Unruhen wegen der 45 Centimes Zusatzsteuer vor⸗ gekommen.
Paris. Die Sitzung vom 18. gab Hrn. Pierre Leroux eine neue Gelegenheit, seine socialistischen Lehrsätze zu entwickeln. Die Versammlung schenkte ihm indeß nur sehr geringe Aufmerksamkeit; sie nahm auf ihn nicht mehr die nämliche Rücksicht, wie bei einer früheren Rede der Art. Der Minister der Agrikultur und des Handels, Hr. Flocon, gab bei seinen Explicationen, die von ihm verlangt wurden, klar genug zu verstehen, daß es die Absicht der Re⸗ gierung sei, allen Schattirungen der socialistischen Par⸗ tei die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen, um von ihrem Systeme eine praktische Anwendung zu machen. Und so werden wir denn in Frankreich bald die Phalansterianer, Icarier, Socialisten von allen Farben eine praktische Anwendung von ihren Syste⸗ men machen sehen. Die Versuche sind jetzt bereits überflüssig. Die traurigen Resultate der socialistischen Nationalwerkstätten, dieses Versuchs in Riesengröße, haben über die socialistische Lehre Entscheidung ge⸗ fällt.—(Freunde! das Kind, das gehen lernen will, fällt im ersten Augenblick unfehlbar. Die Natur treibt es doch wieder auf die Füße. So ist es auch mit dem Socialismus Je ungeschickter, je unreifer man ihn auf die Füße stellt, desto sicherer fällt er, um immer sorglicher wieder aufzustehen. Was ist es für die Weltgeschichte, wenn er noch Jahrzehente darniederliegt,— was sind Jahrzehente für die Weltgeschichte?!)
Es liegt ein Entwurf vor, die Beweglichmachung von 300 Bataillonen Nationalgarde zu beschließen.— Nach dem Entwurfe des Justizministers über die Cautionen der Zeitungen wird, wie es heißt, der frü⸗ here Betrag von 100,000 Frs. auf 20,000 für die periodischen Blätter in Paris herabgesetzt. In demsel⸗ ben Verhältnisse werden auch die übrigen Journal— cautionen verringert.— In Nimes kam es, wie die „Gazette du Bas⸗Languedoc“ meldet, am vorigen Sonntag und dem darauf folgenden Tage zu Stra⸗ ßentumulten zwischen„Protestanten“ und„Katholiken.“ Die Nationalgarde mußte einschreiten, um die Strei⸗ tenden zu trennen und die Ordnung zu wahren.— Der König von Sardinien hat in Paris anzeigen lassen, er werde kein Freiwilligencorps annehmen, welches sich im Auslande bilden würde, um die Sache Italiens zu vertheidigen. a
Mailand, 17. Juni. Immer noch nichts von einem Angriff auf Verona.— Dagegen ist die Kunde eingegangen, daß mit Ausnahme von Venedig und Palmanuova das sämmtliche venetianische Gebiet in der Gewalt der Oesterreicher sei. Die wenigen Trup⸗ pen, die in Padua und Treviso lagen, haben sich nach Venedig zurückgezogen, um nicht etwa das Schick⸗
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sal der Garnison von Vicenza zu erleiden. Unter'm 16. d. hat die provisorische Regierung der Lombardei einen Aufruf an die Lombarden erlassen, worin den⸗ selben der Stand der Dinge im Venetianischen offen dargestellt, sodann zugleich betheuert wird, daß man das venetianische Gebiet keineswegs aufzugeben ge⸗ denke.„Wenn unsere Waffen an der Etsch stehen blieben— heißt es in dieser Proklamation— so würden wir unserm Schwur untreu werden.“
Kassel. Die Kammer hat den Ausdruck„Lan⸗ desherr“, der in einem Gesetz durch„Landesfürst“ ersetzt war, bei Revision des Gesetzes wieder in„Lan⸗ desherr“ verwandelt.
London, 17. Juni. Die„Times“ sagen:„Wir theilen mit Vergnügen mit, daß es Hrn. Olozaga, dem berühmten progresststischen Deputirten, gelungen ist, sich aus Spanien zu flüchten. Er ist gestern in London eingetroffen.
Nendsburg. Nach Aussagen von Aerzten, die aus dänischer Gefangenschaft zurückkehren, behandeln die Dänen die Gefangenen auf empörende Weise.
Petersburg. Den leibeignen Bauern ist ge⸗ stattet worden, unbewegliches Eigenthum zu erwerben und frei darüber zu verfügen.
Gießen. Die von Bewohnern Gießens gezeichneten Unterschriften der Adresse an die deutsche N V., die vom vaterländischen Vereine ausging, belaufen sich über 380, nahe an 400. Es kommen stets noch Unterzeichnungen vom Lande herein; ebenso Unterschriften aus der Stadt.
Bayreuth. Es scheinen Unruhen in den reuß'⸗ schen Ländern zu sein, da sich hiesige Truppen da⸗ hin marschfertig machen.
Venedig. Man hat die Absicht, sich aufs Aeus⸗ serste zu wehren. Die Zuschriften an die französische Republik um Hülfe bedecken sich mit Unterschriften.
Paris. Man will Frankreich Absichten auf Sa⸗ vohen unterstellen.— Die bewegliche Nationalgarde in der Stadt soll von 14000 auf 20000 Mann ge⸗ bracht werden. Man will so einen Theil der Arbei⸗ ter vom Rücken der Nationalwerkstätten abnehmen.
Wien. Die Arbeiter sind beruhigt worden.
Leipzig. Nach Privatnachrichten sind alle Stadt⸗ theile von Prag in den Händen der österreichischen Truppen. Die Czechen hatten Mangel an Allem, und Fürst Windisch⸗Grätz begann, die Stadt in Schutt zu verwandeln.
Altenburg. Fürst und Volk haben Frieden gemacht.
Königsberg. Pillau und Danzig werden in Kriegszustand gesetzt.
Berlin. Minister des Auswärtigen ist v. Schleinitz.
Pesth. Die Oesterreicher haben Carlowitz in Serbien bombardirt. Die Serbier ziehen in Massen heran.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer.
Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.
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