine traurige Verirrung! Nur der Schlaf iſt geſund, erfriſchend und belebend, dem eine Taſſe, oder auch zwei und drei Taſſen Kaffee vorangegangen! Ich ſollte einſchlafen, ehe ich Kaffee getrunken, oder ſollte erwachen und nicht ſofort ſeinen Duft riechen? Ich mag dieſen Gedanken nicht ausdenken, er iſt zu fürchterlich. Sie wollen, Herr H. F. J.! ein Erſatzmittel für den Kaffee? Sie gütiger, liebenswürdiger, beſorgter Gatte! Wenn Sie doch auf Erſatzmittel denken, warum fangen Sie grade bei uns Frauen an? Warum fragen Sie nicht nach einem Erſatzmittel für den Rauch⸗ und Schnupf⸗ tabak, oder einen Erſatz für das Lagerbier? Iſt das etwa ſo geſund für den Magen? Bringt das keine Störungen der Nerven hervor? Was ſchlafen doch die Männer ſo
Bruſt und Magen! Giebts kein Erſatzmittel? Ich will meinen Zorn nicht mit dem Spotte miſchen, ich bin mit Ihrer Antwort, Herr Dr. Rathgeber, zufrieden. Sie haben es offen und frei erklärt, daß der Kaffee nicht zu erſetzen, Sie haben ihn analyſirt und damit gerettet in ſeiner ſo hart angegriffenen Ehre! Dank, tauſend Dank, Herr Dr.! für mich, mein Geſchlecht und Jahrhundert! Ihr Name gehört fortan der Geſchichte, die da iſt das Weltgericht, die ver⸗ urtheilen wird den H. F. J. und ſeinen Hausarzt, die aber Sie, Herr Dr.! krönen wird mit dem Lorbeer des ewigen Ruhms, der Ihnen heute ſchon zuerkannt wird von den Frauen aller cultivirten Völker und im Namen derſelben von Ihrer dankbaren Julie.
Nütliches Allerlei. (Fortſetzung.) 26. Wie bereitet man gute Alizarin⸗Tinte wohlfeil?. Der Name bedeutet auf türkiſch eigentlich Krapp⸗Farbe⸗ ſtoff und iſt ganz unrichtig, da kein Krapp dazu kommt.
ruhig, wenn ſie Bier getrunken haben! Wie ſtärkt der Tabak


