Ausgabe 
12.6.1848
 
Einzelbild herunterladen

Baselland nicht das Buch der Wahrheit sind, kann Hrn. L. Becker'n nicht fremd sein.(Will Hr.

L. Becker hierauf erwiedern, so sind

ihm die Spal⸗ ten dieses Blattes offen).

Franz Fischer.

N üng on.

Eine öffentliche Rüge mag es verdienen, daß in letzterer Zeit in mehreren auf einander folgenden Nächten an der Mauer, welche Hr. Kaufmann Mül⸗ ler um sein Haus machen läßt, einige neuerrichtete Pfähle und Ecksteine muthwillig heruntergerissen wur⸗ den. Soll dem Hrn. Müller damit bedeutet werden, daß man in jetziger Zeit nicht bauen zu lassen habe? Wahrlich das ware sehr im Interesse unserer vielen Arbeitslosen gesprochen! Die Mauer, die Herr Müller eben bauen läßt, ist gewiß nicht unbedingt nöthig, davon kann sich Jeder überzeugen, und wer ängstlich auf sein Geld sieht, der läßt heutzutage keine solche Mauer bauen; Hr. Müller kann also nur die Ab⸗ sicht gehabt haben, einigen Brodlosen Arbeit zu ver⸗ schaffen. Wenn ihr's aber so macht, so wird jeder bald die Lust verlieren, in der Art etwas für die Hülfsbedürftigen zu thun. Ihr glaubt vielleicht, Eine Schwalbe mache keinen Sommer, und es mache nichts aus, ob die eine Mauer gebaut werde oder nicht? Ich sage aber, wenn Jeder, der die Mittel hat, solche Mauern bauen ließe und für Beschäftigung sorgte, so würden viele Unzufriedene, die jetzt keine Arbeit haben, solche finden und befriedigt werdenund die Stimmung hier würde eine viel ruhigere; denn das ist gewiß, daß die größten Schreier heutzutage, we⸗ nigstens zum großen Theil, solche sind, die nichts zu verlieren, wohl möglicher Weise aber etwas zu gewin⸗ neu haben. W. Birnbaum.

Die von R. Blum und Andern herausgegebene Reichstags zeitung enthält einen Artikel über Hof⸗ rath Welker. DerJüngste Tag hat ihn nach⸗ gedruckt. Ich stehe nicht auf Welkers Rechts⸗ boden; ich habe seine Schriften nicht gelesen, weil ich Folgerungen und Anwendungen nicht lesen wollte, deren Grundlage ich verwerfe. Aber das läßt sich nicht läugnen: Welker hat vorwärts gestrebt, als Dieß noch Verbrecher war; er hat zu leuchten ge⸗ trachtet, als noch Finsterniß war; er hatte darum Zurücksetzung in Voraussicht, und ste hat ihn getrof⸗ fen! Deßhalb halte ich dafür, wir sollen fein Ver⸗ dienst ehren, wir sollen seine Sätze, wenn wir sie nicht anerkennen, widerlegen, wir sollen ihn aber nicht in den Dreck treten. Ein Mann im höhern Alter ist meist mit seinen Ansichten so verwachsen, daß er sie nicht mehr aufgiebt; er ist darum nicht ein schlechter Mann.

44

August Becker, Sie, die Sie Welker'n durch Ab⸗

druck jenes Artikels und durch Ihre Vorrede dazu herabziehen helfen, haben Sie bedacht, daß Sie als Socialist nicht folgerecht sind, d. h. wenn wahr ist, daß Sie die Ansichten nicht haben, die ich Ih⸗ nen jüngst zulegte? Haben Sie bedacht, daß Sie da stehen bleiben, wo kein Markstein ist? Wollen Sie, was Sie heute sagen: in einigen Jahren bei Seit' werfen, und sagen, ich habe mit falschen Grund⸗ sätzen gefochten? Oder wollen Sie, daß folgerechte Soeialisten Sie in den Dreck treten helfen, wie Sie selbst jetzt Welkern hineintreten? f Franz Fischer.

i Tagesneuigkeiten. Luzern. Schweizerrekruten für Neapel haben

am Po wieder umkehren müssen.

Neapel. Am Namenstag des Königs officielle Straßenbeleuchtung; Stimmung düster. Calabrien:

Provisorische Regierung; die Trup⸗ pen entwaffnet; die Staatsgelder mit Beschlag belegt.

Paris. Allabendliche Zusammenrottungen. Beth⸗ mont ist Justizminister. Die Socialisten haben bei den Nachwahlen in Masse gestimmt und scheinen die Mehrzahl für sich zu haben. Posten, welche die Bürgerwehr bis dahin inne hatte, werden jetzt mit Linie oder Nationalgarde besetzt. 5 Madrid. Es ist die Rede von Schilderhebung der Carlisten.

Schleswig⸗Holstein. Am 5. und 6. haben bedeutende Treffen statt gefunden zwischen Sonder⸗ burg und Gravenstein, zu Ungunsten der Dänen. Alsen soll von den Deutschen genommen sein. Der Kanonendonner bei Sonderburg machte 3 Meilen davon unaufhörlich die Fenster klirren, und die Erde dröhnen. Die Bundestruppen nahmen 8 Kanonen und entwaffneten 2 Kanonenbote. Der Verlust an Mannschaft soll beiderseits bedeutend sein. Die Dä⸗ nen sollen 10000 Mann stark gewesen sein.

Freiburg(im Breisgau). Es sind wieder wür⸗ tembergische Truppen bei uns eingerückt.

Frankfurt. Die schleßwig⸗holsteinische Sache ist für deutsche Volksangelegenheit erklärt. Vorbehalt der Genehmigung des Friedensvertrags durch die N.⸗V wurde abgelehnt.

Waldshut. Hecker ist hier und zu Thiengen als Abgeordneter nach Frankfurt gewählt worden. Zu Villingen hatte er gleiche Stimmen mit Metz. Das Loos entschied für Letztern.

Zu Neustadt a d. H. ist am Pfingstmontag Volksversammlung, wozu viele Mitglieder der Linken von Frankfurt erwartet werden.

Verantwortlicher Redacteur: Dr. F. Fischer.

Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.