sollen sich die Deputirten, welche glücklich aus der Hauptstadt entkommen sind, in Pizzo versammelt, eine provisorische Regierung errichtet, einen Aufruf an die Provinzen erlassen und den König für abge— setzt erklärt haben. Laut Berichten vom 25. erwar⸗ tete man eine Schilderhebung in Reggio und Zuzug aus Sicilien in Neapel. Alle diese Nachrichten be⸗ dürfen der Bestätigung.
Paris. Die gerichtliche Verfolgung Louis Blanc's ist von der N. V. verworfen worden. Doch nur mit 369 gegen 337 Stimmen. Die Festigkeit der Grundsätze der Majorität soll dadurch sehr in Frage gestellt sein.
Wien. Das Ministerium beginnt eine festere Haltung gegen die Czechen anzunehmen. Es hat die zu Prag gebildete prov. Regierung für Böhmen für ungesetzlich und ungültig erklärt.
Pesth. In Slavonien hat eine Gegenerhebung stattgefunden gegen den Ban Jellachich von Croa⸗ tien und seine panslavistischen und absolutistischen Tendenzen.
Krakau. 845 Bürger protestiren gegen Ueber⸗ griffe der Militairbehörde. An den Protest ange⸗ hängt ist eine Anklage gegen diese Militairbehörde. (Gut für die Protestirenden, daß Krakau nicht rus⸗ sisch geworden ist).
Frankfurt. Die Holländer haben Zutrauen zu der Ordnung in Wien. Sie kaufen fortgesetzt öster⸗ reichische Fonds an hiesiger Börse. Die 5 PCt stie⸗ gen darum am 5. dieses auf 5½ pCt.
Frankreich. Zu Limoges Kampf zwischen den Truppen und Arbeitern wegen Schließung eines Klubs. Mehrere Todte und Verwundete. Die Ar⸗ beiter haben die Stadt verlassen, um mit Verstär⸗ kung wiederzukommen. a
Ober⸗Elsaßß. Das Vertrauen nimmt zu, man hat Zuversicht zur Erhaltung der Ruhe und Ord⸗ nung in Paris.— Aus den polnischen und deut⸗ schen Flüchtlingen will man eine Forstgarde(Forest- jers) im Departement des Doubs bilden.(Eine Garde gegen den Schmuggel von Uhren, Bijoute⸗ rien und Spitzen aus Neuenburg und Genf ist wahr⸗ scheinlicher).
Ostfriesland. Eine aus allen Theilen Ost⸗ frieslands besuchte Volksversammlung hat fast ein⸗ stimmig der Regierung und den Kammern zu Han⸗ nover ihr Mißtrauen ausgesprochen.
Mailand. Die Oesterreicher haben bei ihrem Ausrücken aus Mantua und Verona am 29. und 30. v. M. eine Niederlage erlitten(600 Todte).
Gießen. Die„Fragmente zu einem Reichs⸗ grundvertrage für Deutschland“, vom hiesigen Pro⸗ fessor des Staatsrechts Dr. Weiß, werden bereits
zum zweiten Mal aufgelegt. Die erste Auflage ist
vergriffen.
London. Am 1. Juni legte der Lordmajor von Irland ein Begehren vor gegen Repeal der Union, aber für Errichtung eines irländischen Parlaments.
Frankfurt, 5. Juni. Behandlung des Antrags die Wehrhaftigkeit der einzelnen Staaten zu unter⸗ suchen. Es wurde ein Ausschuß zur Begutachtung beliebt. Der Competenz des Ausschusses wurde die Untersuchung der Wehrhaftigkeit und Vorschläge zu deren Verbesserung, die Sicherheit Deutschlands nach Außen, Organisation der Volksbewaffnung und stets mögliche Verwendung der Volkswehr zugewiesen.— Es wurde ferner beschlossen, daß ein Ausschuß die Wahlangelegenheiten in den zum deutschen Bund gehörigen, von Deutschen und Slaven bewohnten Provinzen, wo die Wahlen verweigert wurden, un— tersuche.— Ferner: Es wurde die Begutachtung über neue Regelung der staatsrechtlichen Verhältnisse von Limburg zum Königreich der Niederlande dem Ausschuß für völkerrechtliche Fragen zugewiesen. In der Posener Sache wurde auf Vorschlag des Prä⸗ sidenten beschlossen: Die Frage über endgültige Zu⸗ lässigkeit der Posener Abgeordneten zur Begutachtung an den völkerrechtlichen Ausschuß zu verweisen(na⸗ mentlich zur Begutachtung über Rechtmäßigkeit der Einverleibung von Posen, über die Befugniß zu Anordnung von Abgeordnetenwahlen).
Preußen. Die eigentliche Opposition in der preuß. N. V. soll ohne Kraft sein.
Braunschweig hat das Verbot der Ehe zwi⸗ schen Juden und Christen aufgehoben, und eine Ci⸗ vilehe zwischen denselben zulässig erklärt.
Dem„Jüngsten Tag“ schmecken unsere Blätter wie Mistpfuhl. Den Geschmack machte die Natur uns verschieden. Disteln sind des Esels Salat,— Besseres mag er nicht. Wer will ihn drum tadeln!
Franz Fischer.
A n; ge Bei einem hiesitgen Kaufmann hat am 6. d. M. ein Mäd⸗ chen für Herrn Dr. Sundheim drei Sonnenschirmchen geholt, aber noch nicht wieder zurückgebracht. Da Herr Dr. Sund⸗ heim hiervon nichts weiß, so wird ein Jeder, der über dieses
„Factum etwas anzugeben im Stande ist, höflichst ersucht, der
Redaction dieses Blattes gefälligst die Anzeige zu machen.
Berichtigung. In Nr. 7 dieser Zeit. lese man S. 28 Sp. 2 Z. 8 v. o. an⸗ statt Madrid: Mailand.
Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer.
Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.


