wandern ins In⸗ und Ausland, und reiche Summen fließen ihm von allen Seiten zu. Mit regem Schäͤrfſinn lauſcht er der Natur ihre Geheimniſſe ab und macht freudige Ent⸗ deckungen, die ſein Herz und ſeinen Verſtand bereichern; er erntet Ruhm und Geld, und ganze Vereine krönen ſeine Verdienſte durch Auszeichnungen. Wenn ihr ihn aber fraget, was ihn ſo glücklich gemacht, ſo antwortet er mit inniger Freude: Ein Kirſchkern.
Wegerich.
Von O. Glaubrecht.
0. „Scherz ſoll Schaf-, nicht Hundezähne haben.“
Viel Waſſer und Weide um ein Dorf her iſt immer etwas werth; wenn man aber vor lauter Waſſer und Weide nicht in's Dorf hinein und heraus kommen kann, dann geht es einem, wie es denen ging, die damals, es war zur Zeit der ſchlechten Wege, ſich glücklich in das Dorf hineingearbeitet hatten, aber auf der andern Seite nicht wieder heraus konnten. Denn vor einem tiefen Loche, mit Waſſer und Schlamm an⸗ gefüllt, hielten Roß und Wagen zu allen Jahreszeiten über legend ſtille, und doch half alle Ueberlegung nichts. Denn wer weiter mußte, der drückte in Gottes Namen, wenn er ein Gottesfürchtiger war, dem Pferde die Sporen in die Seite oder hieb, war er anders geſinnt, mit einem derben Fluch auf ſein Geſpann hinein, drückte den Hut in's Geſicht, und war Roß und Reiter bei gutem Athem und der Schlamm nicht zu tief, ſo kam das Geſpann auf der andern Seite wieder heraus in einem Zuſtande, wie etwa ein Ferkel, das im Sumpfe Mittagsruhe gehalten hat. Dem frellich iſt's wohl dabei, aber den Reitern und Fuhrleuten blieb oft nichts Anderes übrig, als bei dem Wirthe Einkehr zu halten, der gerade dem Loche gegenüber ſeine Herberge hatte und oft zuſah, wie die Fiſcher am Meere, ob der Herr den Strand ſegnen werde.
So ſteht er auch einſt, das Pfeifchen im Munde, auf der Treppe vor ſeiner Thüre und ſieht einen Trupp Reiter ankommen, luſtiges, junges Volk; die halten vor dem Loche und überlegen, wie ſie hindurch könnten. Einer aber reitet keck auf den ſchmalen Steg zu, der für Fußgänger zur Seite des Waſſerlochs angebracht war, und will mit dem Pferde da hinüber. Wie ſich aber das Pferd ſcheut, die ſchmale Brücke zu betreten, da ruft er hinüber:„He da, Herr Wirth! kann man über den Steg reiten?“— Der Wirth thut einige mächtige Züge aus ſeiner Pfeife, auf daß ſie ihm während des Dienſtes an ſeinem Nächſten nicht ausgeht, oͤffnet ſeinen Mund und ruft:„Es kommen ihrer Etliche hinüber, es fallen ihrer auch Etliche hinein; thut, wie ihr wollt!“ Und dann blieb er ſtehen und rauchte weiter und dachte weiter:„Eins oder das Andere, mir Alles recht, ich bin Nummer Sicher.“
Solcher Wirthe mit brennenden Pfeifen und kalten Herzen gibt's heute noch auch da, wo die Wege beſſer ſind, denn damals. Aus dem Verderben Anderer ziehen nicht nur die Aasvögel und die Miſtkäfer ihren Vortheil, ſondern auch die Wirthe und die Krämer und die Kuppler und die Pferdeverleiher, und die da ſchweigen, wo ſie reden müßten; „denn wer da weiß Gutes zu thun und thut's nicht, dem iſt es Sünde.“
Viel beſſer hat mir ein ander Stücklein gefallen, das zu
