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Reichstage, die Vertreter des Volkes, die Repräsen⸗ tanten der Fürsten und das Bundesoberhaupt nicht in organischer Verbindung mit den schon bestehenden, so erhält jedes Land statt 2 oder 3 Regierungsge⸗ walten nun 6, und zwar wird durch ein anderes Oberhaupt als aus den regierenden Fürsten, die Zahl dieser noch vermehrt, man mag das Oberhaupt nennen, wie man will. Daher die Einwürfe gegen die Wahl Eines Oberhauptes, die sich vielleicht nur in obiger Weise genügend beseitigen lassen.

Nur eine Reform, d. h. eine Fortbildung der be⸗ stehenden Rechte nach den Erfordernissen der Einig⸗ keit für die allgemeinen Interessen, ist Wille der deutschen Völker in der besonnenen, weit überwie⸗ genden Mehrheit. Wir wollen insgesammt uns als Deutsche fühlen, aber wir wollen nur die Einigkeit und Einheit, nicht die Einförmigkeit. Namentlich aber wollen wir keine Hauptstadt wie Paris, mit allen ihren unvermeidlichen Nachtheilen, materiell, geistig und politisch, für ganz Deutschland. Ge⸗ rade die bestehende Unterscheidung und Regie— rung der einzelnen Stämme, sichert, wie sie der Eigenthümlichkeit der Stämme Rechnung trägt, und in der Geschichte und Natur der Verhältnisse wur⸗ zelt, auch den einzelnen Stämmen die Vortheile der besonderen Verwaltung für die geistigen, politi⸗ schen und materiellen Interessen. Und nur die oben angegebene organische Fortentwicklung der bestehen⸗ den Verhältnisse schließt den historischen Rechtsboden ein, und eben damit, wie die Veranlassung zu Re⸗ volution und Anarchie, so auch den Vorwand der Reaction aus. Das aber ist die beste Empfehlung, daß diese Einrichtung der Reichsverfassung am schnellsten herzustellen, jedenfalls also ausführbar und dem großen Zwecke dienlich, damit zugleich der kürzeste Weg zur Förderung der gemeinsamen Interessen, wie zur Wiederherstellung von Ruhe und Ordnung in den einzelnen Ländern ist.

Tagesneuigkeiten.

Gießen 13. Juni. Die vom hiesigen vaterlän⸗ dischen Verein ausgegangene Adresse an die consti⸗ tuirende Nationalversammlung fand hier und in der Umgegend den lebhaftesten Beifall. Die Zahl der Unterschriften beläuft sich bereits auf mehr als tau⸗ send. Wie man hört, wird sie morgen abgeschickt werden.

Gießen, 13. Juni. Eine Volksversammlung von 200— 300 Köpfen beschloß heute eine Abord⸗ nung an Dr. Sundheim, um von ihm

1) Zurücknahme der Beleidigung zu fordern, die er in seiner, in Nro. 11 der V. 3. erwähnten Ant⸗ wort der Gießener Bürgerschaft gemacht habez

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2) um ihn uochmals zu Verzicht auf seinen Ruhe⸗ gehalt als Stadtsyndikus aufzufordern. Die Abord⸗ nung solle von der ganzen Versammlung begleitet werden. Dieß wurde sogleich ins Werk gesetzt.

Dr. Sundheim hat entsprochen. Die Versammlung ging befriedigt auseinander.

Gleichzeitig bewegte sich eine Schaar Landleute von Nauenheim nach dem Büreau des Kreisraths. Sie begehrten namentlich Beseitigung ihres Bürger- meisters, und des Waldschützen. Der Bescheid, den sie erhielten, war: der Bürgermeister habe bereits seine Entlassung nachgesucht, und sie werde zweifels⸗ ohne ertheilt werden. Allen übrigen Bescherden werde vollständig abgeholfen werden.(Der Waldschütz soll zwar sehr fleißig in seinem Dienst sein, und namentlich öfters preußische Holzfrevler eingebracht haben, er soll aber auch sehr streng gegen die Gemeindeange— hörigen sein, er ist nicht aus Nauenheim gebürtig, soll früher öfters als Wildschütze in Gefangenschaft gewesen sein, und sein Privatleben soll manchem Tadel unterliegen.)

Gießen. Heute um Mittag zogen gegen hun⸗ dert Personen mit einem rothen Fähnchen, mit Trommel und Musik, unter einzelnem Rufen für die Republik vom Seltersberg in die Stadt zurück.

Offenbach. In der Nacht vom 11. auf den 12. fanden Unruhen wegen Befreiung mehrerer in Haft sitzender Soldaten statt. Etwa 10 Personen wurden verwundet; einige lebensgefährlich. Von Darmstadt und Langen ist sofort Militär eingerückt.

Frankfurt, 10. Juni. Nachdem Prof. Bayr⸗ hoffer in Marburg und sein social demokratischer Verein so viel von sich reden machen, ist es wohl interessant, zu erfahren, in wie weit die Einwohner Marburg's sich dabei betheiligten. So lange B. den Demokratsmus nur im Auge hatte, gehörten diesem Vereine auch Leute an, deren Namen hier und auch zum Theil außerhalb von Gewicht sind. Nachdem B.

aber sich auf den Socialismus geworfen, sind diese

ausgetreten und es verbleiben noch im Verein: Bayr⸗ hoffer, Ludolph, 8 Meister und circa 50 Arbeiter.

Preußen. Während in Frankfurt die Volks⸗ souveränetät unbestritten ist, stellt sich das preußische Ministerium in der preuß. N. V. entgegen. Es scheint auf unverhofften Widerstand gestoßen zu sein, so daß es den Ausweg einer Vertagung der Sache ergriffen hat.(Gebe Gott, daß ihm die Augen aufgehen; wenn wir einem recht harten Strafgericht anheim⸗ gegeben werden sollen, ehe wir ruhig in den Garten der Freiheit wohnen, so müssen die Obenstehenden grade mit solcher Blindheit geschlagen werden.)

Darmstadt: Protest mit 500 Unterschriften ge⸗ gen Verhalten des Reichstags in der Mainzer Sache.

Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer.

Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.