Tages te n.
Frankfurt. Der Bundesversammlung wurde ein Bericht des Mainzer Festungsgouvernements vorge⸗ legt, wonach die preußische Besatzung in Mainz den Wunsch ausgedrückt hat, versetzt zu werden. Wurde dem Militairausschuß zu schleuniger Begutachtung überwiesen.
Mainz. In der Bittschrift der Mainzer an Mini⸗ ster von Gagern, um Schutz gegen die Militairge⸗ walt und um Abhülfe gegen Mißstände, wird auch auf Entfernung von Dalwigk's gedrungen. Haupt⸗ grund: seine Aeußerung, der Minister habe einen aux pas gemacht(Bock geschossen), indem er die Bürgerbewaffnung genehmigt. f
Wien. Die akademische Legion(das Studen⸗ tencorps) sollte aufgelöst, die Aula geschlossen wer⸗ den. Um der Sache Nachdruck zu geben, wurde viel Militair in die Stadt gezogen. Es erfolgte eine Aufregung, wie bisher noch nie.„Thurmhohe“ Straßensperren wurden errichtet. Ein Bürger wurde vom Militair erschossen. Ein Bataillon ungarische Grenadiere soll zum Volk übergegangen seyn. Am Nachmittag des 26. wurden die angeordneten Maß⸗ regeln vom Ministerrath zurückgenommen. Das Mi⸗ litair zieht sich zurück. Die Barrikaden sind noch besetzt.
Oehringen. Eine Adresse des hiesigen politi⸗ schen Vereins an die deutsche Nationalversammlung dringt mit Nachdruck auf Festhalten am Grundsatz der Volksherrlichkeit(Volkssouveraintät).
Karlsruhe. Dr. Rauschenplat ist zum außer⸗ ordentlichen Professor an der Universität Heidelberg ernannt worden.
Hannover, 26. Mai. Die zweite Kammer hat heute einen Antrag Hantelmann's auf unbe⸗ dingte Gleichstellung aller Culte ange⸗ nommen, obwohl alle drei Minister sich dagegen erklärt.
Aus dem südlichen Holstein, 27. Mai. Mor⸗ gen haben wir aller Wahrscheinlichkeit nach officiel in Rendsburg die Nachricht vom Waffenstillstand; Wrangel zieht sein Hauptquartier nach Schleswig zurück, Jütland und Nordschleswig wird geräumt, die Kontribution von 2 Mill. Species in Jütland wird nicht eingetrieben, die Dänen geben die weg⸗ genommenen deutschen Schiffe heraus, rücken nicht in Nordschleswig ein, und die Unterhandlun⸗ gen beginnen. Wenn sich auch von selbst versteht, daß mit der Einstellung der Feindseligkeiten auch die Wegnahme deutscher Schiffe aufhört und die deutschen Stroͤme, Oder, Weser und Elbe wieder frei für deutsche Schiffe werden, so ist doch der Vortheil dieses Waffenstillstandes auf dänischer Seite,
so wie schon der lange Stillstand der Kriegsopera⸗ tionen nur den Dänen zu Gute kam.
Paris. Bois⸗le⸗Comte ist zum außerordentlichen Gesandten und bevollmächtigten Minister bei dem König von Sardinien ernannt.(Bois⸗le⸗Comte war der Geburtshelfer des Sonderbunds in der Schweiz. Er hat Frankreich lange als Diplomat gedient, war namentlich in Rußland und in Nordamerika. Er besitzt kein großes Vermögen; dieß ein Hauptgrund, warum er auch der franz. Republik dient.)— Blan⸗ qui ist nach Vincennes gebracht worden. Er soll sehr niedergeschlagen seyn.— Am 28. Abends war Auf⸗
regung in Paris über das Gerücht, die National⸗
werkstätten sollten geschlossen werden. Es werden jetzt 120,000 Menschen darin beschäftigt.
Turin. Im Parlament ist der Antrag gestellt worden, die piemontesische Regierung möge sich der niedergetretenen neapolitanischen Brüder annehmen und den König Ferdinand des Thrones verlustig erklären. Der Minister bat um Aufschub, bis nä⸗ here Berichte vorliegen; man solle nicht vergessen, daß neapolitanische Truppen mit den übrigen Ita⸗ lienern in Oberitalien für die gemeinsame Freiheit kämpfen. Hr. Raving erklärte, seinen Antrag verschie— ben zu wollen, bis neuere Berichte eingegangen seyen.
Neapel. Der König hat die Kammer aufge⸗ löst und die Verfassung suspendirt. Viele Deputirte sind verhaftet. Die Bürger sollen gegen 2000 Mann verloren haben.— Ein Bülletin der Bünd⸗ ner Zeitung gibt die Verluste der Schweizertruppen auf 800 Mann an Todten und Verwundeten an, darunter 30 Offiziere. Dieser Bericht kommt von einem Schweizeroffizier.— Admiral Baudin hat die französische Flotte vor Neapel in Schlachtord— nung aufgestellt.— Man berichtet unterm 25. d., daß„der Bourbon von Neapel“ dem General Pepe in Bologna den Befehl habe zukommen lassen, mit seinem Heere zurückzukehren. Von der Bürgerwache von Bologna zum Vorwärtsrücken gebeten, soll der General beschlossen haben, den Befehlen aus Nea⸗ pel keine Folge zu geben.
Triest. Die vor unserm Hafen erschienene Flotte hat sich wieder entfernt.—(Sie kann wieder kommen.)
Dresden. Am 29. hatten wir einen Straßenkra⸗ wall wegen Arretirung eines fechtenden Handwerks— burschen.
Mainz. Am 30. sind zwei Bataillone Oesterei⸗ cher als Verstärkung eingerückt.
Schweden. Es ist große Aufregung gegen die Deutschen in Folge der Ereignisse in Schleswig— Holstein. 5
Neuestes. Frankfurt. v. Gagern ist mit 431 gegen 39 Stimmen definitiv zum Präsidenten erwählt. a
Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer.
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Druck und Verlag von G. D. Brühl l.
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