An Herrn Dr. Rathgeber.
V „Guter Rath iſt theuer“, ſagt das Sprüchwort, und „umſonſt iſt der Tod“. Ich aber ſage: auch ſchlechter Rath V ſiſt theuer, ja faſt immer der theuerſte, wenn er auch wohlfeil gegeben wird, und auch der Tod iſt nicht umſonſt.
friſchen Froſtſchaden weiß ich ein gutes Mittel, das ein Tiſchler an mir praktizirt hat. Ich komme einmal mit erfrorenen Ohren von einer Reiſe nach Hauſe und muß einen Höllenſchmerz aushalten. Zufällig war der Tiſchler im Hauſe. Was thut der? überpinſelt mir die ganzen Ohren, f dabei auch verſchiedene Haare mit warmem Leim.
Sie
4—, Nach 5b 3 deiß nicht, ob Sie Doctor der„ 3 1 5* 5 aber, Herr Doctor, Ech weiß 3 einigen Tagen waren meine Ohren ſo gut wie früher, unnd 1 ſ Medicin oder nur ſo ein Gelehrten⸗Doctor ſind) ſollen„f 3 e 2 7 er 4. Ne 3 Ge⸗ ich habe nie wieder etwas daran gefühlt. Aber Haare mußte 6 umſonſt, das heißt ohne Vergütung, Koſten, Ge⸗ l. 5 M⸗ Alber 9 nuß ie digef ich dabei laſſen; denn der Kerl hatte den Leim nicht geſpart, bühren, Honorar, Geſchenk, Speſen, Gratification, und wie 9. 3 5 . z uf eg G und das Abwaſchen dauerte länger als das Leimen. Das die Worte, die ſämmtlich auf das Geben hinauslaufen, auch 2 76 6(„. war gegen neuen Froſtſchaden. Aber wie heilt man alte alle heißen mögen,— ich ſage umſonſt ſollen Sie Rath 3,39 D. ſs mehte; nn ” e Schäden? Dieſes möchte ich gern wiſſen; denn mein Küchene ceertheilen. Dies macht mich ſtutzig, ja mißtrauiſch,—: „ ee; mädchen leidet daran, und wenn die an etwas leidet, ſo Unaehmen Sie mir es nicht übel! Ich denke dabei an die lerdet anch das Eſſen, und ich bin dann mitleidi id „ Freunde der leidenden Menſchheit“, wie z. B. gewiſſe Hof⸗ lererunt 0e) mtlerdig und räthe in Braunſchweig und Sanitätsräthe, die auf frankirte t Mi 8 hach 1. Hochach G Briefe unentgeldlich und nur aus Erbarmen gegen ihre Mit Hochachtung
Ihr ergebenſter kranken Brüder und Schweſtern für alle mögliche Leiden, H. F. J. womit wir elenden Sterblichen geplagt ſind, guten Rath ertheilen. Hat man aber Zeit und Poſtgeld daran gewendet, ſeine eignen Leiden oder die einer Frau, Baſe u. ſ. w. dem Helfer in der Noth recht ausführlich zu beſchreiben(was der Freund der Menſchheit vielleicht gar nicht lieſt) ſo be⸗ kommt man ein Büchelchen zugeſchickt, worin gedruckt ſteht,
Antwort. gegen Froſtſchäden.
Ihre Anfrage, mein Lieber, kommt gerade zur rechten
daß einzig und allein ein berühmtes Heilmittel, von einem vorweltlichen Wunderdoctor erfunden und ein Geheimniß des Hof⸗ oder Sanitätsrathes, eine Miſchung der geheim⸗ ſten Naturkräfte aus dem Pflanzenreiche, daß dieſes einzig und allein im Stande ſei, zu helfen, und daſſelbe einzig und allein zu haben— nun kommt die Adreſſe— für einen oder einige Thaler. Eine Schachtel Pulver oder Pillen thut's natürlich nicht. So bekommt man für ſchweres Geld ein Abführungsmittel— denn darauf laufen ja alle dieſe Mittel hinaus!— das man in der Apotheke für ein Viertheil des Preiſes erhalten würde, und muß nur froh ſein, wenn das Mittel unſchädlich iſt, wofür die Freunde der leidenden Menſchheit allerdings ſorgen, weil ihnen von der Behörde ſehr auf die Finger geſehen wird.
