Jahrgang 
2 (1879)
Seite
457
Einzelbild herunterladen

ͤʒ·

(Fortſetzung.)

Wie gelang es Ihnen, die Leute insgeheim loszuwerden? fragte Maurice die Kranke.

Das war mir eine große Schwierigkeit. Es war keine Möglichkeit vorhanden, ihnen einen Wagen zu verſchaffen. Sie mußten zu Fuß gehen und ihren Weg zurück nach Seacomb nehmen. Zu Seacomb hatten ſie die Eiſenbahn, um aus der Grafſchaft zu gelangen. Nachdem ich es lange überdacht, ent⸗ ſchied ich mich, daß es für ſie das Sicherſte ſein würde, das Haus um halb ſechs Uhr Morgens zu verlaſſen, wenn die Männer bereits alle auf den Feldern wären. Ich wußte genau, was auf der Farm vorging, und konnte meine Pläne dem⸗ gemäß einrichten. Es war leicht für mich, die Magd in⸗ zwiſchen im Hauſe zu beſchäftigen, ſo daß auch dieſe nichts ſehen konnte von der Abreiſe von Mr. und Mrs. Eden.

Gaben Sie dieſen Leuten viel Geld?

Alles, was ich für meine Perſon in der Welt beſaß meine geheimen Erſparniſſe ſeit Jahren. So gut mein Gatte iſt, und ſo wohl es uns von allem Anfange an ging, gefiel es mir doch, ein wenig Geld zu ſparen, das ausſchließlich mein war und worüber ich nach Belieben verfügen konnte, ohne meinen Mann zu fragen. Ich hatte Niemandem Unrecht gethan, indem ich dieſes Geld ſparte, es war der Erfolg meiner Oekonomie und Selbſtentſagung. Mein Gatte hatte mir eine Fünf⸗Pfund⸗Note auf ein neues Kleid gegeben und ich legte das Geld beiſeite und wendete mein letztes Seiden⸗ kleid, anſtatt ein neues zu kaufen; oder ich hatte eine Brut junger Hühner aufgezogen und verkauſte ſie einem benachbarten Farmer. Ich war ehrlich zu dem Gelde gekommen und es belief ſich auf mehr als zweihundert Pfund in Banknoten und Gold. Ich gab es den Eden's.Erinnert Euch, daß es dazu

gehört, Euch eine anſtändige Exiſtenz zu ſchaffen, ſagte ich dabei zu ihnen,und daß Ihr dafür die Verantwortlichkeit fur die fernere Erhaltung dieſes Kindes übernehmt, daß es Euren Namen führen ſoll und es ihm nur ſo wohl gehen wird, als es Euch wohl ergeht. Dazu verpflichteten ſie ſich auch auf die eierlichſte Weiſe. Mrs. Eden ſchien dem ver⸗

1

V eine junge Frau war.

laſſenen Kinde bereits zugethan, und ich hatte keine Furcht, daß es unfreundlich behandelt werden würde. So verzweifelt meine Lage war, glaube ich doch nicht, daß ich das Kind Je⸗ mandem anvertraut haben würde, auf deſſen Freundlichkeit ich nicht gerechnet hätte.

War das Kind getauft, als es Borcel⸗End verließ? fragte Maurice.

Er hatte Urſache zu denken, daß die Frage von beſonderer Wichtigkeit ſei.

Nein. Ich hätte es ſelbſt taufen können, wenn es in Todesgefahr geweſen wäre. Aber das Kind war wohl genug und ſchien ganz lebenskräftig. Ich ſagte Mr. und Mrs. Sden, ſie möchten es taufen laſſen, ſobald ſie Cornwall ver⸗ ließen und ſich irgendwo in der Nachbarſchaft anſäſſig machten.

Sagten Sie ihnen, welchen Namen ſie dem Kinde geben ſollten?

Nein. Es ſollte fortan ihr Kind ſein, und es war da⸗ her auch ihre Sache, den Namen zu wählen.

Und ſie kamen ſicher fort?

Ja; ſie verließen das Haus insgeheim, wie ich es ge⸗ plant hatte. Ich werde den grauen Morgen und das kühle Frühlingswetter niemals vergeſſen, in denen ich den letzten Blick auf dieſe beiden Wanderer that die Frau hielt das Kind an ihrer Bruſt, in den blauen Mantel meiner Muriel gehüllt den Mantel, den ich ſelber angefertigt, als ich noch

Mrs. Trevanard ſeufzte tief auf.

Ich kann mich noch erinnern, wie ich in dieſem Zimmer an der Arbeit ſaß, bald nachdem ich geheiratet hatte, ſagte ſie träumeriſch,wie ich dachte, was für eine große Sache es ſei, verheiratet und die Herrin von einem großen Hauſe und einer gedeihlichen Farm zu ſein. Ich ſehe jetzt auf mein

Leben zurück neununddreißig Jahre eines verheirateten Lebens und denke, wie ſchwer die Sorgen wägen gegen das Glück, und was für ein Leben voll Mnoe es geweſen.