Jahrgang 
1857
Seite
46
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Seine Majeſtät möchte geruhen einen gnädigſten Beitrag zu

Kleine Mittheilungen zur Kurzweil und Zelehrung.

Der Faſtnacht Rurzweil. Von Karl Stöber.

12.

Wem Gott ein Amt giebt, dem giebt er auch den Ver⸗ ſtand dazu und noch mehr. Das hat ſeine Richtigkeit, ſeitdem Moſe zu Gott ſprach:Wer bin ich, daß ich die Kinder Iſrael aus Aegypten führe? und ihm der Herr antwortete:Ich will mit Dir ſein, und der Knecht auch ausrichtete, wozu er geſandt war. Aber bei dem Freiherrn von Hollerbuſch war es ein ander Ding. Als er einen Nihil zum Pfarrer gemacht hatte, ſchrieb er vergebens dahin und dorthin nach dem Nürnberger Trichter. Aber zwei loſe Vögel nahmen das Meßbuch, deſſen ſich der Pfarrer in der Kirche zu bedienen pflegte, und radirten die Sylbe fa aus der Collekte, wo es heißtDa famulo tuo patrono nostro's. Und ſo oft nun der Pfarrer ein Hochamt hielt, ſang er mit ſeinem BierbaßDa mulo tuo, patrono nostro d. i. nicht Gieb deinem Diener und unſerem Schirmherrn, ſondern Gieb deinem Mauleſel, unſerem Patron, denn auf eine Sylbe und Note mehr oder weniger kam es ihm nicht an. Aber der Biſchof, als er zur Kirchenviſitation gekommen war, bekreuzte er ſich über den einen wie über den andern, über den Pfarrer und den, der ihn dazu gemacht hatte.

13.

In der Kaiſerſtadt Wien war einmal ein armes Klöſter⸗ lein und fünf oder ſechs Auguſtiner wohnten darin und führten ein geruhiges und ſtilles Leben in aller Gottſeligkeit und Ehrbarkeit. Aber ob ſie gleich bei ihren Kutten kein Sedaner Tuch hatten und Peter Schmalhans Jahr aus und Jahr ein ihr Küchenmeiſter war, ſo wurde ihnen doch der Schuh hint und vorn zu enge, und weil dazumal die Müller und Bäcker, die Krämer und Holzflößer, die Dachdecker und Tüncher noch keine Bücher oder Schreibtafeln führten, ſtanden die Mönche allenthalben auf dem Kerbholz und das Borgen kam bei ihnen immer vor dem Zahlen. Darüber verfielen die frommen Brüder in große Traurigkeit und ließen zuletzt die Köpfe hängen, wie der junge Lein im heißen Mittag. Aber der jüngſte unter ihnen, der an den Sonntagen in der Hofkirche predigte, verzagte nicht, ſondern begab ſich zu dem Kaiſer und ſagte, ſein Klöſterlein hätte da und dort gutes Holz liegen, aber kein Geld, um die Abgab⸗Zettel zu löſen;

thun. Da ſchrieb der Kaiſer eigenhändig eine Anweiſung und befahl ſeinem Zahlmeiſter, das Holz der Auguſtiner zu löſen, wie es ihm der Pater Abraham des Weiteren angeben werde. Und als der Mönch den Zettel hatte, ging er damit zu den Müllern und Bäckern, Krämern und Holzflößern, Dachdeckern und Tünchern, Glaſern und Schreinern, Borten⸗ machern und Schneidern, Töpfern und Büttnern, Fiſchern und Uhrmachern und den andern Gläubigern des Convents und ließ ſich auf ſein Verſprechen baldiger Bereinigung, ſo wie auf ſein ehrliches Geſicht hin die Kerbhölzer geben, auf denen des Kloſters Namen ſtund. Damit begab er ſich zu

dem Zahlmeiſter und erſchrak faſt ein wenig, als er auf der

Schreibſtube auch des Kaiſers Majeſtät traf.

Aber der ſatt fragte nach mehr.

gute Fürſt lachte über das theure Holz der Auguſtiner und löſte es nicht nur aus, ſondern ward auch von da an ein

großer Wohlthäter des Klöſterleins. Vermachte ihm unter andern einen ſchönen Buchenwald, damit es künftig nicht mehr das theure Kerbholz zahlen müßte.

Wegerich. Von O. Glaubrecht. 10.

Ueber'm Eſſen Wird Gott vergeſſen.

Ein Vornehmer von gutem altem Aldel hatte einen Andern ſeines Standes geladen zum Fiſchfang, und während das Waſſer im Teiche allmälig abging und die Fiſche in ihrer Beſtürzung auf's Trockne zu liegen kamen, vergnügten ſich die Beiden an Speis und Trank und allerlei Kurzweil. Da erhebt ſich ein Geſchrei aus dem Teiche, und zwei Fiſcher ringen mit einem Hechte, wie keiner ſeit Menſchengedenken war geſehen worden, und bringen ihn endlich an's Land und legen ihn zu den Füßen der erſtaunten Herrn.Ein ge⸗ waltiger Fiſch, ſagt der Eine,kein Wunder, daß ſo wenig Brut in dem Teiche war, ein ſolcher Freſſer weiß aufzu⸗ räumen.Und doch, ſagte der Andere,hab' ich einen Bauer daheim, der frißt den Fiſch da und fragt nach mehr. Alles, was in den Sack geht, lachte der Erſte,aber der das könnte, der müßte ja einen Magen wie eine Regi⸗ mentstrommel haben; der Herr Bruder belieben wohl nur zu ſcherzen.Gedenkt der Herr Bruder etwa eine Wette einzugehen, daß der Bauer Nimmerſatt daheim den Fiſch frißt? Und ſie reichten ſich zur Wette die Hand.

Der Reikknecht, den ſie in das etliche Stunden ent⸗ fernte Dorf ſchickten, traf den Nimmerſatt nicht daheim, ſeine Frau aber meinte, er werde zum Inbiß nicht nein ſagen und es lohne ſich immer der Mühe, daß ſie ihn vom Felde hole; denn ſie ſpare wenigſtens ſein Abendeſſen, und das ſei ſchon ein Gewinn. Alſo wird der Mann von dem Felde geholt und ihm von der Wette der beiden Herrn erzählt, und er ſagt vergnügt:Dazu kann Rath werden, Ihr ſeid an den Rechten gekommen, nur müßt Ihr mich erſt ein Frühſtück nehmen laſſen. Der Reitknecht wollte abwehren, aber der Bauer meinte, erſt wenn er hier einen rechten Grund gelegt habe, dann könne er dort bei den Herrn ſeinen Mann ſtehen, wenn nicht, ſo bekäme er unter Weges den Jähhunger und dann blieb der Fiſch ungegeſſen. Alſo er zum Entſetzen des Reitknechtes einen halben Laib Brot und etliche Handkäſe, nahm ſeinen Stab und wanderte rüſtig neben dem Reit⸗ knechte her zum Fiſchteich.

Die Herrn hatten dem Bauer den Fiſch in drei Por⸗ tionen theilen und jede beſonders bereiten laſſen. Erſt kam der Hecht abgeſotten und dann in einer Brühe und endlich gebraten, und alle drei Portionen verſchwanden, man wußte nicht wie, langſam, aber ſicher durch den Mund des Nimmer⸗ ſatts. Wie das letzte Stücklein verzehrt war, da drehte ſich der Bauer um und ſagte:Nun, kommt jetzt der Fiſch bald?

Die Wette war gewonnen und verloren, und der Nimmer⸗ Das iſt ſeit Lucullus und anderer

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