Jahrgang 
1857
Seite
7
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Guter RKath in

Das Collodium als Hausmittel.

An H. J. in E. Das Collodium(Klebäther) iſt bekanntlich von den Profeſſoren Schönlein in Baſel und Böttcher in Frankfurt a. M. erfunden worden. Es beſteht aus Schießbaumwolle, die in Aether aufgelöſt iſt, und wird in jeder Apotheke ſehr billig verkauft(das Lth. etwa 3 Sgr. oder 8 Kr). Wenn aber auch die Schieß baumwolle das Pulver nicht verdrängt hat und ſomit der alte Berthold Schwarz bis jetzt in ſeinen Ehren und Würden geblieben, ſo verſpricht dagegen das Collodium wegen ſeiner leichten und vielfältigen Anwendbarkeit ein wahres Volksmittel zu werden, das in keinem Hauſe fehlen ſollte. Da es ſehr leicht verdunſtet, ſo muß es in einem Glaſe mit gut eingeriebenem Stöpſel an einem

möglichſt kühlen und dunkeln Ort aufbewahrt und darf

wieder verſchloſſen. Faſt augenblicklich bildet nun der Aether einen dünnen, weißlichen Ueberzug, der gegen Luft und Waſſer undurchdringlich iſt und faſt jedes Pflaſter entbehrlich macht. Indeſſen muß er täglich wenigſtens zweimal aufgetragen werden, weil ſich das firnißartige Häutchen nach und nach abblättert und zuletzt in Fetzen herunterhängt.

Und was nützt nun das Collodium, das man vielfach ein Univerſalmittel nennt?

Zunächſt hab' ich daran gedacht, als ich Sie über die Heilung der Froſtbeulen belehrte. Und da leiſtet es in der That vortreffliche Dienſte, indem es eines Theils als Reizmittel wirkt und andern Theils den Zutritt der Luft abſchließt. Die Schmerzen hören auf, die Geſchwulſt ſetzt ſich, und in kurzer Zeit ſind Geſchwür und Beulen geheilt. Ja, man könnte wol auch das Collodium an wenden, um die empfindlichſten Theile gegen Froſt zu ſchützen, indem man etwa Naſe, Ohren und Hände da mit überpinſelt; und Sie dürfen mich nicht auslachen, wenn ich Ihnen ſage, daß man das Collodium allen Ernſtes als Schutzmittel gegen eine der gefährlichſten Kinderkrankheiten, gegen die Halsbräune, empfohlen hat.

Aber faſt noch werthvollere Dienſte leiſtet es bei allen Brandverletzungen, indem es am ſicherſten die

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affenen Briefen.

Waſſerumſchläge hinderlich zu ſein. Mit wenig Pinſel⸗ ſtrichen ſind die wüthendſten Schmerzen bewältigt, und die Wunde heilt in kurzer Zeit.

Damit iſt ſchon angedeutet, daß der Klebäther über haupt bei leichten Wunden und bei allen Hautab ſchürfungen außerordentlich wohlthätig wirkt, was auch die alten Pflaſterſchmierer dagegen ſagen mögen. Die Waſchfrauen, die ihre Hände aufgerieben haben, können gar nichts Beſſeres thun, als dieſelben mit Collo dium beſtreichen, und in kurzer Zeit werden ſie ihrem Verdienſt wieder nachgehen können. Und wer ſich etwa die Füße wund gelaufen hat und ſelbige Abends mit Collodium überpinſelt, kann des andern Morgens getroſt ſeine Reiſe fortſetzen. Ja, man behauptet ſogar, daß ein⸗ gewachſene Nägel an den Zehen und flache, langwährende Fußgeſchwüre dadurch zur Heilung gebracht würden.

Item ſollen auch wunde Bruſtwarzen, eine ſo häufige und große Plage der ſtillenden Mütter, unter der ſchützenden Decke des Collodiums in kurzer Zeit heilen, obgleich meine Frau noch nicht recht daran glauben mag, weil die kleinen Schreihälſe nicht ſo lange Geduld haben, bis die Wunden vollſtändig verharrſcht ſind, und das Collodium doch erſt wieder entfernt werden muß, bevor ſie ihre Nahrung ſuchen dürfen. Dagegen glaube ich ſchon, daß Blutegelbiſſe, deren nachrinnen des Blut oft ſchwer geſtillt werden kann, vom Klebäther leicht verſchloſſen, und daß Rothlaufentzündungen, wenn ſie noch nicht in Eiterung übergegangen ſind, da durch raſcher beſeitigt werden.

Und ſollte das Collodium nicht auch gegen Zahn ſchmerzen helfen? Weiß doch jedes alte Weib wol zehn probate Mittelchen dagegen, unter denen das ſeltene KräutleinGeduld jedenfalls das probateſte iſt. Wer aber dieſes nicht zu finden weiß, der pinſele den hohlen Zahn, den er nicht unter die Zange des Zahnarztes geben mag, mit Collodium aus, und flugs iſt der böſe Plage⸗ geiſt zum Schweigen gebracht.

Endlich mögen Sie nur die Gärtner fragen, wie leicht und ſicher ſie mit Collodium faſt alle Baumwunden heilen, wie raſch die Stecklinge anwurzeln, wenn ihr

Schnittende in Collodium getaucht wird, und wie gut die Edelreiſer verwachſen, wenn die Schnittwunden, ſtatt mit Baumwachs verklebt, mit Collodium überſtrichen werden, und ich habe gewiß nicht zu viel geſagt, wenn ich Ihnen den Klebäther als ein Univerſalmittel empfahl, das in keinem Hauſe fehlen ſollte.

Luft von den Wunden abhält, ohne der Anwendung kalter

Correſp

An F. in K. Abermals eine reiche Manuſcript⸗Sendung, dürfte doch des Guten zu viel werden! Was nicht benutzt werden kann, geht auf dem Wege des Buchhandels zurück. Einzelne Aufſätze, die wir einſtweilen behalten, finden wol ſpäter gelegentliche Ver⸗ wendung. Dagegen vermiſſen wir unter Ihren Mittheilungen noch immer ſo kleine pikante Notizen, wie Sie Ihren intereſſanten Briefen hin und wieder eingeflochten ſind.

An L. B, in M. Proſit das neue Jahr! Die Bilder ſchick ich, wenn ſie fertig ſind, und warte dann des Wortes, das ſie be⸗ gleiten ſoll.

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ondenz.

An F. H. in D. Unter herzlicher Theilnahme beſcheinige ich den Empfang der letzten Zuſchrift. Einige der gütigſt überſandten Mittheilungen, die ich bereits bezeichnete, werden zurückgehen.

An J. Z. in L. und F. S. in B. Wird beſonders beantwortet.

An F. L. in H. Wort und Bild ſehr willkommen! Wird Ende Februar benutzt werden. Die Kritik hätte ich etwas länger gewünſcht. Auch die Sendung unter Kreuzcouvert habe ich erhalten und bin dafür zu aufrichtigem Danke verpflichtet.

Manuſcript ohne Bezeichnung des Verf. Brief aus Washington,