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Kleine Mittheilungen zur Kurzweil und Belehrung.
Der Faſtnacht Rurzweil. Von Karl Stöber.
10.
Ein Herr machte mit ſeinem Diener eine Reiſe zu Pferd. Da lief ein Fuchs über den Weg, und der Herr rief:„Das war ein großer Fuchs.“ Der Reitknecht aber verwunderte ſich nicht, ſondern antwortete, in Podolien, wo er daheim ſei, gebe es ganz andere Füchſe, die wären ſo groß, wie die Ochſen, der Schweif gar nicht gerechnet.„Ei, ei!“ ſprach der Herr und ſtaunte über die Maßen. Und als es bald darauf zwiſchen die Berge hinein ging, von denen die Lawinen herabkommen und die Saumroſſe mit ihren Führern begraben oder in die finſtern Abgründe hinabſtoßen, deutete er zu den himmelhohen Firſten hinauf, an deren Fuß der Weg hinlief und erzählte allerlei von ihnen, z. B. wie viele Seelen da im vorigen Jahre genau um dieſe Zeit zu Grunde gegangen wären, und daß man ſage, dieſe Berge hätten es ſonderlich auf die Leute abgeſehen, die hin und wieder das Maul zu voll nehmen. Doch glaube er es nicht.— Aber der Diener glaubte es, und je enger das Thal, deſto kleiner wurden auch die Podoliſchen Füchſe.„Irren iſt menſchlich, ſagte er, als das Geſpräch wieder auf die beſagten Thiere gebracht war, und iſt wohl möglich, daß ſie auch nicht größer ſind, als eine
mittlere Kuh oder ein ziemlicher Schafhund.“„Und in der
Dämmerung oder im Nebel, verſetzte der Herr, ſieht ohnedem
alles größer aus, denn im Sonnenlicht.“ Worauf der Diener erwiederte, davon habe er auch ſchon gehört und Podolien
wäre allerdings ein finſteres und nebliges Land. Aber der freundliche Leſer ſpricht bei ſich ſelber:„Lieber laß ich den Fuchs, wie er iſt.“
11.
Wenn ſich einmal die Grübelſtädter einen aufbinden
ließen, hat es nicht der Erzähler zu verantworten, ſondern
der Lehrer von Heldenbruch. Der ließ ihnen ſagen:„Wenn
ihr mich zu eurem Schulmeiſter macht, ſo mach ich euch das Wetter, wie ihr es braucht; denn wer damit umgehen kann, der bin ich.“ Und als er's geworden war, hatten es die Grübelſtädter, wie ſie es wünſchten, zum Aufrichten des Sommerfelds trockenes Wetter, auf die Gerſtenſaat einen
ergiebigen Regen, warme Nächte für ihre Wieſen und ſchöne
Sonntage für ihre Jahrmärkte. Waren daher auch mit dem neuen Schulmeiſter ſehr zufrieden, und wenn er dazwiſchen einmal die Schule einſtellte oder eine Stunde und darüber eher ausmachte, pflegten ſie zu ſagen:„Laßt ihn nur gehen, er hat mit dem Wettermachen zu thun.“ Darauf aber als Etliche ein Extrawetter für ſich wünſchten und ihn darum baten, ſchüttelte er mit dem Kopf und antwortete, daß er nicht einem Jeden ein beſonderes machen könnte; wenn der große und kleine Rath zu einem einſtimmigen Beſchluß gekommen wären bezüglich des Wetters, dann wolle auch er ſein Mög⸗ lichſtes thun.— Aber man lieſt in der Chronik von Grübel⸗ ſtadt nicht, daß es je zu einem ſolchen Beſchluß gekommen wäre. Denn in der Heuärnte z. B. wenn die einen, denen ihr Futter noch draußen lag, für Sonnenſchein ſtimmten, fragten die andern, die es ſchon unter Dach hatten, ob denn
ihre Wieſen ausbrennen und des Grummets verluſtig gehen
ſollten? Kurz es ſetzte jedes Mal einen Polniſchen Reichstag
und der Schulmeiſter mußte ſeine ſchöne Gabe des Wetter⸗ machens brach liegen laſſen.
