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Pässe aufs Strengste in Anwendung zu bringen. DieGesellschaft der Rechte des Menschen behaup⸗ tet, sie sei der Juni⸗Insurrektion ganz fremd gewe⸗ sen. Es giebt diese Gesellschaft die Zahl ihrer Mit⸗

glieder auf 35,000 an; sie behält sich dieZu⸗

kunft vor.

Marie ist zum Präsidenten der N.⸗V. gewählt. Die Wahl ist mit Befriedigung aufgenommen wor⸗ den.(Seine Antrittsrede besteht aus allgemeinen auf der Oberfläche bleibenden Phrasen.) Bastide ist Marineminister, Bedeau Minister des Auswär⸗ tigen. Es kommen Mordversuche gegen einzelne Soldaten und Nationalgardisten vor.

Paris. Das neue Ministerium ist, wie verlau⸗ tet, fest entschlossen, die sofortige und definitive Schlie⸗ ßung der Nationalwerkstätten auszusprechen und einen neuen Credit von der Nationalversammlung zu ver⸗ langen, um den unbeschäftigten und ehrbaren Arbei⸗ tern, welche an dem Juni⸗Aufstande nicht Theil ge⸗ nommen, in deren Wohnungen Unterstützungen zu⸗ kommen lassen zu können.

Die von der Nationalversammlung niedergesetzte Untersuchungs⸗Commission hat bereits zahlreiche Zeu⸗ gen vernommen und eine große Masse von Documen⸗ ten gesammelt. Sie dehnt ihre Untersuchung bis zu der ersten Zeit der durch die Februarrevolution ent⸗ standenen Republik aus, namentlich hinsichtlich der Moralität der Personen, die seit jener Zeit mit Stel⸗ len und Aemtern bedacht worden sind, und es sollen in diesem Betreffe schon die seltsamsten Dinge zu Tage gekommen sein. Durch die Aufnahmen der Untersuchungscommission bestätigt es sich, daß die Zahl der Truppen, welche am Morgen des 22. Juni sich in Paris anwesend befanden, nicht 10,000 überstieg. Die Untersuchung hat jetzt vornehmlich zum Zwecke, nachzuweisen, in wieweit die Vollzie⸗ hungsbehörde über ein Complott, welches schon seit einem Monate gleichsam in Permanenz war, Kenntniß hatte oder haben mußte, und aus welchen Gründen die Vorsichtsmaßregeln, welche die öffentliche Sicherheit

forderte, vernachlässigt worden sind.

Die Legionen der Nationalgarde von Paris unter⸗ zeichnen gegenwärtig eine Petition, worin sie verlan⸗ gen, daß in Bezug auf die Empörung dem Rechte sein Lauf gelassen werde, ohne Leidenschaft, aber auch ohne Schwäche, und daß die Chefs, welche an der Spitze des Aufruhrs standen, aufgesucht und bestraft werden, wer sie auch seien.

Lyon. Man hat die Vorstadt Croix rousse entwaffnet, und ihr namentlich die 10 Kanonen, die sie hatte, abgenommen. Es sind 30000 Mann Linien⸗ truppen in der Stadt. 8

Mailand. Verona leidet sehr Mangel an Le⸗ bensmittteln. Karl⸗Albert wird es nächstens angreifen.

Wien. Graf Stadion hat die Bildung eines Ministeriums mit den Worten abgelehnt: Jetzt macht nicht mehr der Kaiser, sondern das Volk die Mini⸗ ster; der Reichstag wird die Männer zeigen, die be⸗ rufen sein worden, die Verwaltung zu übernehmen.

Wien. Aus Treviso ist heute ein Courier des F.⸗M.⸗L. Baron Welden mit der Nachricht einge⸗ troffen, daß sich das Fort Malghera, welches die Eisenbahnbrücke über die Lagunen und einen Theil Venedigs beherrscht, nachdem es mit Bomben und Brandraketen beschossen worden, unsern Truppen er⸗ geben habe. Die Besatzung bestand aus lombardischen Freiwilligen. In dem Fort wurden 36 Kanonen vorgefunden. Hoffentlich wird dieser Schlag zu einer baldigen Capitulation Venedigs führen.

Apenrade, 28. Juni. Man rückt vor, um Nordschleßwig zu besetzen und in Jütland einzudrin⸗ gen. Die Dänen sollen sich rasch zurückziehen.

Rendsburg, 28. Juni. Die Dänen stehen bei Hadersleben verschanzt; wir erwarten nun ganz nahe einen Kampf.

Stuttgart. Der König ist bereit, seine Civil⸗ liste von 800000 auf 500000 fl. herabzusetzen. Die Minister hatten jeder 10000 fl. Gehalt; jetzt haben wir statt der Minister bloß Staatsräthe, deren ein jeder nur 4000 fl. Gehalt hat.

Wiesbaden. Zwei hiesige Zeitungsschreiber wol⸗ len sich mit Säbeln schlagen.

Frankfurt. Der Bundestag droht der Schweiz, wenn die Anhäufung Gefahr drohender Elemente an der deutschen Gränze von ihr geduldet würde, mit Gränzbesetzung, bei welcher der Verkehr leiden werde. O Am 3. d. M. beginnt die N.⸗V. die Berathung der Grundrechte des Volkes.

Frankfurt. In einer Erklärung im Frankfurter Journal straft ein zweiter Zöllner aus Chemnitz) den Centralausschuß der demokratischen Vereine Lüͤ⸗ gen. Er(Zöllner) habe in Betreff der Centralge⸗ waltssache nicht so, wie der Centralausschuß sage, ge⸗

stimmt, sondern gerade umgekehrt.

Darmstadt. Die vom hiesigen vaterländischen Verein ausgegangene Gegenerklärung gegen die bekannte Aufforderung von Ronge, Metternich und Bayrhoffer gegen die Nationalversammlung hat auch die Zustimmung des hiesigen Volkslesevereins (der als demokratisch gilt) erhalten.(Der Gießener Volksleseverein darf das gegenüber den Republikanern, scheints, nicht wagen, er muß sich hinter dem in sei⸗ nen Statuten ausgesprochenen Zweck verstecken.

Langen bittet den Großherzog um eine bestän⸗ dige Besatzung, als Entschädigung für Das, was der Ort durch die auf/ Stunde Wegs neben Langen vorbeilaufenden Eisenbahn verloren habe.

Verantlicher Redacteur: Dr. F. Fis cher.

Druck und Verlag von G. D. Brühl J. in Gießen.