Jahrgang 
2 (1879)
Seite
695
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und drei Viertel des Erlöſes den frommen Stiftungen zu⸗ zuwenden, die unter Ihrer Verwaltung ſtehen. Die erſte An⸗ zahlung des Käufers im Betrage von fünftauſend Thalern habe ich an Ihrer Kaſſe eingezahlt; der Reſt iſt für das Miſſions⸗ haus, den Bibelverein und die von mir begründete Geſellſchaft zu abendlichen Andachtsübungen hypothekariſch eingetragen.

Ein verſchmitztes Lächeln glitt über die blaſſen Züge des Paſtors, machte aber ſofort wieder dem vorigen Ernſte Platz.

Ihr ſorgt doch immer, daß die Freunde nicht zu Grunde gehen! rief die Baronin heiter.

Ich war auch ſonſt für Sie thätig, fuhr der Geiſtliche fort.Zwei Ihrer gefährlichſten Widerſacher in unſerer Gegend ſind fort, der Franz und Werner von Beiden habe ich Ihnen erzählt. Sie haben oft meine Pläne durchkreuzt und meine Anſtrengungen für Sie zu Schanden gemacht, indem ſie vor Ihrem Unternehmen warnten.

Ich danke Euch für die Liebe und Freundſchaft, die Ihr mir ſchon ſo oft bewieſen habt. Erhaltet mir dieſe Geſinnungen auch ferner!

Er nahm aus ſeinem Schreibtiſche eine mit Banknoten gefüllte Taſche und reichte ſie dem Pfarrer, der ſie ohne Widerſtreben annahm und in der Taſche ſeines Rockes barg.

Da pochte es an die Thür; ein Beamter des Geſchäfts trat ein, warf einen verlegenen Blick auf den Beſuch und flüſterte dann dem Chef einige Worte in's Ohr.

Berghammer erblaßte und faßte krampfhaft nach der Lehne eines Stuhles, als wolle er ſich vor dem Umſinken ſchützen.

Führe den Herrn Paſtor hinauf in den Salon, Amely,

ſerviren; ſobald ich einige nothwendige Geſchäfte erledigt habe, folge ich.

In der Stimme des Barons lag ein merkliches Zittern. Als ſeine Gattin und der Geiſtliche das Zimmer verlaſſen hatten, nahm er ſchnell eine Anzahl hochwerthige Banknoten aus einem Kaſten ſeines Arbeitstiſches, verbarg dieſelben in einer Taſche, die er unter dem geſtickten Hemde auf der Bruſt trug, und ſchritt dann hinaus in das anſtoßende Kaſſenzimmer, wo einige Herren in den Geſchäftsbüchern herumblätterten.

Es war eine Gerichtskommiſſion, die Auftrag hatte, Bücher und Kaſſenbeſtände derProvinzial⸗Kredit⸗ und Spar⸗Bank zu prüfen.

Vor einem kleinen unſcheinbaren Häuschen ſaß ein bejahrter Mann ſtill vor ſich hinbrütend und dicke Dampfwolken aus einer Thonpfeife um ſich verbreitend. Zu ſeinen Füßen hatte auf einem Schemel ein junges Mädchen Platz genommen, emſig mit einer weiblichen Arbeit beſchäftigt. Es war Huber, der ehemalige Wirth zumgrünen Jäger, und ſeine Tochter Gabriele; der Alte hatte, nachdem er ſeinen Gaſthof verkauft, ſich eine beſcheidene Wohnung gemiethet und gedachte den Reſt ſeiner Tage in Ruhe hinzubringen. Die Zinſen des in der Provinzial⸗Bank eingelegten Kapitals, die er ſich auf Lebenszeit vorbehalten hatte, waren hinreichend, ihn vor Mangel zu ſchützen; dennoch ſchien er nicht zufrieden, ſtumm und finſter blickte er vor ſich hin, und nur zuweilen warf er einen ſcheuen und doch beſorgten Blick auf ſeine Tochter.

Huber hatte auffallend gealtert. Auch Gabriele war nicht mehr das heitere, lebensluſtige Weſen von damals; eine krank⸗ hafte Bläſſe überzog ihre ſonſt ſo blühenden Wangen und ihre Bewegungen waren matt und langſam.

