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Pfennige.
. 2. Die Herrin von Venwyn. Frei bearbeitet nach dem Engliſchen von Xaver Riedl. (Fortſetzung.)(Nachdruck verboten.) Eines Nachmittags, als Maurice und Mrs. Trevanard allein Gedanke, Mr. Cliſſold, nach einem Leben voll Sorge und am Fenſter ſaßen— Martin und ſein Vater waren auf dem Arbeit.“
Markte zu Seacomb und die alte Mrs. Trevanard war durch„Vielleicht iſt es der beſte Gedanke, den irgend Eines von einen Anfall von Rheumatismus in ihrer Stube zurüclgehal⸗ uns haben kann,“ antwortete er,„der natürliche Schluß jedes
ten— ſchien die Kranke betroffen durch die Freundlichkeit des jungen Mannes, bei ihr zu bleiben. „Ich wäre in den beſten Zeiten eine traurige Geſellſchaft
Chriſten, der bedenkt, wie ſeine höchſten Anſtrengungen nie das göttliche Vorbild ſeines Meiſters erreichten. Erinnern Sie ſich der Geſchichte des armen Zöllners.“
für Sie,“ ſprach Mrs. Trevanard,„um ſo ſchlechter muß es Und dann las er dieſe erhabene einfache Erzählung über jetzt ſein, da ich krank bin. Warum machen Sie nicht einen die zwei Männer, die hinaufgingen in den Tempel, um zu beten. Spazierritt, eine Fahrt, freuen ſich des Landes, anſtatt mit Er war kaum zu Ende, als Mrs. Trevanard in Thränen mir in dieſem Krankenzimmer zu ſitzen?“ ausbrach, die erſten, die er ſie jemals vergießen geſehen. „Ich bin ſehr erfreut darüber, Ihre Geſellſchaft zu genießen, Dieſer Anblick machte ihn betroffen und erfüllte ihn doch mit Mrs. Trevanard,“ antwortete er freundlich.„Sie müſſen Hoffnung. die Zeit lang finden an Markttagen, wenn Niemand hier iſt.“„Ich bin wie der Phariſäer geweſen, ich habe auf meine „Ja, die Stunden ſcheinen ſehr lang. Ich laſſe eines der eigene Rechtlichkeit vertraut,“ ſagte. ſie endlich, ihre Thränen Mädchen mit ſeiner Näharbeit hier ſitzen. Aber das iſt bei⸗ trocknend. nahe ſchlechter als Einſamkeit, das Mädchen wie eine Statue„Theure Mrs. Trevanard,“ begann Maurice ernſt,„es hier ſitzen zu ſehen. Und dann denkt man an die Vergangen⸗ giebt Wenige unter uns, die tadellos ſind— denn es giebt heit und an Dinge, welche man gethan hat und die man nicht wenig Menſchen, die in ihrem Leben nicht einem Anderen ein
hätte thun ſollen, und das Ungethane, das man jetzt wünſchte Unrecht gethan— die aus Mißverſtändniß nicht vielleicht zu nicht unterlaſſen zu haben. Eine Kette trauriger Gedanken weeiit gegangen ſind, und das Glück Anderer zerſtörten. Das ſchützt uns vor Langweile, aber der Schutz iſt ſchlimmer als Aeußerſte, was wir thun können, das Aeußerſte, was Gott das Uebel. Es iſt ein trauriges Daſein, das man oft ſofort von uns fordern wird, iſt Reue und Sühnung— eine mit Vernichtung vertauſchen möchte, wenn ein bloßer Gedanke ſchwache Sühnung wenigſtens, wie wir fähig ſind, für das dieſe zu Stande brächte. Als ich wohl war und ſtark und Unrecht ſie zu bieten, das wir gethan haben. Aber es iſt fähig, im Hauſe geſchäftig zu ſein, dachte ich, ich hätte in dem doppelt ſträflich, an einem Unrecht feſtzuhalten und vor ihm Gebiete des Lebens, in das es Gott gefiel mich zu berufen, als hartnäckiger Sünder zu erſcheinen, der ſeine Sünde kennt meine Pflicht gethan. Ich wußte, daß ich mich niemals ge⸗ und doch an ihr feſthält.“
ſchont oder mich den Lüſten des Fleiſches hingegeben, nie Die Worte bewegten ſie, denn ſie wendete ihr Geſicht ab übermäßig geweſen im Eſſen, im Trinken, oder mich der Träg⸗ von ihm und begrub es in ihrem Kiſſen. Er konnte ſehen, heit ergeben. Die härteſte Brotkruſte oder der ärmlichſte wie ihre Geſtalt von Seufzern erbebte.
Biſſen Fleiſch waren immer gut genug für mich. Ich war„Wenn Sie Jemandem ein Unrecht gethan haben und des Morgens immer die Erſte auf, Sommer und Winter, und Sühnung ſuchen in dieſer elften Stunde—“ ſagte Maurice. meine Hände waren niemals müßig. Aber ſeit ich krank bin Mrs. Trevanard wendete ſich raſch um, ihn unterbrechend. und den ganzen Tag hier ſitze, bin ich dazu gekommen, zu„Elfte Stunde,“ wiederholte ſie.„Dann denken ſie wohl Alle, denken, daß ich doch eine Sünderin war. Das iſt ein harter daß ich ſterbe?“


