Ausgabe 
12.6.1848
 
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zugestanden und wo ich vielleicht nur das Datum, an welchem es sich ereignete, verwechselt habe. Hr. Credner ist aber das Verdächtigen und Denunciren An⸗ derer von jeher so gewohnt, daß er alle diese Andeutungen auf sich beziehend zu erblicken sich veranlaßt steht; denn wie kann ein Unbefangener etwas auf sich beziehen, woran ein Anderer vielleicht gar nicht ge dacht? Heißt man dieses sich nicht selbst verdächtigen? Die von mir angeführten Beweissätze nennen Hrn. C. nur ein einzigesmal und sind meist nur als Ge⸗ rüchte dargestellt; will Hr. C. sie alle auf sich be⸗ ziehen, nun so ist dieses seine Sache! Der Aufruf vom 23.(oder 28. März, ein kleiner Irrthum in Datum ändert die Sache nicht)*), von mehreren Bürgern zu einer Volksversammlung, ist in der Volksversammlung am 1. April von Hrn. C. selbst an⸗ erkannt worden, und es war diese Anerkennung die Ursache des Sturms gegen ihn, indem man glaubte, Credner habe auch die vorhergehende geheime Ver⸗ sammlung veranlaßt; ob aber diese geheimniß⸗ und verhängnißvolle Versammlung, zur Bildung einer Schützencompagnie, von Hrn. C., oder aus dem Fettstübchen, oder von sonst wo ausgegangen war, habe ich nicht behauptet, wußte ich nicht, dieß ist mir heute noch als Gerücht bekannt. Hr. C. hat sich selbst zwar den Zweifel schon gelößt, indem er in meinem Artikel die Behauptung mit dürren Wor⸗ ten sieht:Credners Aufruf zur Bildung eines Sonderbundes und einer Schützen⸗ compagnie. Wie Hr. C. das Schimpfen und Denunciren versteht, so versteht er auch die Meister⸗ schaft der Wortverdrehung und Namenbeschmutzung; Wortverdrehung ist es aber auch, wenn man ein⸗ zelne Sätze aus dem Zusammenhange reißt, und ih⸗ nen dann eine beliebige Deutung giebt. Hr Credner denkt und sieht deßhalb nur Denunciationen, gleich wie der Ritter von La Mancha sich Riesen schuf, wo keine waren, und deßhalb die Windmühlen dafür an⸗ sah. Um eine Verläumdung zu finden, zeigt Hr. C. noch einen ungeheuren Fall an, indem ich 6 Wochen der Aufregungen in Gießen angegeben und es doch einige Tage mehr sind. Diese ungeheure Lüge fällt

*) Hr. C. behauptet, er sei vom 19. bis 24. März in Darmstadt gewesen und habe sich daselbst mit kirch⸗ lichen Dingen beschäftigt; vielleicht hat er aber zu gleicher Zeit seiner alten Gewohnheit nach auch wieder Kollegen denuneirt? und vielleicht ist es auch damals gewesen, als er den Hrn. Kanzler Birnbaum so drin⸗ gend ersucht hat, allen seinen Einfluß anzuwenden, daß keiner der Professoren in den vaterland. ꝛc. Verein trete? Welche Zwecke konnte C. durch ein solches Ge⸗ such verfolgen? vielleicht um selbst Hahn im Korbe zu bleiben, vielleicht auch um die Nichtbeitretenden um so leichter als Republikaner und Wühler denunciren zu können? und, seinen früheren Gewohnheiten nach, läßt sich das Eine und das Andere wohl erwarten.

aber nicht mir, sondern dem vaterländ. constitutionell⸗ demokratischen Friedensmann Nr. 14. der Sprech⸗ halle zur Last. Wenn Hr. C. ein Beispiel einer Lüge sehen will, dann vergleiche er einmal seine Asterisken oder Sternchen S. 144 in den unteren sechs Zeilen, dort wird er eine solche finden. Er wird dort finden, daß er gesagt, Fritzsche selig habe eine Vorlesung gar nicht und die andere nur schwach besucht, zu Stande gebracht, während Fritzsche doch die eine vor 15 und die andere vor einigen und 20 gehalten haben soll. Sie werden wissen, daß Fr. sich nicht mehr gegen Ihre Lüge vertheidigen konnte, da er bereits gestorben war. Was den weiter verdächtigten Irr⸗ thum, in Rücksicht der Zeit der Bildung des Bür⸗ gerklubs und des vaterländ. ꝛc. Vereins, so wie die Wahl des Vorstandes betrifft, so habe ich gesagt: kaum waren die Offiziere der Bürger⸗ garde, kaum war der Vorstand des Bür gerklubs gewählt, als man auch schon hier und da eine Mißstimmung an gewis sen Leuten bemerken konnte ꝛc. Hr. C. hat auch diesen Satz, scheints absichtlich, entstellt, er hat ihn groß drucken lassen und legt somit großes Ge⸗ wicht darauf: vielleicht, daß er sich von der Wahr⸗ heit getroffen fühlte? und er hat den Satz deßhalb in seinem Sinne verfälscht wieder gegeben? Es ist aber ganz gleichgültig, ob der Vorstand des Bürger⸗ klubs erst am 7. oder 9. April definitiv gewählt wor⸗ den, denn er war doch früher schon provisorisch gewählt, so wie auch die Wahl der Offiziere schon erfolgt war, und Hr. C. war weder da noch dort gewählt worden, die Wahlen hatten schon gezeigt, daß man ihn nicht wollte; kaum daß er noch zu der Charge eines Rottenführers und später in den Ge⸗ neralrath kam. Wenn nun Hr. C. das von mir Gesagte auf sich bezogen hat, so kann dieß wieder nur als schlagender Beweis dienen, daß es ihn auch getroffen.(Schluß folgt).

Bericht über die Volksversammlung, gehalten Freitag den 9. Juni im Busch'schen Garten zu Gießen. Präsident: Hr. Homberger. Schriftführer: Hr. Dr. Cramer.

Zuerst wurde Bericht erstattet über die Vollzie⸗ hung der Beschlüsse der Versammlung vom 2. Juni, nehmlich: die Erlassung zweier Adressen, und die durch eine Abordnung an Dr. Sundheim gelangte Auffor⸗ derung, auf die Besoldung zu verzichten, die er als gewesener Stadtsyndikus noch bezieht. Es wurde eine schriftliche Antwort des Dr. Sundheim verlesen, wo⸗ durch er sich zu dem Verlangten bereit erklärt, wenn die Abgeordneten Jeder für sich ein gleich großes Opfer aus ihren Taschen bringen