einer andern Zeit, aber auch von dem Wirthshaus bis in das Dorf hinein geſchah, das vor ſich und hinter ſich und mitten darin ſo böſe Wege hatte. Einmal geſchah es näm lich, daß das Waſſer über die ganze Weide weg ging und bis mitten in das Dorf hinein. Da dachte Einer, der einen Klepper im Stalle hatte: er hat geruht geſtern und vor— geſtern, ſo mag er heute etwas verdienen, und ſpannte ihn an ſeinen Karren und fuhr die Leute über, die des Weges kamen, die aus dem Orte für ein„ſchön Dank“, die Bettler umſonſt und die Leute von Anſehen und Stand um zwei Kreuzer Fuhrlohn. Wie er einmal wieder am Waſſerloch hielt, kam über den Steg herüber eine Schar Muſikanten, Einer hinter dem Andern drein, die Inſtrumente unter dem Arme, bereit, ſogleich loszuſpielen; denn wer gern tanzt, dem iſt gut geigen.„Wollt Ihr über fahren?“ fragte der Fuhrmann.„Ja wohl,“ riefen die Muſikanten,„aber bei uns thut's die Menge; nehmt einen Kreuzer ſtatt zwei und laßt uns aufſitzen.“—„Bin's zu frieden,“ ſagte der Fuhrmann,„aber Eins halt' ich mir noch aus: ſo lange Ihr auf meinem Karren ſitzet, müßt Ihr mir ſpielen, zuerſt den„Jäger aus Kurpfalz“ und darnach den „Prinz Eugenius“ und zuletzt:„Heinrich ſchlief bei ſeiner Neuvermählten.“ Die Muſikanten ſagten lachend zu und ſtiegen auf. Aber der„Jäger aus Kurpfalz“ war kaum halb aufgeſpielt, da merkte der Fuhrmann, daß das Waſſer ab⸗ nähme und das Ziel nahe wäre. Da ließ er den Klepper ſtehen, und die Muſikanten thaten die Inſtrumente von Mund und Backen und riefen:„Vorwärts!“ Aber der Fuhr⸗ mann wich nicht; ſie baten und drohten, aber der Klepper ſtand ſtill im Waſſer.„Erſt die drei Lieder zu Ende,“ ſagte der Fuhrmann,„dann fahre ich Euch auf's Trockene.“ Die Muſikanten ſetzten mit zornrothen Geſichtern abermals die Inſtrumente an, und Jubel ſchallte aus allen Fenſtern und vom Lande aus dem Fuhrmann zur Ermunterung.„Ich ſpringe in's Waſſer,“ ſchrie der mit der Baßgeige,„ehe ich den Schimpf mir gefallen laſſe,“ und that, als wollte er herab; aber nur lauter tönte der Jubel, und eine Stimme rief:„Recht ſo, die Baßgeige iſt beſſer, als ein Backtrog!“— Was half's, auch das dritte Lied mußte noch geſpielt werden, und als auch der„ungetreue Heinrich“ ſeinen Lohn bekommen hatte, führte der Fuhrmann die Muſikanten auf's Trockene, und heute noch erzählt man im Orte von dem Spaße, zumal, wenn das Waſſer groß wird.
Und bei großem Waſſer fällt einem freilich allerlei bei, und das beſte iſt gewiß das von Noah's Rettung und von dem Täublein mit dem Oelzweige und von dem Friedens⸗ bogen über Noah's Opfer, ehe noch der erſte Weinberg ge— pflanzt war.
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Anekdote. Mittel zur Erregung des Appetits.
In einer öffentlichen Schulanſtalt für erwachſene Leute fand allgemeine Beköſtigung ſtatt. Zu den faſt täglichen Ge⸗ richten, die wegen der Knickerigkeit des Oekonomen immer ſehr dürftig waren, gehörte eine Suppe aus verſchimmelten Brot⸗ rinden, ein aus Grütze und Flußwaſſer ſehr einfach zugerich⸗ teter Brei u. dergl. Manchmal kam auch, als etwas ſehr
Delikates, ein Trunk aus unreifen Pflaumen u. dergl. auf den Tiſch. denn es folgte gewöhnlich eine ſolch' ein Mittagsmahl.
Davor aber hatten Alle eine Art von Reſpekt; freiwillige Abführung auf Um jedoch den Leuten Appetit zu


