Jahrgang 
1857
Seite
3
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Schachtel zu haben, die ſie ihrem Manne vorhalten konnte, wenn der Raptus den erfaßte und er aus der Hölle ſprang

und auf ſein Weib losſchlug und dabei in einem fort

ſchrie:Willſt Du noch mehr? willſt Du noch mehr? Der. ſagte ſie:Ach nein, ach nein, lieber Mann! ſo brac ze das Bittwort doch keineswegs den Schneider zur

Ne, er ſchlug und ſchlug, bis ihm ſelber der Athem

ausging.

Einſt in einer guten Stunde, wie ſie ja auch im 7

Leben eines Schneiders vorkommen, war es am Abend eines blauen Montags oder ſonſt an einem blauen Tage, da faßte ſich die Frau ein Herz, ihren geſtrengen Ehe herrn zu fragen:Aber ſage, Andres, was willſt Du denn eigentlich für eine Antwort, wenn Du mich ſchlägſt und fragſt, ob ich noch mehr wolle? Da ſagte der Schneider mit Ernſt und Würde:Du weißt, Lore, wie ich gleich bin, und Deine Hartköpfigkeit bringt mich

Guter RKath in

Theophraſtus Nathgeber, aller öffentlichen und geheimen Wiſſenſchaften wohlbeſtallter Doctor,

an die günſtigen Leſer.

Einem hohen Adel und verehrungswürdigen Publiko mich ganz gehorſamſt empfehlend, erkläre ich von der löblichen Redaction desFeierabend in Form Rechtens dazu angeworben und conceſſionirt mich hierdurch be⸗ reit und fertig:

nalle Anfragen, welche aus Städten und Dörfern, Paläſten und Hütten in frankirten Briefen an den Herausgeber d. Bl. gerichtet werden(der mir ſolche pünktlich zuſtellt), mit den beſten Rathſchlägen für Menſchen und Thiere, für Haus⸗ und Feldwirthſchaft zu allgemeinem Nutzen und Ver gnügen aus dem unergründlichen Schatze der Wiſſen ſchaft und Erfahrung zu beantworten.

Zwar bin ich kein privilegirter Hexenmeiſter(denn Geſchwindigkeit undguter Rath ſind keine Hexerei); aber ich habe fleißig ſtudirt, was in allen Nöthen und Gebrechen förderlich und dienſtlich iſt, und will nun mit meinem Pfunde zur Wohlfahrt des Volkes wuchern. Freilich kann ich nicht Alles nur ſo aus dem Aermel ſchütteln. Was ich aber nicht weiß, das wiſſen Andere. Und wenn Ihr nur ein bischen Geduld habt, ſo wird Jeder, der da fragt, auch berichtet werden, und zwar ohne einen Pfennig Koſten und Gebühren. Die Antwort abex laſſe ich in dieſem Blatte drucken, ſo weit der Raum dazu ausreicht, und zwar unter der Adreſſe des Fragers, d. h. nur mit den Anfangsbuchſtaben ſeines Namens und Wohnorts, was Jeder ſchon verſtehen wird. Ich bin aber auch nicht ſo hoffärtig und eingebildet, daß ich nicht ſelbſt guten Rath und beſcheidentliche Zurechtweiſung annehmen ſollte, und werde alſo auch manche Briefe, die an mich gerichtet ſind, zur öffentlichen Kenntniß bringen.

Uebrigens verzichte ich darauf, meine Kunſt mit markt⸗ ſchreieriſchen Redensarten auszupoſaunen und anzuprei⸗ ſen. Ich will in ſtiller Beſcheidenheit wirken und nützen

immer noch mehr auseinander. Warum ſagſt Du nie⸗ mals, wenn ich hitzig bin und frage: willſt Du noch mehr?wie Sie belieben? Das Wort macht mich zum Lamm! Und die Lore hat ſich das Wort gemerkt und hat damit aus einem hitzigen Schneider ein zahmes Lamm gemacht.

Wer nun keine Schachtel mit einem Bart im Haus hat, aber dafür einen Hitzkopf, der paſſe doch auch einen blauen Tag ab und frage nach dem Worte, das ſolche Wunder thun kann.

Es ſteht freilich noch ein Wort anderswo geſchrieben, wer das kennt und zur rechten Stunde braucht, der erlebt noch ein größeres Wunder; denn das Wort ſchließt nicht allein den trotzigen Mund zu, ſondern thut auch das trotzige Herz für die Liebe von Oben her auf und macht es dann mild und linde.

offenen Briefen.

und was ſchier unglaublich ſcheint nicht einmal zu einemTrinkgeldchen die Hand aufhalten, obwohl doch ſonſt dergute Rath ſotheuer iſt. Den Lohn meiner uneigennützigen Beſtrebungen trage ich,ein edler Volks⸗ freund, in mir ſelbſt.

Darum kommt und hört und ſtaunt. Mein Raths⸗ ſtübchen iſt Allen geöffnet, die ſich am Herd desFeier⸗ abend um mich ſammeln. Was Ihr auf dem Herzen habt, theilt es mit. Und wenn's ein hohler Zahn iſt, der Euch quält, und wenn's ein Fettfleck, der Euch ärgert: Doctor Rathgeber weiß in allen Nöthen zu helfen. Und ſollte einmal die Frau Nachbarin, die gern in den Kaffeeſatz guckt, ein ſympathetiſches Mittelchen verlangen: nun, ich weiß auch damit zu dienen, ſei es auch nur, um den abergläubiſchen Gelüſten ein Schnippchen zu ſchlagen.

Aber bedenkt auch, was das Sprichwort ſagt: Ein Narr kann mehr fragen, als ſieben Weiſe antworten kön⸗ nen. Darum dürft ihr nicht etwa Auskunft verlangen: wie viel das Korn im nächſten Jahre koſten wird? welche Lotterienummer das große Loos gewinnt? ob die hohen Potentaten, welche die Welt regieren, gute Freunde blei⸗ ben werden? und wie viele Haare Bileam's Eſel gehabt hat? Solche vor- und aberwitzige Fragen werden auch vor⸗ und aberwitzig beantwortet werden. Was aber in

die Haus- und Feldwirthſchaft einſchlägt, was die Ge ſundheit der Menſchen und Thiere fördert, damit bin ich bei der Hand. Und wenn ich's einmal nicht bin, nun ſo wißt Ihr ja aus der Schrift:Alles Wiſſen iſt Stückwerk.

Wenn Ihr aber die Briefe, die ich nach und nach in die Welt entſende, aufmerkſam leſ't ob ſie auch nicht gerade an Den und Jenen gerichtet ſind, ſo könnt Ihr forthin die Mühe ſparen, Euch von klugen Baſen und alten Schäfern an der Naſe herumführen zu laſſen oder theure Recept⸗ und Wunderbücher zu kaufen, die ge⸗ wöhnlich nur für die Herausgeber zuGoldquellen werden.

Ja, und noch Eins! Ihr werdet nur mit ſolchen