Concordia.

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Seit jenem Abende, wo Franz von ihr Abſchied genommen, war ſie eine Andere geworden; die ſtille Verehrung, die ſie bisher für den Pfarrer hegte, machte einer tiefen Ver⸗ ſtimmung Platz; als aber der Geiſtliche ihren Vater über⸗ redete, ſein ſchönes Grundſtück zu veräußern, und ſie den ſtattlichen Hof, in welchem ſie ihre glückliche Jugend ver⸗ lebte, verlaſſen mußte, da erblickte ſie in dem frommen Manne nur noch den Urheber alles Unglücks, und ein brennender Haß gegen denſelben erfüllte die Seele des Mädchens.

Es war ein heiterer Herbſtabend; die untergehende Sonne übergoß die kleinen ſich wie Möven in der Luft wiegenden Wölkchen mit Purpur, und kokett ſpiegelten dieſe ihr Bild in den Fluthen des kleinen See's, der es gewiſſenhaft zurück⸗ ſtrahlte. Die Blätter des wilden Weines, der das kleine Haus umrankte, hatten ſich dunkelroth geſärbt und im Garten blühten die Spätlinge des Jahres, Sonnenroſen und Aſtern, dem nahenden Winter entgegen. Auf den Steinbänken vor den Häufern ſaßen die Bewohner, um den ſchönen Abend zu genießen, die Männer rauchend und politiſirend, die Frauen mit Strickſtrümpfen und von den Tagesneuigkeiten plaudernd.

Wißt Ihr auch, Nachbar, daß morgen Werner hier an⸗ konunnen wird, um drüben in der Fabrik Modelle anzukaufen?

rief vom gegenüberliegenden Hauſe ein Mann Huber zu. Seiner Schweſter Mann, der unten am See den Kramladen hat, erzählte mir, daß er in Gemeinſchaft mit Franz draußen am Rhein eine Werkſtatt für Porzellanmalerei gegründet hat und daß das Geſchäft ſo flott gehe, daß ſie die Aufträge gar nicht alle annehmen können. Auch unſere Fabrik hier läßt die feineren Sachen wieder bei ihren früheren Malern herſtellen.

Huber nickte gleichgiltig mit dem Kopfe, Gabriele dagegen horchte hoch auf und ihr Geſicht überflog eine leichte Röthe. Sie wußte, daß Werner Nachrichten von Ihrem Franz bringen würde, von dem ſie ſeit langer Zeit nichts mehr gehört hatte.

Da ſchallte von der Richtung des Gaſthofs her lebhaftes

der

Stimmengewirr, das, je näher es kam, auch mehr und mehr den Gegenſtand des Geſprächs unterſcheiden ließ; augenſchein⸗ lich war es eine Zeitungsnachricht, welche die Gemüther

aufregte.

Es iſt nicht möglich, es ſchrie eine Stimme.

Mein Geld, meine Erſparniſſe! jammerte eine andere

iſt ſchändliche 2

Verleumdung!

dazwiſchen. Ich bin ruinirt, ein Bettler! rief verzweiflungsvoll

ein Dritter.

Immer wurde Geſchrei, der Name des Pfarrers miſchte ſich zwiſchen Flüche und Verwünſchungen und mit jeder Minute wuchs der Volkshaufe, der eine Lawine die Straße hinabwälzte.

Huber war aufmerkſam geworden; mit wachſender Spannung hatte er auf die verſchiedenen Aeußerungen gehört, ohne daß ihm der Sinn derſelben ganz klar wurde.

Ein Bekannter trat zu ihm heran.Auch Ihr ſeid mit betrogen, Huber, ſagte er in mitleidigem Tone

Um Gottes willen, was giebt's? re

Ihr wißt noch nicht, Bank gerichtlich

lauter das

ſich wie

det! ſchrie der Alte.

daß die Geſchäftslokale der Kredit⸗ verſiegelt ſind und der 2

großartige Ueberſchuldung herausgeſtellt und Tauſende ſind auf die raffinirteſte Weiſe um ihr Hab und Gut betrogen.