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mensteuer der Zinsfuß von 4 auf 5% in die Höhe gegangen, die Güter sind um ½ bis ¼ gefallen, die Regierungsräthe haben sich die Besoldungen er⸗ höht; die Großräthe erhalten höhere Entschädigun⸗ gen ze. O August Becker! komm mir nicht mehr mit„Neuhäusler“. Neuhaus ist immer ein anderer Kerl, als seine Nachfolger. Er ist ein Ehrenmann, wenn schon sie ihn„gescholten“ haben. Von Deinen Clienten, den Radikalen, kann ich erzählen, und thue es auch einmal, wenns grade die Gelegenheit gibt.
Soviel einstweilen über die Regierung, für welche,— und über die Leute, gegen welche ic geschrieben habe. Wie ich geschrieben habe, das kann ich noch bele⸗ gen; ich habe ein gebundenes Exemplar des Blatts; ich kann es von unpartheiischen Ehrenmännern un⸗ tersuchen lassen. 5
Auf die mir von August Becker schuldgegebene Verdrehung oder Unterschiebung, die er als Grund gebraucht, mir den„Elenden“ hinzuwerfen, antworte ich im Samstagsblatt. Sieht Herr August Becker, wenn er mich noch mehr kennen lernt, ein, daß ich kein Elender bin, so wird er Dieß als Mann erklä⸗ ren, oder er wäre selbst ein Elender. Verschiedene Meinungen in Staatssachen berechtigen nicht zu sol⸗ chen Zulagen, wenn die Ansichten des Gescholtenen nicht aus schlechten Grundabsichten hervorgehen. Ich frage hierbei: Was habe ich für Vortheil(Geldvor⸗ theil) dabei, die Ansichten zu vertreten, die ich ver⸗ trete? Ich einmal meine: zwischen Stühl' und Bän⸗ ken zu bleiben; aber mit dem Bewußtsein, meiner Ueberzeugung gefolgt zu sein! N
Jetzt noch Etwas, Angust Becker! Fährst Du fort, mir den„Elenden“ zuzuwerfen, so begehre ich von der nächsten Volksver⸗ sammlung Niedersetzung eines Ehrenge⸗ richts, das in unserer Sache sprechen soll. Du bist Parthei, und ich bin Parthei.
Schwindsucht kriegt mein Blatt solang nicht, als es Dir so wichtig ist, Abends mein Morgenblatt schon zu beantworten, und in Einer Nummer drei Artikel darüber zu bringen.
Ich habe Dir geantwortet, August Becker; ich glaube wie ein Mann, nicht wie ein Elender. Nimm das jetzt hin und„zürne nicht“! Wenn Du ein Eh⸗ renmann bist, so ist mir's lieb; Du magst Dich über⸗ eilt haben. Ich habe Dich gereizt; ich wollte an⸗ gefangen haben. Ein jeder Feldherr hat seine eigene Taktik. f Franz Fischer.
Tagesneuigkeiten.
Posen. Die russischen Streitkräfte in Polen und Litthauen werden auf 300,000 Mann angegeben.
Frankfurt. Ein Ungenannter läugnet im Frankf. Journal, daß der(von uns in Nr. 7. im Auszug mitgetheilte) Programmsentwurf des linken Cen⸗ trums in der deutschen N.⸗V. die wahren Ansich⸗ ten desselben ausdrückte.
Darmstadt. Nach dem Gesetzentwurf des Ju⸗ stizministers Kilian über unsere künftige Gerichts⸗ verfassung wird die freiwillige von der streitigen Ge⸗ richtsbarkeit getrennt, und erstere durch Notare, welche keine Gehalte, sondern Gebühren nach der Taxord⸗ nung beziehen, ausgeübt. Die Civil⸗ und Strafge⸗ richtsbarkeit bleiben vereint. Das Verfahren ist im Allgemeinen collegialisch mündlich und öffentlich, mit Staatsanwaltschaft. Es bestehen nur 2 Instänzen. Die bisherigen Landgerichte treten in die Categorie der Friedensgerichte, also in geringere Competenz, zurück. Es werden Gerichtsschreiber bei ihnen an⸗ gestellt. Jede Provinz erhält mehrere Kreisgerichte, in verschiedenen Senaten. Diese Gerichte sprechen theils in 1. theils in 2. Instanz. Als Appella⸗ tionsgericht über ihnen hat jede Provinz ein Ober⸗ gericht. Außerdem besteht noch ein Cassations⸗ und Revistonsgericht. Die Schwurgerichte bestehen aus 1 Präsidenten, 4 Richtern und 12 Geschwornen.
Mannheim, 4. Juni. Die gestrige Nummer der Abendzeitung wurde mit Beschlag belegt.
Mainz. Der Ministerrath in Darmstadt soll be⸗ schlossen haben, die Ausführung der hessischen Lud⸗ wigsbahn sei auf Staatskosten zu übernehmen.
Bergamo. Die Siege der Piemontesen- bestäti⸗ gen sich.— Im Gefecht von Montanara sollen die Oestreicher 400 Todte gehabt haben.
Berlin. Von Potsdam verbreitet sich das Ge⸗ rücht, der König wolle die Krone in die Hände
seines Bruders legen.
Kiel. Ein dänisches Piket von 137 Mann nebst 7 Offizieren ist von hannöverischer und braunschwei⸗
gischer Reiterei ohne Gegenwehr gefangen genom⸗
men worden.(Wo?)
Frankfurt. Im betr. Ausschuß ist Dahlmann's Antrag über die zu bestellende Erecutivgewalt an⸗ genommen werden.(Ein Bundesdirectorium, nach Vereinbarung mit einem Ausschuß der N. V. von den Regierungen ernannt, und von der N.⸗V. ge⸗ billigt.)— Nach Privatbriefen wird Samstags dar⸗ über berathen werden.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer.
Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.
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