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Concordia.
„Die Advokaten werden das entſcheiden. Wie gern würde ich dies Haus verlaſſen!“
Sie warf ſich an ſeine Bruſt.
„Madge, Engel meiner Liebe, handeln.“
„Willſt Du wählen zwiſchen mir und dieſem Vermögen, Churchill? Wenn Du es nicht aufgiebſt, mußt Du mich auf⸗ geben!“
„Denke an Deinen Knaben!
„Ich denke an ihn. Gott verbietet, daß mein Sohn je⸗ mals Penwyn erbe. Der Fluch des Blutes liegt auf dieſem Beſitzthum!“
„üien mir Zeit, es zu bedenken, Madge!“
„Bedenke, nur entſcheide recht!“
Und nach einem langen Kuſſe auf ſeine bleiche Stirn ver⸗ ließ ſie ihn.
Churchill fuhr nach Seacomb und ſaß bald in einem Eiſenbahnwagen, der nach London ging. Am nächſten Mor⸗ gen war er in der Expedition ſeines Anwaltes, Mr. Pergament's.
Er ſagte ihm Alles, was er von Cliſſold erfahren.
„Ich bedauere,“ war die Antwort des Advokaten;„wenn dieſe Perſon erweiſen kann, daß ſie die Tochter vom George Penwyn iſt, wird es Sie Ihr Eigenthum koſten. Welches ſind Mr. Cliſſold's Advokaten?“
„Willgroß und Harding.“
„Eine höchſt reſpektable Firma. Ich denke nicht, daß dieſe Herren einen zweifelhaften Fall annehmen würden. Die Schwäche der Gegenpartei liegt nur darin, daß ſie die Iden⸗ tität des Kindes zu beweiſen haben werden.“
überlaſſe es mir, zu
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25. Kapitel.
„Es ſinkt der Leitſtern meines Lebens!“ Nachdem Churchill Penwyn ſeine Sache in die Hände ſeines Anwaltes gelegt, fuhr er mit dem Mittags⸗Zuge nach Cornwall zurück. Ein unruhiges Gefühl erfaßte ihn, er ſah ſich von allen Seiten von Gefahren umringt, und wünſchte, ſeiner Gattin und ſeinem Kinde nahe zu ſein.
Es war neun Uhr Abends, als er in Seacomb ankam. Sein Wagen erwartete ihn.
„Soll ich fahren?“ fragte der Kutſcher.
„Nein,“ antwortete Churchill kurz, und die nächſte Minute flogen ſie durch die Finſterniß dahin. Der leichte Wagen ſchwankte von einer Seite zur anderen auf dem ſteinigen Wege.
„Ich wäre aller Schwierigkeiten überhoben,“ dachte Chur⸗ chill,„wenn der Wagen ſtürzte und ich mir an einem dieſer Steinhaufen den Schädel zerſchmetterte! Arme Madge, es wäre ſchlimm für ſie, aber vielleicht würde es ſie— be⸗ ruhigen? Wer kann es ſagen?“
Er fuhr durch die ſchattigen Pflanzungen, die er angelegt, und ſah endlich die Hütte der Parkwächterin. Die Fenſter derſelben waren erleuchtet. Auf eine Bemerkung, die er hier⸗ über machte, ſagte ihm der Kutſcher, daß Rebekka Maſſon ſchwer erkrankt ſei.
Elsbeth kam, das Thor zu öffnen. Churchill ließ, nach⸗ dem er abgeſtiegen war, den Wagen fortfahren und näherte ſich Rebekka's Hütte.
„Die Lady iſt hier bei der Großmutter,“ ſagte Elsbeth.
„Meine Gattin?“
„Ja, Sir. Sie kam Nachmittags, da ſie hörte, daß die Großmutter ſehr krank ſei. Mrs. Penwyn wollte ſonſt Niemand ſie pflegen laſſen, obgleich die Großmutter wie raſend iſt.“
Churchill ging raſch vorwärts. Ein wildes, heiſeres Stöhnen der Kranken drang ihm entgegen. Er öffnete die Thür des kleinen Gemaches und ſah ſein Weib neben der eiſernen Bettſtelle knieen, die knochige Geſtalt der Zigeunerin in ihrem Arme haltend..
„Madge, biſt Du wahnſinnig? Denkſt Du an keine Ge⸗ fahr in dieſem von Fieberhauch erfüllten Zimmer?“ rief er.
„Es wäre Gefahr für Dich daraus entſtanden, wenn ich nicht dageweſen wäre,“ antwortete Madge ſanft.„Ich habe Andere fern gehalten, die ihre Fieberreden weiterverbreitet hätten.“
„Wovon ſprach ſie?“
„Von Allem, was zu Eborsham geſchehen,“ flüſterte Madge ſchaudernd.„Aber ihre Lebenskraft geht zu Ende, wie Mr. Price, der Doktor, ſagte.“
Ein wilder Schrei brach von Rebekka's bleichen Lippen, und dann hörte Churchill ſie mit ſchrecklicher Genauigkeit die Geſchichte ſeines Verbrechens erzählen.
„Branntwein! Gebt mir Branntwein!“ ſchloß ſie. Kehle iſt wie ein Kalkofen!“
Madge nahm ein Glas ſchwachen Branntweins mit Waſſer vom Tiſche und hielt es an die zitternden Lippen der Zigeunerin. Dieſe trank gierig, und bemühte ſich dann, ſich aus Madge's Umarmung loszureißen.
„Gebt mir die Flaſche,“ ſtammelte ſie. wäſſerige Zeug nicht!“
„Laß mich ſie halten,“ ſagte Churchill.„Geh' nach Hauſe, Theuerſte, ich will bleiben bis an ihr Ende.“
„Nein, Churchill, Du würdeſt weniger geduldig ſein, als ich. Und wenn Du ſie pflegteſt, würde es die Leute reden machen, während es für mich nur natürlich iſt, bei ihr zu ſein.“ 7
Rebekka war auf das Kiſſen zurückgeſunken; bei ihr. Churchill aber ſtand am Fenſter
„Meine
„Ich will dieſes
Madge ſaß und ſah in den
dunklen Fichtenhain hinaus. So verging die Nacht, bis der Morgen graute und Rebekka ihren Geiſt aushauchte. Churchill
wußte, daß es nun keine Stimme mehr gebe, die ihn ver⸗ rathen könne. Sofort durchſuchte er die wenigen Habſelig⸗ keiten der Zigeunerin und fand unter dem Kiſſen der Todten ein kleines Bündel, das einige ſeltene Münzen und das Taſchentuch enthielt, mit welchem James Penwyn's Mörder ſich die bluttriefende Hand abgewiſcht hatte.
Madge knieete an dem offenen Fenſter in ſtillem Gebete, während ihr Gatte dieſen Zeugen ſeiner That zu ſich nahm. Er warf das Tuch ſofort in die noch übrige Gluth des Kamins und ſah, wie es zu Aſche verbrannte.
Kurz nach Tagesanbruch war Elsbeth auf und angekleidet, und ſie eilte nach dem Dorfe, um ein Weib zu holen, welchem die Todtenwache anvertraut wurde.
Madge und ihr Gatte gingen in der kalten Dämmerung nach dem Herrenhauſe— Beide ernſt und ſchweigend. Die Erſtere ließ ſich Thee nach ihrem Zimmer bringen, und als dort Gatte und Gattin allein waren, ſagte Churchill:
„Madge, Deine Aufopferung in dieſer Nacht hat mir ge⸗
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