Jahrgang 
1857
Seite
10
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Bombardement der Stadt geſchritten, 23 chineſiſche Kriegs⸗ dſchonken, die übrigens gut vertheidigt wurden, in den Grund geſchoſſen und die noch übrigen Forts genommen. So ſtanden die Dinge bei Abgang des letzten Poſtſchiffes. Allem An ſchein nach wird aus dieſen Feindſeligkeiten ſich ein regel⸗ rechter Krieg entwickeln, Hartnäckigkeit ſich nicht fügen wollen. Der Vicekönig von Canton hat eine Proklamation erlaſſen, in der er,da die eng⸗ liſchen Barbaren einen Angriff auf die Hauptſtadt der Provinz

da die Chineſen mit ihrer gewohnten

trefft und der Skandal macht, müßt Ihr, wie Ihr könnt, gefangen nehmen. Für jeden, der auf dieſe Weiſe getödtet wird, gleichviel, wer er iſt, ſetzen wir einen Preis von 36 Thalern aus. Achtet dieſe Proklamation nicht gering. Ein Zaeder gehorche zitternd ohne Widerſetzlichkeit! Die Chineſen dürften bald im Großen die Erfahrung machen, daß ſie trotz ihrer großen Anzahl denengliſchen Barbaren und ihren Maſchinen lange nicht gewachſen ſind.

In Süddeutſchland hat ſich in den letzten Wochen eine ſehr lebhafte Agitation gegen den Durchmarſch preußiſcher

gemacht, befiehltalle Engländer zu ergreifen und zu ver⸗ nichten. Jeden engliſchen Spitzbuben, ſo ſchließt die Proklamation,den ihr am Ufer oder am Bord einem Schiffes

Truppen entwickelt. Die gehoffte friedliche Ausgleichung wird dieſe Quellen der Unruhe verſiechen machen.

Kleine Mittheilungen zur Kurzweil und Belehrung.

den Wald verlaſſen hatte, fing ſogleich der Froſch wieder an zu quaken.

Als die Blauäugelein vertrocknet waren, ging das Mägdelein wieder in den Wald, ihrem Vater die ſchönen Blumen zu holen. Da ereignete ſich Alles wie das erſtemal; das Mägdelein ſtellte aber die Blauäugelein in's Waſſer, und da wuchſen ſie immer höher und ſchöner. So ging das Mägdelein noch oft in den Wald, Blauäugelein zu pflücken, und jedesmal half der Zwerg ihm ſuchen nnd führte es nach dem Berge, wo die ſchönen Blümlein ſtanden.

Eines Tages waren ſie ganz bis auf des Berges Spitze b gekommen, da kreiſte der Rabe mit ſeinen ſchwarzen Schwingen über der Zwerghöhle, und ſogleich kam der Zwergkönig über den Berg gefahren in einem prächtigen Wagen, der von vier Adlern gezogen wurde. Darüber war das Mägdelein nicht wenig erſchrocken, denn der Wagen fuhr gerade auf ſie zu; der kleine Zwergkönig aber ſagte, daß er ſie ſo lieb habe, und fragte, ob ſie nicht einmal ſein Schloß im Berge ſehen wolle.O ja, ſprach die Prinzeſſin,Euer Schloß möcht' ich ſchon einmal ſehen. Da hob der Zwerg ſie in den Wagen, ſprang ſelbſt als Diener hinten auf, und wie der Wind ging's der Zwerghöhle zu. Ueber dieſe war die Prinzeſſin aber gar ſehr verwundert; denn darin war es heller als in ihres Vaters Schloſſe, und war Alles darin von Gold, Silber und Edelgeſtein.

Als die Prinzeſſin Alles angeſtaunt hatte, ſprach der Zwergkönig:Liebſt Du mich denn auch, liebes Kind, und möchteſt Du mich wohl erlöſen? Denn ich bin mit den übrigen ſechsundzwanzig Zwergen, die Du hier ſiehſt, dieſen Berg gezaubert von der böſen Fee, die jenſeit dem Berge wohnt. Der Zauber aber kann dadurch gelöſt

V

Blauäugelein.

