Ausgabe 
10.6.1848
 
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gen machen. Als die Deutschen räumten, was einst⸗ weilen geräumt werden sollte, griffen sie daher an. (Die Dänen sind in Norddeutschland als falsch be⸗ rüchtigt.) Sie sind wieder zurückgedrängt, und man darf hoffen, daß die Sache als auf Miß⸗ verständniß beruhend, erklärt wird. a

England. Die Fabriken sind schlecht beschäf⸗ tigt. Bedeutende Ausfuhr von Baarschaft.

Rußland soll bereits 300,000 Mann zusam⸗ mengezogen haben.(An den Festungen in Posen wird preußischer Seits sehr thätig gearbeitet.)

Darmstadt. Zimmermann ist Finanzminister, Hallwachs prov. Minister des Aeußern und des Großh. Hauses; Eigenbrodt prov. Minister des Innern. Der Gesetzesentwurf für die neue Ge richtsverfassung ist vorgelegt. Die deutsche Nationalversammlung erle⸗ digte in den letzten 8 Tagen Sachen von geringe⸗ rer Bedeutung, und traf in wichtigern vorläufige Maßregeln.

Tagesneuigkeiten.

Paris. Cremieuxr hat seine Entlassung gefor⸗ dert. Man glaubt, noch andere Minister würden dasselbe thun. a

Rheinhessen. Am 7. Juni fand zu Wörrstadt eine Versammlung von Abgeordneten sämmtlicher de⸗ mokratischen Vereine Rheinhessens statt Gwei aus⸗ genommen). Es wurden zwei Adressen angenommen, deren erste begehrt: Auflösung unserer beiden Kam⸗ mern; die erste soll nicht wieder hergestellt werden; die andere soll aus unmittelbaren Wahlen hervorgehen.

Friedberg(in der Wetterau). Gegen einige Soldaten, welche dem hiesigen demokratischen Ver⸗ ein beigetreten waren, ist Untersuchung und Unter⸗ suchungshaft verfügt worden.

Wien. Am 3. d. wurden die Werbanstalten für ein freiwilliges Reservebataillon auseinanderge⸗ trieben. Es herrscht Unzufriedenheit, daß Italien wiedererobert werden soll. Den brodlosen Arbei⸗ tern ist fast durchgehends Arbeit verschafft worden. In der Umgegend von Wien drängt sich Militair zusammen. Die provisorische Regierung in Prag scheint einlenken zu wollen; sie hat eine gemäßigte und versönliche Antwort nach Wien zu senden be⸗ schlossen. Für den östreichischen Reichstag sind mittelbare(indirekte) Wahlen angeordnet worden.

Prag. Der Slavenkongreß findet wenig An⸗ klag. Der Adel wird dabei in der Mehrheit sein.

München. Der Kaiser von Oestreich soll eine Art Rundreise beschlossen haben. Inzwischen soll Erzherzog Stephan kaiserlicher Stellvertreter in Wien sein.

Algier. Der Stamm der Flitta's hat sich em⸗

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Zu Constantine ist eine Verschwörung entdeckt worden, deren Seele Achmet Bei sein soll.

pört. Es haben ernste Gefechte stattgefunden.

Oestreichische Berichte lassen die Piemontesen in vollem Rückzug sein.

Hannover, 5. Juni. Der Prinz von Preußen ist auf seiner Rückkehr nach Berlin hierselbst eingetroffen.

Luzern. Das Nein(veto) gegen das Kloster⸗ aufhebungsdekret ist nicht durchgedrungen, weil Die, welche sich des Stimmens enthalten, angesehen wer den, als stimmten sie Für.

Lyon. Es haben Gewaltthätigkeiten bei den Mu⸗ nicipalwahlen stattgefunden.

Frankfurt. Die Frage des Vorsitzenden, ob wegen angeblicher Bedrohung der Sicherheit der Nationalversammlung und der dagegen zu ergreifen⸗ den Maßregeln zur Tagesordnung übergangen wer⸗ den solle, wurde fast einstimmig und mit vielen Beifallszeichen bejaht.

Schleswig⸗Holstein. Apenrade ist von den Deutschen genommen worden.

Verlin. Der Prinz von dam angekommen.

Italien. Man erwartet eine Hauptschlacht in der Nähe von Mantua.

München. Mißhandlung eines Münchner Stu⸗ denten, der über eine Predigt lachte, scheint Anlaß zu Unruhen zu geben.

In Dresden: Auflauf über einen Neugroschen.

Preußen. Die Opposition in der preuß. Nat. Vers. ist schwach.

Berichtigung.

Der in der vorigen Nr. gegebene Bericht über die Sitzung des vaterland. Vereins vom 5. d. M. enthält verschiedene we sentliche Unrichtigkeiten, von welchen die auf eine an die National⸗Versammlung zu erlassende Adresse sich beziehen⸗ den hierdurch beseitigt werden.

Der erwähnte Bericht sagt aus, es sei vor Vorlesen der Adresse Protest erhoben und die Sache als überflüssig, verspä⸗ tet, ja schädlich hingestellt worden. In diesem Sinne habe sich ausgesprochen Welcker, Weber und Eckstein. Da aber weder ich, noch mein Sohn, uns gegen eine Adresse aus⸗ gesprochen, die wir nicht gehört, wir Beide nach Vor⸗ lesung derselben aus ganzem Herzen sie zu unterschreiben gesonnen waren, so können wir zu keiner Zeit Gegner dersel⸗ ben gewesen sein. Die Wahrheit ist Dies: Vor Mittheilung der Adresse erinnerte ich im Allgemeinen daran, man möge mit zu erlassenden Adressen moͤglichst sparsam sein, und die mit Adressen bereits überhäufte N. V. in dieser Bezie⸗ hung schonen. Dieser Ansicht stimmte mein Sohn bei, bat jedoch, vor Allem die vorliegende Adresse zu hören. Die Adr. wurde verlesen sie fand allgemeinen Beifall.

Gießen den 8. Juni 1848. Ludwig Welcker.

Preußen ist in Pots⸗

Wegen des Pfingstfestes erscheint morgen, den 12. Juni, keine Volkszeitung.

Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer.

Druck und Verlag von G. D. Brühl l. in Gießen.