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und legt ſie auf den Froſtſchaden. Wenn man dies einige⸗ male wiederholt, ſo wird der gewünſchte Erfolg nicht aus⸗ bleiben. Dieß einfache Volksmittel, das ſich insbeſondere die Gärtner merken ſollten, um die ſonſt nutzloſen Gurkenſchalen in Vorrath zu trocknen, hat ſich einen großen Ruf erworben.
Indeſſen bin ich mit meinem„guten Rath“ noch lange nicht zu Ende. Der Eine probirt Das, der Andere Jenes. Das Königl. Medicinal⸗Collegium in Köln, vor dem ich mich in Demuth beuge, hat ein Pflaſter empfohlen, das aus feingeſchabter Kreide beſteht, die mit gewöhnlichem Thran zu einer ſteifen Salbe bereitet, auf ein Stück Leinwand ge⸗ ſtrichen und aufgelegt wird. Dieſes Pflaſter wird ſo oft erneuert, als ein vermehrtes Gefühl von Wärme anzeigt, daß es trocken geworden iſt. Später wechſelt man es nur Morgens und Abends. In 5 bis 6 Tagen ſoll der Schaden geheilt ſein.
Andere empfehlen, die erfrorenen Hände oder Füße jeden Abend in grünen Kohl zu ſtecken, der in Waſſer gekocht iſt, ſo heiß, als man's ertragen kann. Nach dreimaligem Gebrauche muß der Kohl erneuert werden. Nach dem Bade zieht man wollene Handſchuhe oder Strümpfe an und legt ſich zu Bett.
Profeſſor Bertholt in Göttingen berichtet, daß er durch vielfältige Verſuche in der Gerbſäure ein Mittel gefunden habe, Froſtbeulen leicht und gründlich zu beſeitigen und deren Rückkehr zu verhüten. Drei Loth zerſtoßene Gall⸗ äpfel und ½ Pfund Regenwaſſer läßt man in einem irdenen Topfe eine Viertelſtunde lang kochen und ſeiht die Flüſſigkeit nach dem Erkalten durch Leinwand. täglich zwei⸗ bis dreimal eine Viertelſtunde lang zum Baden der vom Froſt ergriffenen Theile gebraucht oder als Umſchlag mittelſt Läppchen auf dieſelben angewandt. Zum Abtrocknen muß man
Flüſſigkeit Flecken verurſacht. Jucken und Brennen, ſo wie
Steifigkeit und Geſchwulſt verſchwinden gewöhnlich ſchon
nach 2— 3 Tagen, während bei hartnäckigen Uebeln ein längerer Gebrauch des Mittels erforderlich iſt. Bei auf⸗ gebrochenen und eiternden Froſtbeulen darf es jedoch nicht an⸗ gewendet werden.
Daß auch das Collodium ein vortreffliches Mittel gegen Froſtſchäden iſt, habe ich ſchon einem andern Frage⸗ ſteller mitgetheilts).
An Ch. W. in 3. bei g.
Ja, mein Lieber! wenn ich ein Radicalmittel gegen Kurzſichtigkeit wüßte, ſo wär' ich ein gemachter Mann, obwohl die Brillenhändler und die jungen Leute, die gern mit
*) Vergl. Nr. 2.
Dieſe Flüſſigkeit wird
ſich eines werthloſen Tuches bedienen, weil die
Augengläſern kokettiren, mich darob vielleicht ins Pfefferland wünſchen möchten. Wenn Sie übrigens keine ſonſtigen Be⸗ ſchwerden fühlen, ſo laſſen Sie ſich wegen Ihrer Kurzſichtig⸗ keit nicht bange ſein. Das iſt ein Uebel, welches bei jungen Leuten ſehr häufig vorkommt und ſich nicht ſelten in ſpäteren Jahren verliert. Uebrigens wird es Ihren Augen jedenfalls wohlthätig ſein, wenn Sie das Nachtleſen ganz zu ver⸗ meiden ſuchen. Auch kann ich Ihnen zur Erfriſchung und Stärkung der angegriffenen Augen die Ihnen durch Ankün⸗ digungen ſicher ſchon bekannte, von Dr. Romershauſen be⸗ reitete Augeneſſenz dringend empfehlen, die Sie(pro Flaſche mit Gebrauchsanweiſung 1 Thaler) faſt in allen Städten— in Gotha bei Guido Wenige— beziehen können. Indeſſen will ich mich auf dieſen kurzen Rath nicht beſchränken, ſon⸗ dern einen meiner ſachkundigen Helfershelfer veranlaſſen, demnächſt ein ausführliches Kapitel über Augenpflege im „Feierabend“ zu veröffentlichen.