Sehen Sie, Herr Doctor, daher kommt mein Miß⸗ trauen, und Sie dürfen mir das nicht übel nehmen, denn „gebrannte Kinder ſcheuen das Feuer“. Ich will es aber doch mit Ihnen verſuchen, denn es ſchimmert ſo eine gewiſſe Ehrlichkeit durch Ihre Ankündigung, ſollen auch ſonſt ein Ehrenmann ſein, der's nicht auf's Geldſchneiden abgeſehen hat. Vielleicht ſind Sie gar von der hohen Regierung oder einem menſchenfreundlichen Verein als Rathgeber angeſtellt, und ich würde mir in dieſem Falle den Titel„Oeffentlicher Rath“, was offenbar mehr iſt als Geheimer Rath, von Rechtswegen zulegen.
Ich frage alſo: Was thut man gegen Froſt und Froſtſchaden? Daß ein dicker Pelz den Froſt abhält, Pelz⸗ ſtiefeln wärmer ſind als Pantoffeln, daß man hinter dem warmen Ofen und im Federbett gegen Froſt geſchützt iſt, dürfen Sie mir nicht ſagen; denn ich rühme mich einiger Er⸗ fahrung. Ebenſo weiß ich, daß gute waſſerdichte Stiefeln mit Doppelſohlen und Haarſohlen darin gegen kalte Füße ſchützen und wahre Geſundheitserhalter ſind. Ich meine auch nicht, wie man gefrorene Aepfel oder Blumen retten kann, denn dagegen iſt nichts beſſer als kaltes Waſſer, ſondern ich denke dabei blos an den Menſchen. Auch gegen
Zeit und an den rechten Mann. Sie werden mit meinen Rathſchlägen zufrieden ſein.— Wenn ich aber auch ohne allen Eigennutz rathe und helfe, ſo wird doch hoffentlich Ihre Köchin aus purer Dankbarkeit das beſte Gericht auf⸗ tiſchen, wenn ich demnächſt bei Ihnen zuſpreche, um mich nach der Wirkung meiner Mittel zu erkundigen.— Doch zur Sache!
Sie ſchreiben, daß man gefrorene Aepfel und Blumen durch kaltes Waſſer rettet, wenn ſie überhaupt noch zu retten ſind. Nun, daſſelbe Mittel iſt auch gegen veraltete Froſtſchäden ſehr probat. Man tauche den leidenden Theil recht oft, und wenn es zwanzig Mal des Tages wäre, etliche Minuten lang in eiskaltes Waſſer und trockne ſich dann jedesmal recht ſorgfältig ab. Schon nach wenigen Tagen iſt der aufgebrochene Schaden geheilt, odev die Froſt⸗ beulen ſind verſchwunden, und überdieß hat das kalte Waſſer den leidenden Theil gegen die nachtheilige Einwirkung der Kälte abgehärtet.
Sie erzählen außerdem von einer Procedur, die mit Tiſchlerleim an ihren Ohren praktizirt worden ſei. Das⸗ ſelbe Mittel kann auch auf die veralteten Froſtſchäden mit gutem Erfolge angewendet werden. Der Leim wirddick gekocht, auf ein Papier geſtrichen und warm auf die leidende Stelle gelegt. Schon nach einigen Tagen ſind die Schmerzen ge⸗ hoben.
Noch ſchnellere Wirkung äußert das Diakilonpflaſter, das man in den Apotheken kauft. Ihre Köchin kennt es vielleicht unter dem verſtümmelten Namen:„Diakonus⸗ pflaſter.“ Dünn auf Leder geſtrichen, wird es auf die kranken Stellen gelegt. Der Schmerz iſt alsbald wie verſchwunden, und ſelbſt die offenen Wunden heilen ſchnell.
Wenn aber Ihre Köchin kein Geld ausgeben will, ſo ſpalte ſie einen Hering und lege ihn auf die kranke Stelle, oder nehme ſauere Gurken(wenn ſie welche hat) und trockne die Schalen zur Aufbewahrung. Sollen ſie ge— braucht werden, ſo weicht man ſie in Waſſer und Eſſig auf


