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1.7.1848
 
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Namen. Warum steht beiLang kein Stand; ist er ein bestandener Mann, bder ist er noch Ju⸗

gend? Warum steht beiFendt undHille⸗

brand nichtHochschüler? Nicht wahr, damit die Bauern nicht sagen: So, Studentenbuben sind's; ach so! Also auchdiplomatisch meine Herren! (Ich meinerseits weiß, daß Hochschüler manchem Professor über den Kopf ragen können, aber beim Bauer macht es schon wenigstens halben Be⸗ weis gegen sie, wenn man mit Achselzucken sagen kann: es sind ja nur Studentenbuben!

Zu den Worten:und Alle wallfahrten nach Frank⸗ surt zum Vorparlamente, muß ich den Landleuten eine Erläuterung geben; denn denen wird es sonst ge⸗ hen, wie jenen Bauern im Harzgebirg. Denen ging es also: Ihr Pfarrer las ihnen die Predigten aus einer alten Postille vor, weil er zu faul war, sie selbst zu machen. Nun liest er einmal eine Predigt vor, von einem Pfarrer in Cuxrhafen gemacht, der schilt die Bauern entsetzlich aus, daß sie Sonntags nicht in die Kirche gingen, sondern in den Hafen lie⸗ fen, um die Schiffe ankommen zu sehen. Der Pfar⸗ rer auf dem Harz liest Das immer fort, ohne Et⸗ was zu denken. Die Bauern aber, die noch nicht ganz eingeschlafen waren, heben die Köpfe auf, stoßen einander an, und wie das Schelten immer ärger und ärger wird, rufen sie Alle wie aus Einem Halse: Das ist aber nicht wahr! Der Pfarrer erschrack darüber, aber er faßte sich, hielt die Postille hin, und rief: Da steht es schwarz auf weiß gedruckt! Da schwiegen die Bauern und drückten sich, und wußten nicht mehr, ob sie noch an ihren eigenen Verstand glauben sollten; denngedruckt machte damals nochseinen Eindruck.(Jetzt müssen sie es aber anders lernenz es wird gar Manches gedruckt, das kaum zur Hälfte wahr ist.) Nun wieder zur Sache; ich wollte also erläutern, daß jene Worte: Alle wallfahrten nach Frankfurt ꝛc., blos bildlich zu verstehen seien; nehmlich:im Geist wander⸗ ten wir Alle nach Frankfurt, nicht aber in Fleisch und Bein. Soviel also zur Erläuterung.

Dess' Brod ich ess', dess' Lied ich sing'! ist ein altes Sprichwort. Es ist gewiß wahr, was die Republikaner sagen, daß Viele dem neuen Minister gehuldigt haben, weil der jetzt den Brodkorb höher bängen lassen konnte, und nicht mehr der alte. Es ist aber eben so gewiß wahr, daß früher auch Viele für das Volk gegen du Thil gesprochen haben würden, wenn sie das Volk sicher in ihrem Rücken gehabt hätten, dasselbe Volk, sage ich, das damals so viele Republikaner im Schooße trug, daß daß es jetzt auf einmal in allen Städten und Dör⸗ fern in die Wochen gekommen ist, und zwar mit vielen gleich ganzflücken Republikanern. Was! undankbare Jugerd, die du die Staatsdiener in Bausch

und Bogen herabwürdigst, waren es nicht meist Staats⸗ diener, die den Kampf gegen die Unterdrückung lange Jahre geführt, und in Dir, sie schulmeisternde Ju⸗ gend, freisinnige Saamenkörner gepflanzt und erzogen haben?! Recht habt ihr, es hat auch Beamten⸗ canaille gegeben, und sie wird nicht ganz nach dem Jenseits verreist sein seit dem 6. März; ich glaub's auch nicht. Aber darum die nicht Heuchler geschol⸗ ten, welche Erfahrung haben und eine Tyran⸗ nei nicht mit der andern, scheußlicheren, vertauschen wollen. Ihr seid Jugend; ihr lebt noch in der Zeit, wo man noch jeden glücklichen Traum glaubt! Sie ist schön, diese Zeit, aber sie geht vorüber. Glaubt aber darum nicht, daß in der Brust des zu Besonnenheit ermahnenden Mannes das Herz nicht für Menschenwürde und Menschewohl glü⸗ hen könne. Es kann heißer sein als bei Euch! Nur der Kopf ist besonnener durch die Erfahrung.

In dem volksthümlichen Fürstenthum oder der de⸗ mokratischen Monarchie ist das Volk eben so rein im Besitz der wahren Freiheit, als in der demokratischen Republik. Wir haben die Freiheit jetzt schon, unter dem einstweilen(provisorisch) noch bestehenden Fürstenthums von Gottes Gnaden. Fragt also nicht Die, welche demokratische Monarchie wollen, warum sie trachten, dem Volk die Freiheit vor zuenthal⸗ ten; sie denken nicht daran.

Das kann aber wohl sein; daß nicht alle das volksherrliche Fürstenthum in so strenger Form vor Augen haben, wie es sein muß.

Republikaner, besser gesagt,ihr Euch so nen⸗ nende Republikaner, die Ihr jetzt noch hinter die so sehr verspottetebreite Basis zurückretirirt seid, Ihr werft mit Verläumdung und Lügnern um Euch, wenn man annimmt, Ihr wollt in der That Republik, weil ihr Euch Republikaner nennt! wenn man sagt: Das und Das müssen die Folgen Eures Treibens sein, weil ihr(wie Ludolph sagte)wühlen wollt, Seht, was herausgewühlt worden ist in Paris; das haben die Guten, die seinerzeit mitgewirkt haben, freilich nicht herauswühlen wollen, aber es ist herausgewühlt worden, es mußte hrrausgewühlt werden, weil dazu die Wurzeln im Boden stacken. Ihr, Lang, Fendt und Hillebrand, Ihr wollt freilich nicht Zerrüttung des Gewerbfleißes, Verwü⸗ stung Deutschlands durch fremde Truppen ꝛc.; aber Das, was Ihr wollt, wenn ihrRepubli⸗ kaner seid, Das, was republikanischer Seits feither in Versammlungen als das einzige Heil empfohlen wurde, Das sage ich, muß dahin führen; muß dem Socsalis⸗ mus Dolche in die Brust bohren. Verhüllt Eure Häupter, und weint über die Trauer, die Paris be⸗ deckt, und betet: Gott möge unser Vaterland vor gleichem Unheil bewahren! Franz Fisch er.