Jahrgang 
1857
Seite
35
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ſtalt verurtheilt er noch zwölf der Ortsinſaſſen von Dieters⸗ dorf; aber der Dreizehnte ließ ſich das Urtel nicht gefallen

ſondern rang mit dem Edelmann und brachte ihn zuletzt unter

den Tiſch, wo er liegen blieb, bis ſein Weib kam und ihn heim führte.

Humoriſtiſche Briefe

Sorgenhauſen, 5. Februar 1857.

Du haſt es ſchon oft gehört, mein Freund! daß unſere Zeit ſich durch das Stichwort charakteriſireEs iſt zu ſpät! So oft auch Du und mit Dir die halbe Welt dies ſchon ge⸗ hört haben mag, ſo iſt es doch nicht wahr. Unſere Geſchichte dreht ſich nicht in dieſen Angeln, ihr Rad wird dadurch nicht bewegt und nicht aufgehalten. Ein Anderes iſt es, das ſich mit Rieſenkraft an die Gegenwart anklammert, das ſie kenn⸗ zeichnet vor der Vor- und Nachwelt, und dieſes Andere iſt nichts weiter als die drei Worte: Es reicht nicht! Damit habe ich Dir alles Dunkele geoffenbart, habe ich das Ge⸗ heimniß enthüllt, in dem die Krebsſchäden unſeres Jahrhun⸗ derts verborgen liegen. Schaue Dich mit mir um, wir werden überall dieſem Motto begegnen! Blicke mit Deinem rechten Auge in Deinen Caſſaſchrank, während Dein linkes in Deine Wirthſchaft gerichtet iſt, und in Dir ſprichts: Es reicht

nicht! Gieb Deiner Frau Montag Morgens ihr Wochengeld, ſchon den Donnerſtag kannſt Du aus ihrem feuchten Auge

leſen: Es reicht nicht! Kaufe Dir einen Rockſtoff und laß den Schneider kommen, er wird Dir Maß nehmen und Dich dann mit dem Worte erſchrecken: Es reicht nicht!(Wozu

Guter Kath in

Rüche und Haus. (Fortſetzung.)

9. Welchen Nutzen gewährt der Kalkanſtrich den Obſtbäumen?

Wenn er im Herbſt erfolgt, erreicht man dadurch ein Dreifaches:

a. Werden dadurch die Bäume ſo gänzlich von Moos und Flechten befreit, daß man, ſo weit der Anſtrich gekommen i*ſt, im folgenden Sommer keine Spur davon bemerkt, auch wenn ſie noch ſo ſehr damit überzogen waren. Die ſpiegel⸗ glatte Rinde der Bäume zeugt von ihrer wiedererlangten Geſundheit.

b. Werden durch den Anſtrich die Weibchen des Forſt⸗ nachtſchmetterlings(Phulaena geometra brumata) abge⸗ halten, an den Bäumen hinanzukriechen, ſowie durch die Schärfe des Kalks, beſonders bei älteren Bäumen, viele Eier und Puppen anderer Raupen vernichtet und am Aus⸗ gehen verhindert werden.

c. Werden durch dieſes Anſtreichen auch die Haſen abge⸗ halten, den Winter über die jungen Bäume zu benagen, und

den Schlangen und Kröten! und trinkt es aus. Derge⸗

es nicht reicht, wird er Dir freilich nicht ſagen.) Ueberraſche Deine Tochter mit dem feinſten Kleide, ſie wird ſich doch nicht ganz freuen; denn es reicht nicht zu den fünf oder ſechs Volants, welche die Zeit erfordert. Frage die Beamten, denen Gehaltserhöhung jetzt gepredigt wird, nach dem Texte dieſer Predigt, und er lautet ſicher: Es reicht nicht! Höre die Miniſter in den Kammern, ſie rufen es den Deputirten laut und vernehmlich zu: Es reicht nicht! Zähle die Bei⸗ träge zu den 100 Kanonen für Aleſſandria, und Du wirſt das Facit finden: Es reicht nicht! Selbſt einem Napoleon wurde die mildthätige Hand von dem Finanzminiſter mit dem Rufe feſtgehalten: Es reicht nicht! Ins Endloſe müßte ich Dich führen, mein Guſtav! wollte ich Dir Alles zeigen, von

ſinnend ſtehen bleibſt und eine Frage an das Schickſal richteſt; wenn Du nach dem Grunde forſchen, oder auf Mittel und Wege zur Beſſerung denken wollteſt, dem Uebel zu begegnen: dann umhüllt ein dichter Flor Dein Auge, Du ſchauſt in eine ewige, dicke Nacht, und kein Stern lichtet die Finſterniß. In dieſer ſchaurigen Lage ziehe ich Dich an mein vom Weltſchmerz abgehärtetes Herz und gieße den Balſam des Troſtes in Deine bekümmerte Seele. Ich gebe Dir einen kurzen, aber vortrefflichen Rath, der eine Erfindung der neueſten Zeit iſt und noch von Wenigen gekannt wird, er lautet: Vermehre

gaben! Thuſt Du das und thut die Welt Dir's nach: dann kannſt Du Dich darauf verlaſſen, es reichtüberall! Hier⸗ bei bitte ich Dich nur um Eins: Verrathe Niemandem, wer Dir das Problem der Zeit gelöſt hat! Würdeſt Du mich ent⸗ decken, ich käme in furchtbare Verlegenheiten, ich müßte natürlich ſofort Finanzminiſter werden, und dann o Schrecken! würde ich wahrſcheinlich auch zu dem Be kenntniß gezwungen werden: Es reicht nicht! Darum ſchweige und ſchütze dadurch vor dem Hohngelächter der Welt Deinen Freund Fritz.

offenen Briefen

es iſt nicht nöthig, daß man ſie mit Stroh oder Dornen da⸗ gegen ſchütze.

Um den Anſtrich zu bereiten, verfährt man ſo: Der ge⸗ brannte Kalk wird gelöſcht und alsdann ſoweit mit Waſſer verdünnt, bis er etwa dünnem Syrup gleich kommt, und leicht aufgetragen werden kann. Nachdem die Flüſſigkeit kalt ge⸗ worden, überfährt man mittels eines Pinſels, wie ſich deren die Anſtreicher bedienen, bei trocknem Wetter die Bäume. Wo ſich Moos und Flechten befinden, trägt man etwas ſtärker auf. Nähme man den Kalk nicht verdünnt genug, ſo würde er ſich bald von der Rinde löſen und abfallen, alſo der Zweck verfehlt werden. Das Anſtreichen iſt allherbſtlich auch an ſolchen Bäumen, wo kein Moos iſt, zu wiederholen, und es iſt der ganze untere Theil des Schaftes zu überfahren.

10. Wie verfährt man, kränkelnde, beſonders an Wurzelfäule leidende Pflanzen wieder kräftig zu machen?

Man begießt ſie mehre Male mit heißem Waſſer von 40 500 R.

11. Wie verfährt man, wenn man ſich verbrannt hat?

Man bringt ſchnell den verbrannten Theil in ein Bad

dem man ſagen muß: Es reicht nicht! Wenn Du nun hier⸗

Deine Einnahmen und vermindere Deine Aus⸗=