Wegerich. Von O. Glaubrecht. 9.
„Viſchſang und Vogelſtellen Verdarb ſchon manchen Junggeſellen.“
Es ſaßen einmal im Wirthshauſe zuſammen der Fiſcher, der eigentlich ein Leinweber, und der Vogelfänger, der eigent⸗ lich ein Schuſter, und der Tagdieb, der eigentlich ein Schneider war, und der im Orte der Schaude hieß. Es ſprachen die Dreie, und thaten dazwiſchen manchen Schluck von ihrem Steckenpferd, das ſie meiſterlich zu reiten ver⸗ ſtanden, indeß die Ihren zu Hauſe nichts zu reißen und zu beißen hatten.„Wißt Ihr denn auch,“ hub der Vogel⸗ fänger an,„wie man in ein Neſt mit jungen Blutfinken zu greifen hat, um lauter Männchen zu greifen? Das muß man thun, wenn Morgens die Sonne aufgeht. Dann ſitzen die Männchen alle nach Oſten, und was die Weiblein ſind, nach Weſten; das fehlt nicht.“—„Und wißt Ihr denn auch,“ hub der Fiſcher an,„wo am beſten Aale zu fangen ſind? Das will ich Euch ſagen! In den Erbſenäckern ſind ſie am beſten zu fangen, aber es gehört Liſt und Geduld
dazu. Denn der Aal, müßt Ihr wiſſen, der iſt halb Fiſch
und halb Schlange, und derohalber geht er ſo dann und wann an's Land und ſoll grauſam gern in den Erbſenäckern ſein; ob er nun die Schoten frißt oder den Heimchen nach⸗ ſtellt, das weiß ich nicht.“—„Hui,“ ſagte der Tagdieb, und that einen tiefen Trunk aus ſeinem Glaſe, und drückte das eine Auge dabei zu,„wenn iſt das, daß der Aal zu Land geht, bei Tag oder bei Nacht?“—„Allemal bei Nacht,“ ſagte der Fiſcher, denn er kann die Sonne nicht leiden, die trocknet ihm ſeine Haut.“ Damit war's für heute gut, und jeder der Dreie ging ſeinen Berufsweg; der Fiſcher, um die Angeln für den Nachtfang zu legen, der Vogelfänger, um in den Hecken zu lauſchen, wenn die Finken zur Abendatzung ihrer Jungen heimkehrten, und der Tagdieb ſchlenderte durch den Ort und hielt Rath bis in die Nacht hinein und drückte dann und wann das eine Auge zu und ſchmunzelte dabei.
Nun geſchah es, daß es wieder Morgen ward, und der Vogelfänger machte ſich auf, aus einem Blutfinkenneſte die Männlein zu holen, die nach Oſten im Neſte ſitzen, da be⸗ gegnete er dem Fiſcher, der nach ſeinen Angeln ging, aber ſchlecht erwacht ſein mußte; denn er ſchalt im Gehen und war ſehr unwirrſch. Ihm war in der Nacht das Netz ge⸗ ſtohlen worden, das er zum Trocknen ausgeſpannt hatte, und er fluchte deshalb dem Dieb. Wie die beiden nun dem Bache zugehen, da bleiben ſie plötzlich erſtaunt ſtehen; denn in der Mitte eines Erbſenackers ſehen ſie den Tagdieb, wie er zitternd vor Kälte und Spannung in den Erbſen ſteht, das Netz zum Fang halt bereit und auf die Aale lauert, wenn
ſie aus dem Bache auf's Trockne kämen. Der Tagdieb war ſehr unwillig über den Spott ſeiner Kameraden und ging


