Ausgabe 
13.6.1848
 
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N 46

nem Händedrucke getäuscht habe; ich muß dieß alles zugeben, ich muß zugeben, daß Hr. C. das Heucheln so gut versteht, als wenn er seinen Unterricht darin bei den Schülern Loyolas(Jesuiten) genommen habe, und ich gratulire ihm zu einer solchen errungenen jesuitischen Meisterschaft. Zum letztenmal hat sich meine Ansicht nun von Hrn. C. geändert und auch für im⸗ mer festgestellt, als ich in neuester Zeit Hrn. C. ge⸗ nauer beobachtete, als ich sein Thun und Treiben der Neuzeit mit allem demjenigen zusammenhielt, was früher mir schon aufgefallen war, und siehe, es fiel mir von den Augen wie Schuppen, und es drängte mich zur allgemeinen Aufklärung der Erscheinungen unsrer neuesten Verhältnisse ein kleines Schärflein bei⸗ zutragen. Wenn von einer Maske die Rede sein soll, so trägt sie Hr. C.; daß ich sie ihm ein wenig ge⸗ lüftet, nennt er Verläumdung, Unwahrheit und Ge⸗ hässigkeit, und sucht meine Aufklärung als Lüge dar⸗ zustellen. Was ich von Hrn. C. behauptet habe, ist Wahrheit, ist von ihm selbst und seinem Advokaten anerkannt worden, was ich als Gerüchte angeführt, waren Gerüchte, und konnten weder Hrn. C. noch irgend Jemanden direkt beleidigen. Alle die mir und meinem Aufsatze gemachte Vorwürfe muß ich deßhalb entschieden zurückweisen, und ich überlasse das Urtheil zwischen mir und Credner getrost dem größeren und rechtdenkenden Publikum. Sollte Hr. Eredner noch wenlerhin, wie ein gereizter Pfaffe, mit Schimpfen, Toben und Verdächtigungen über mich herfallen wol⸗ len, so werde ich ihm, zur Wahrung der Ehre der Universttät und aus Achtung vor der hiesigen theo⸗ logischen Fakultät insbesondere, nicht antworten, werde es nur als eine leere Klopffechterei, als eine weitere Don⸗Quixotiate ansehen. a

Gießen den 7. Juni 1848. Dr. Vix.

Vorschlag.

Ein Abgeordneter der N.- V. zu Frankfurt machte den Antrag,daß jedes Mitglied allmonatlich einen Tag seine Diäten der deutschen Flotte zuwenden möge, welcher Antrag allgemein Anklang fand. Das macht also c. 300 fl. den Monat, 36,000 das Jahr. Die alten Spartaner machten's in einem ähnlichen Falle so. Sie beschlossen in einer Volksversammlung, einen Fasttag zu halten und das, was ste auf solche Weise sich am Munde ab⸗ zogen, einer hülfsbedürftigen verbündeten Stadt zu⸗ zuwenden. Sollte man das nicht dem Eckensper⸗ ger stecken, daß er eine Versammlung beriefe? Der würde gewiß die Bürgerschaft Gießens zu einem gleich noblen Beschluß bringen! f

schiedener Fortschritt.

Tagesneuigkeiten. Neuestes. In Grünberg soll gestern die Republik ausgerufen worden sein. Hamburg. Der Marinecongreß wegen der deut schen Flotte hat seine Sitzungen eröffnet. Am 3.

Juni wurde hierselbst das Handwerkerparlament er⸗

öffnet. Als Grundriß der neuen Gewerbeord⸗ nung ist gestern Abend in der ersten Versammlung, nachdem die Anträge der Deputirten verlesen waren, vom Präsidenten folgendes den Committenten mit- getheilt worden: I. Eine Gewerbekammer, gebildet a) durch Abgeordnete aus den Innungen und Gil den; b) durch Abgeordnete aus dem Gesellenstande; o) durch Hinzuziehung Sachverständiger. II. Ein Gewerberath, gebildet a) durch Wahl der Gewerbe kammer; b) durch Abgeordnete oder Commissarien des Staats. III. Ein Gewerbegericht, gebildet a) durch Mitglieder des Gewerberaths; 5) durch rich⸗ terliche Personen; c) durch Geschworene, die die Gewerbekammer auswählt. Die Sonderinteressen mancher Zünfte müssen aufgehen in den Bestrebun⸗ gen des Gemeinwohls, die mittelalterlichen Formen, welche noch den Zünften großentheils ankleben, müs⸗ sen wegfallen. Die Anträge der Deputirten waren vom Geiste unserer Zeit durchweht: sie verlangen keine Gewerhefreiheit, welche keine Fähigkeiten zu Tage fördert und die Gewerbe in einem unfreien Zustande erhält, sondern eine auf zweckmäßigen Grundlagen errichtete Gewerbeordnung. Man kann überhaupt noch keine Resultate ziehen und erst aus dem weiteren Verlaufe der Verhandlungen die Maß⸗ nahmen fixiren.

Norwegen. Der Storthing hat Unterstützung Dänemarks beschlossen, doch hat es den Sinn, daß nur die Nichtverminderung der dänischen Erblän⸗ der(nicht Schleswig-Holstein) erhalten werden solle.

Pesth. 6000 Szeklertruppen eilen mit den Un⸗ garn gegen die Illyrier und Serbier.

Berlin. Gebrüder Rothschild in Paris haben der hiesigen Bank angezeigt, daß sie wieder Wech⸗ sel auf sie abgeben können. Das Ministerium

hat die Mehrzahl in der preuß. Nationalversamm⸗

lung. Das Ministerium huldigt aber den Grund- sätzen, welche auf der deutschen Nationalversamm- lung durch die Rechte vertreten werden. Frankfurt. Es hat sich im steinernen Hause einVerein für gleichgesinnte Mitglieder der deut schen Nationalversammlung gebildet. An der Spitze sind: der frühere Präsident der bayerischen Stände⸗ kammer von Rotenhan, aus München; Profes sor E. M. Arndt, aus Bonn; Landgerichtsrath Bloemer, aus Aachen; Professor Kerer, aus Innsbruck. Die Losung ist:Ordnung und ent⸗ Beibehaltung der constitu⸗

ee.