Der vaterländis“ lein will zur Zeit an der constitutionellen Monarchie festhalten. Ich betrachte dies als einzigen Punkt, über den alle Mitglieder,— wenn schon aus den verschiedensten Gründen—, einig sind. Einige sind vielleicht Aristokraten(wol⸗ len Herrschaft der Vornehmen)), andere Büreaukra⸗ ten(sagen wir Landvögtler auf deutsch), andere Dunkelmänner(schwarze Vögel, sagte General Bu⸗ ser), andere Fettstübchenmänner(ein sehr handlicher Name, um etwas Beliebiges damit zu verbinden); wir wollen auch annehmen, es zeichneten einige Sklavenseelen(Servile) ihren Namen unter die Statuten(wir thun es dem Kraftausdruck zu Gefallen). Es ist aber auch sehr wohl möglich, daß von allen Vereinsmitgliedern keines diese Be⸗ zeichnungen verdient. Das aber ist gewiß, es sind viele Ehrenmänner im Verein, und namentlich solche, die für den Fortschritt kämpften, als noch mehr da⸗ mit gewagt wurde, als Ausgepfiffen- oder Vomtisch⸗ gerissenwerden,— die auch nicht etwa auf dem Zweig lebten, sondern Etwas zu verlieren hatten. Auch diese haben nicht alle gleiche Meinungen. Die Einen huldigen einer geschichtlichen Gesetzlichkeit, die Andern der Lehre vom Staatsvertrag, vom Vertrag zwischen Fürst und Volk, noch Andre Andrem. Ich halte dafür: Vernunft und natürliches Recht kann in Staatssachen durch Vertrag und Herkommen nicht beseitigt werden, obschon Vernunft gebieten kann, zur Zeit Verträge in Staatssachen zu achten. So achte ich zur Zeit die constitutionelle Monarchie,— das annoch erbliche Fürstenthum, dem eine Ver⸗ fassung den Weg vorschreibt. Eine Verfassung, sage ich;— bei unserer bisherigen denkt wohl kein Mensch mehr zu bleiben. Es muß eine zeitgemäße, den bisherigen Beschwerden gegen das durch„Verfassung“ beschränkte Fürstenthum Rechnung tragende Verfas⸗ sung geschaffen werden,— und zwar eine Verfas⸗ sung des Fortschreitens mit Angabe des Wegs und der Weise für den Fortschritt. Dieß giebt für un⸗ sern heutigen Bildungsstand und unsere heutige Lage nach dem Ausspruch der Weltgeschichte das sicherste Mittel, den Ehrgeiz und die jugendliche Unerfah⸗ renheit einzuzielen, welche die Dinge überstürzen wür⸗ den. Lieber langsam vorwärts und später angelangt, als über den Kopf gestürzt und den Hals gebro⸗ chen.— Es läßt sich nicht läugnen, wir müssen an gründlichste Umgestaltung unseres Gesellschaftszustan⸗ des denken, denn die Bevölkerung wächst uns über den Kopf, und da hilft kein Rococo aus der alten
*) Aristokratie heißt wörtlich Herrschaft der Besten. Besten⸗ herrschaften waren häufig zuerst auch die Aristokratien, wurden allmählig aber aus Herrschaften der Besten, Herrschaften der Vornehmen, d. h. Derer, die vorab nehmen. Jetzt versteht man gewöhnlich unter Aristo⸗ kratie Vornehmen⸗, nicht Besten⸗Herrschaft.
Rüstkammer).
„Jüngsten Tags.“ Ich bin daher, wenn schon in den Grundsätzen sein natürlicher Bruder, zur Zeit sein erklärter Widersacher. Ich erkläre frei: in Vie⸗ lem hat er Recht, und er weiß, für Wen er schreibt und wie er schreiben soll!“),— in Manchem hat er auch Unrecht; ich darf aber sagen: in den Grundsätzen wer⸗ den wir auf gleichem Boden stehen. Aber gar nicht in ihrer Inswerksetzung. Auf den Boden des„Jüng⸗ sten Tags“ werde ich daher treten, auch seine eigne Kriegskunst werde ich brauchen(wie er werde ich mich an den Vortheil der Leute wenden); aber wo er zu Ueberstürzung antreibt, werde ich auf Zurück⸗ haltung wirken, indem ich die Kehrseite der Dinge aufdecke, damit nicht die Frucht vom Baum geschla— gen werde, ehe sie reif ist.— In diesem Sinn werde ich in diesem Blatt eine Reihe Aufsätze ge— ben, wenn mir seine Spalten offen bleiben. Franz Fischer.
Bericht über die am 29. Mai im Gasthaus zum Prinzen Carl abgehaltene Versammlung des vaterlän— dischen Vereins.
Nach Vorlesen des Protokolls der vorigen Sitzung gab der Vorsitzer der Versammlung Nachricht, daß die von dem Vereinsmitgliede Dr. Kraft einer ge⸗ wählten Commission zur Berathung, übergebene Addresse an die Frankfurter National-⸗Versammlung, von diesem zurückgenommen worden sei.
Dr. Fischer begründet sodann einen Antrag auf Erwählung einer Commission, welche den Ver— handlungen der National-Versammlung in Frankfurt zu folgen, dem Verein allwöchentlich Vorlage zu machen und Anträge zu stellen habe, ob und wie der Verein in Addressen ꝛc. seine Uebereinstimmung mit den gefaßten Beschlüssen oder seine abweichende Ansicht kund zu geben habe. Nachdem von mehre- ren Seiten, namentlich von Dr. Credner und Dr.
*) Ich habe das vor unsern Februar⸗ und März⸗Er⸗ eignissen ohne Rückhalt ausgesprochen, und berufe mich dafür auf mein Naturrecht, das so eben die Presse verläßt, und wovon sich die Handschrift schon im Februar ganz in der Druckerei befand.
**) Ich hörte Leute, die den„Jüngsten Tag“ mit„souve⸗ rainer Verachtung“ überschreiten möchten, als einen Cloak. Er ist kein Cloak, sondern ein trüber Bach, der Goldkörner führt. Aber auch wenn ein Cloak den Boden unterwühlt, ist es nicht am Ort, darüber weg⸗ zusehen. Das endlich ist doch gewiß, das Schicksal der Staaten wird jetzt nicht mehr bloß an Orten ge⸗ macht, wo sich Moschusgeruch verbreitet.
Aber wir können nicht unsern Staatsbau abbrechen, ehe wir die Steine zu dem neuen bereitet, uns über den neuen Bauplan geei⸗ nigt haben. Dazu reizen aber viele Nummern des


