Jahrgang 
2 (1879)
Seite
577
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Die Heirin von Penwun.

Frei bearbeitet nach dem Engliſchen von Xaver Riedl. (Schluß.)

Churchill Penwyn lachte verachtungsvoll.

Ich gratulire Ihnen, daß Sie auf die unwohrſcheinlichſte Geſchichte ſtießen, von der ich jemals gehört! ſagte er. Mein Onkel, George Penwyn, verheiratet mit des alten Trevanard Tochter! Und Niemand auf Erden wußte etwas davon, bis Sie, ein Fremder, es entdeckten. Eine ſehr wahr⸗ ſcheinliche Geſchichte, Mr. Cliſſold!

Maurice gab einen burzen Umriß von Juſtina's Fall, und ſprach dann von ſeiner eigenen Abſicht, die Angelegenheit zu ordnen.

Churchill ſaß mit gekreuzten Armen und das diſſtere Antlitz im Zuhören geſenkt. Maurice Cliſſold's Geſchichte ſchien ihm kaum eines ernſten Gedanken würdig. Sie war ſo ſehr unwahrſcheinlich, ſo gleich dem Traume eines fieber⸗ haften Gehirnes, daß er nicht denken mochte, es könne auf Grund derſelben ſein Reichthum und ſeine Stellung angefochten werden. Indeß ſagte er ſich aber doch auch, daß Cliſſold kein Narr ſei, und kaum von dokumentariſchen Beweiſen reden würde, wenn er nicht bereit ſei, dieſelben vorzulegen. Anderer⸗ ſeits aber konnte dieſer Cliſſold ein Schurke und das ganze Geſchäft eine Verſchwörung ſein.

Laſſen Sie mich die Abſchrift aus dem Kirchen⸗Regiſter ſehen, Sir, ſagte Churchill gewichtig.

Maurice nahm ein Papier aus ſeiner Bruſttaſche und legte es auf Mr. Penwyn's Schreibepult. Es war formell genug.

Wenn dies eine echte Kopie eines exiſtirenden Eintrages war, dann konnte die Thatſache der Verheiratung von George Penwyn nicht mehr beſtritten werden.

Und Sie geben vor, daß dieſe Ehe eine Folge hatte? ſagte Churchill.

Die Lady, deren Anſprüche ich hier vertrete, Tochter von Mr. George Penwyn, nach dieſer Ehe.

Und wo war dieſe bisher verſteckt ihr ganzes Leben hin⸗ durch: Wie kommt es, daß ſie dieſe lange Zeit keine An⸗

iſt die

ſprüche erhob? Auf mein Wort, Mr. Cliſſold, Sie und dieſer Ihr Plan ſind ein wenig abſurd.

Bedenken Sie, Mr. Penwyn, wenn ich dieſes Haus ver⸗ laſſe, ohne zu einer Art Verſtändigung mit Ihnen gelangt zu ſein, muß ich die Angelegenheit in die Hände meines Ad⸗ vokaten legen und das Geſetz wird ſeinen Lauf nehmen. Und wie koſtſpielig ein Prozeß auch werden kann, habe ich doch keinen Zweifel über ſeinen endlichen Ausgang. Sie wäre mit dem halben Vermögen zufrieden geweſen. Das Geſetz, wenn es ihr etwas giebt, wird ihr Alles geben.

Mr. Penwyn berührte eine Glocke, die auf ſeinem Schreib⸗ tiſche ſtand. Der Diener erſchien.

Geleite dieſen Gentleman, ſagte Churchill, Blick weiter auf ſeinen Beſucher zu werfen.

Maurice ging.

Kaum war er fort, als Madge Penwyn durch die geheime

ohne einen

Thür eintrat, zu ihrem Gatten eilte und vor ihm niederknieete.

Ich habe Alles gehört! ſagte ſie ruhig.

Was weiter? Es iſt eine bloße Thorheit.

Churchill Geliebter, Du denkſt doch nicht, Dich dieſem Anſpruche zu widerſetzen?

Bis zum Tode!

Aber, wenn es die Wahrheit iſt, hingeben. Es iſt eine Sühnung. Still, Madge! Du weißt,

koſtet.

So viel, daß Du damit nie Ruhe und Frieden haben wirſt. Gott zeigt Dir den Weg, die Bürde loszuwerden. Und ich fordere es mit aller Kraft meiner Liebe!

Es iſt nutzlos. Ich kann nicht mehr ringen um das tägliche Brot.

Auch nicht mit mir, Churchill? Wir gehen nach Auſtralien, wo das Leben leichter iſt, als in England. Dort werden wir Frieden haben.

Wenn aber dieſes Mädchen eine Betrügerin iſt? 73

dann wirſt Du Alles

was dieſer Beſitz mich ge⸗