Prinz: Durch die auf mich gefallene Wahl bin ich berechtigt, in Ihrer Mitte zu erscheinen. Schon gestern wäre ich hierher gekommen, aber es war dieß ein Tag unauslöscher Trauer(nehmlich es war der Todestag seines Vaters) und ich habe ihn im Kreise meiner Familie zugebracht. Heute bin ich hierher geeilt, und ich spreche zunächst öffentlich mei⸗ nen Dank aus für das Vertrauen, das mich hier⸗ her gerufen. Ich heiße Sie herzlich willkommen aus allen Klassen und aus allen Provinzen. Alles wartet auf uns, die wir das Werk zu vereinbaren haben, welches das künftige Verhältniß des König⸗ thums zum Volke feststellen wird. Es ist dieß ein hoher, heiliger Beruf. Die constitutionelle Monarchie ist die vom Könige vorgezeich⸗ nete Regierungsform. Dieser werde ich von nun an alle meine Kräfte widmen, alle sind bisher stets dem Wohle des Vaterlandes geweiht gewesen. So stehe ich wieder in Ihrer Mitte. Möge das Ziel glücklich erreicht, möge dieselbe Gesinnung von Allen getheilt werden, dann wird unser Werk gelin⸗ gen. Möge in dieser Beziehung mein Erscheinen ein günstiges sein. Meine übrigen Geschäfte wer⸗ den mir nicht gestatten, Ihren Sitzungen regelmäßig beizuwohnen, und ich bitte daher um Einberufung meines Stellvertreters. Uns Alle leite der Preußen alter Wahlspruch: Mit Gott für König und Vater⸗ land!(Bravo von einem Theil der Rechten, Zischen von der Linken.) Der Prinz von Preußen verweilte nur ctwa 10 Minuten in der heutigen Sitzung der Nationalversammlung. Außerhalb ertönte Hurrah beim Fortgehen, wie beim Kommen des Prinzen, doch auch hier wurde bedeutend gezischt. Der Prinz fuhr ohne weiteren Aufenthalt zum Brandenburger Thor hinaus. Der Eindruck des Auftretens des Prinzen war peinlich. Er schien wohl doch einen lebhafteren Empfang erwartet zu haben. Das Be— nehmen des Prinzen war frei und unbefangen; seine Worte, fest und kräftig gesprochen, aber kalt und ohne Beifall gewinnen zu können.(Nicht nur die Linke, sondern das ganze Centrum war gegen die Auszeichnung des Prinzen.)— Als derselbe nach Beendigung seiner Rede den Saal verlassen hatte, schritt er durch eine Reihe von Menschen, welche sich auf dem Flure aufhielten. Einige riefen dem Prinzen ein Hurrah, Andere zischten und pfiffen. Da stürzte plötzlich auf einen der letzteren ein jun— ger Mann, welchen man, obgleich er Civilkleidung trug, dennoch sogleich als einen Militär erkannte, zu, schlug ihm ins Gesicht und rannte sofort zur Thüre hinaus auf die Straße. Alles stürzte dem Davoneilenden nach. Man ergriff ihn, nachdem sich der Haufe inzwischen bedeutend vergrößert hatte, im Lustgarten, von wo er, durch Einige gegen Mißhand⸗
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lungen geschützt, nach der Schloßwache gebracht wurde. Man hat uns den Verhafteten als einen Sec.⸗Lieut. v. Schlabrendorf(von Kaiser Franz⸗ Regiment) bezeichnet.
Antwort an D. Eckersberger.
1) Eckersberger läugnet, daß er mich ersucht habe, ihn in die Persammlung des vaterländischen Vereins mitzunehmen. Er läugnet aber nicht, daß er damals schon seit einigen Ta⸗ gen in angetrunkener Verfassung lebte. Er stellte jenes An⸗ suchen an mich nicht vor Zeugen. Er weiß Dieß entwe⸗ der noch, und läugnet es darauf hin, oder er hat es wirk⸗ lich vergessen. Den angetrunkenen Zustand hätte ich ihm be⸗ weisen können, wenn er ihn geläugnet hätte.(Häufige Be⸗ trunkenheit macht übrigens einem verheuratheten Mann keine Ehre). e
2) Daß ich mich um eine Anstellung bewerbe, ist wahr; aber in dieser Zeit, wo Alles überfetzt ist, ist es nicht ehren⸗ rührig, ohne Anstellung zu sein. Hat sich nicht auch Eckers⸗ berger kürzlich gemeldet, um Bau- und Feuergeschworner zu werden?
3) Ich weiß von keiner Anstellung, die ich als Maul⸗ wurfsfänger gehabt hätte. Beweise es Eckersberger. Das ist wahr, daß ich angegangen wurde, den betrunkenen David Eckersberger aus einer Art Loch im Stall oder einer Art Keller hervorzuholen, wo er in viehischem Zustand zusammen⸗ kauert auf der Asche saß. Eckersberger ist aber kein Maul⸗ wurf. Ein Maulwurf hätte mir bei diesem Geschäft nicht so viel zu schaffen gemacht, daß mir dabei fast ein Arm zu Grund gegangen wäre,(lich spüre es noch heute).
4) Beweise Eckersberger, daß ich als„Kalfacter“ an der Eisenbahn diente. Beweise er, daß ich Jemanden„verkalfae⸗ tert“ habe, und Wen!(Was ich an der Eisenbahn um Recht und Gerechtigkeit willen gethan habe, kann ich vertreten).
5) Beweise er mir, daß ich als Krankenwärter meine Pflicht vernachlässigt habe! Eckersberger macht sich nichts da⸗ raus, Verläumdungen zu sagen, weil die Verleumdeten es ge⸗ wöhnlich für zu gering achten, darum auch nur einen Finger krumm zu machen. Sie denken: man kennt ja den Eckers⸗ berger, was der sagt, darüber kann man sich hinwegsetzen.
6) Eine Kaputze habe ich dem Bauaufseher Schmitt ge⸗ macht, aber wie Eckersberger selbst sagt, ich habe sie ihm nicht geschenkt; auch nicht gesagt, wenn ich sie geschenkt hätte, so hätte ich von Bauauffeher Schmitt, Geld für Dienst bekommen, den ich nicht geleistet habe. Beweise dieß, Eckers⸗ berger.
05 Ich vermiethe mich auf den Taglohn, aber ich entlehne nicht, wie Eckersberger, einem guten Freund, ohne daß er es merkt, die Pfeife aus dem Sack. Ich verbessere auch nicht meinen Lohn durch Gußplatten ꝛc., die ich vom Feuerheerd mitgehen heiße. Ich glaube auch nicht, daß das republikanisch ist; wenn schon sich einer Republikaner heißt, der das gethan hat. Adolph Heimreich.
Warnungen.
Vor einigen Wochen ist mir eine Pfeife in der Brandgasse entwendet worden. Der redliche Dieb wird gebeten, sie in 24 Stunden an den Uuterzeichneten abzuliefern, sonst wird er ge— richtlich einschreiten lassen W. Schwalb, Dachdecker.
Die Entwendungen in den Häusern vermehren sich. Wie⸗ derum wurden am 8. d. aus der Behausung des Decateur Ludwig Hosch aus einer Stube im zweiten Stockwerk Klei— dungsstücke entwendet, wie man glaubt durch einen Hand⸗ werksburschen. Man warnt die Leute, die Schlüssel aun den Thüren zu lassen oder sie neben dieselben zu hängen.
Verantwortlicher Redacteur: Pr. F. Fischer.
Druck und Verlag von G. D. Brühl l. in Gießen.