Ein Märchen,

nach den Aufzeichnungen eines Harzers mitgetheilt von Dr. Heinrich Pröhle.

Blauäugelein hatte vier Schweſterlein und war eines mächtigen Königs Sohn; aber jenſeits dem Berge, der nicht weeit von ſeines Vaters Schloſſe war, wohnte eine böſe Fee in einem prächtigen Schloß, die verwünſchte ihn, als er noch ein kleiner Knabe war.

Einſt ſprach der König zu ſeinem jüngſten Töchterlein:

Mein Kind, gehe in den Wald und pflücke mir einen Strauß Blauäugelein, daß ich Deines Brüderleins gedenke, das auch Blauäugelein hieß.

Da ging das Mägdlein in den Wald; der aber zog ſich einen Berg hinan, und in dem Berge war eine Zwerghöhle. Der kleine Zwergkönig aber, der darin wohnte mit ſechs⸗ unndzwanzig Zwergen, liebte die kleine Prinzeſſin gar ſehr und hatte einem der Zwerge befohlen, daß er immerfort auf ſſiie Acht haben und ihm Alles berichten ſollte, was ſie thäte.

Sie hatten auch zuſammen verabredet, daß der Zwergkönig

oben auf den Berg kommen ſollte, um die Prinzeſſin zu ſſeehen, wenn ein Rabe über der Höhle kreiſte, wenn aber ein AFroſch quakte, ſo ſei die Prinzeſſin noch fern von des Berges Spitze. Da hatte der Froſch gar lange gequakt, und gar traurig hatte der kleine Zwergkönig es in ſeiner Höhle ver⸗ nommen. Als aber die Prinzeſſin in den Wald kam, einen Strauß Blauäugelein zu ſuchen, ward er ſtumm. Das

Mägdlein ſuchte lange hin und her, konnte aber keine Blau⸗

äugelein finden; da ward der Zwerg, welcher in ſeiner Nähe

ſein mußte, neugierig, warum es ſich immer ſo bückte, trat herzu und fragte:Was ſuchſt Du, Mägdelein? Sie ant⸗ wortete:Ich ſuche ein Blümlein, heißet Blauäugelein. Da ſie das geſprochen hatte, hob der Rabe ſchon ſeine Schwingen auf. Der Zwerg aber ſprach:Wenn Du mir folgen willſt, ſo will ich Dir ſchon Blauäugelein zeigen, will Dir auch ſolche pflücken helfen. Da gingen ſie mit einander

auf den Berg; da ſtanden viele, viele Blauäugelein; der Zwerg half aber dem Mägdelein davon pflücken, und es ging mit leichter Mühe tödten. Hierauf ſchneideſt Du Dir eine Drachenklaue ab und wirfſt ſie in den Brunnen; dadurch

werden, daß ein Jungfräulein, die den Zwergkönig liebt, wenn die Fee nicht daheim iſt, wie jetzt, nach dem Schloſſe hinzieht und die Ringe von den ſiebenundzwanzig Zwergen holt, welche die Fee in den Brunnen ihres Schloßhofes ge⸗ worfen hat, der von vier wüthenden, feuerſpeienden Drachen bewacht wird. Die Drachen aber kannſt Du dadurch über⸗

winden, daß Du ſie mit einem Spiegel blendeſt. Dann kannſt Du ſie durch ein Schwert, das ich Dir geben will,

mit dem Strauß heim und brachte ihn dem König, ſeinem

ſteigen die Ringe auf den Waſſerſpiegel. Du darfſt aber ja keinen von den ſiebenundzwanzig Ringen vergeſſen. Wenn Du Alles ſo ausgerichtet haſt, ſo ſind wir Alle erlöſt.

Vater, der erfreute daran ſein Herz und gedachte ſeines Sohnes Blauäugelein. Des kleinen Zwergkönigs Herz

ug tlerner 1 g 3 aber war traurig; denn als das Mägdelein den Berg und