Was die Hämorrhoidal⸗Verſchleimung Ihres Freundes betrifft, ſo müßten nähere Mittheilungen an mich gelangen wenn ich mit meinem guten Rath nicht in die Luft V ſtreichen will. Bedenken Sie auch fein, daß ich mir alle
privilegirten Aerzte auf den Hals hetzen würde, wenn ich ohne Weiteres„in ihr Handwerk pfuſchen“ wollte. Und doch kann ich es nicht unterlaſſen, Sie auf ein Mittel aufmerkſam zu V machen, das ſchon Vielen ſehr gute Dienſte geleiſtet hat. Es ſind die Kräuter⸗Pulver von Louis Wundram in Braunſchweig)(à Schachtel 15 Sgr., entweder von L. Wundram ſelbſt oder auch von Guido Wenige in Gotha zu beziehen), die in meinem eigenen Hauſe niemals V ausgehen. Zwar iſt Hr. Dr. Bock in Leipzig, deſſen große Verdienſte um naturgemäßere Geſundheitspflege ich aufrich⸗ tigſt und dankbar anerkenne, wie gegen die Hombopathie, ſo V auch gegen dieſes und ähnliche Mittel mit ſcharfer Feder zu Felde gezogen, und ich ſelber— offenherzig geſtanden— bin durchaus kein Freund ſolcher„Geheimmittel“, die mit vollem Munde angeprieſen werden und doch am Ende nur darauf berechnet ſind, den Leuten das Geld aus den Taſchen zu locken; V was ich aber ſelbſt erprobt habe, daß laß' ich mir von Nie⸗
mandem ſtreitig machen, und wenn er von allen Fakultäten
promovirt wäre. Allein, auch mein Hausarzt Sie wiſſen
ja, daß man ſich ſelber am wenigſten helfen kann, wenn man V auch für Andere immer guten Rath weiß!— hat den Ge⸗ brauch der Wundramſchen Pulver bei vielen Unterleibsbe⸗ ſchwerden als ein ſehr heilkräftiges Hausmittel wiederholt empfohlen, und ich kann Ihnen ſagen, daß der wahrhaftig nicht auf den Kopf gefallen iſt. Alſo: Probiren geht über Studiren. Das behaupte ich, Dr. Rathgeber, und es ſoll mich freuen, wenn ſich die Wahrheit dieſes Spruches auch an Ihrem Freunde bewährt.
Kleine Mittheilungen zur Kurzweil und Zelehrung.
Humoriſtiſche Brieſe vond... I. Sorgenhauſen, 23. Januar 1857. Mein lieber Guſtav! Freue Dich mit mir, daß der böſe Januar bald überſtanden! Das iſt ein böſer, harter Monat,
nicht etwa wegen ſeiner kurzen Tage und langen Nächte, nicht wegen ſeiner Kälte und ſeines Froſtes, ſondern wegen ſeiner Rechnungen! Wer ein ganzes Jahr ſtumm war— im Ja⸗ nuar öffnet er den Mund und ruft das ſchreckliche Wort: „bezahlen;“ wer elf Monate die Feder nicht angerührt— im Januar kann er plötzlich ſchreiben und— rechnen! O, guter Guſtav! waren das Tage! Vom frühen Morgen
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