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Jedes Heft koſtet 20 Pfennige.
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Mr. 16.
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Die Herrin von Benwyn.
Frei bearbeitet nach dem Engliſchen von Xaver Riedl.
1. Kapitel. „O Simmel! Könrman im Auch des Schickſals leſen!“
Churchill Penwyſah wegen dieſer halbſtündigen Auf⸗ regung in der Nachtwas ſchlechter aus, als ſich ſeine Ge⸗ ſellſchaft am nächſteorgen beim Frühſtück verſammelte. Die Tage begannen ühzeitig zu Penwyn, und nur Lady Cheshunt machte ſickner ſozialen Bosheit ſchuldig, die in einem chroniſchen Koxeh beſteht, welches ihr Erſcheinen im Laufe des Vormittaganmöglich machte.
Vielleicht hatten r. Penwyn ſeine Pflichten als Wirth am vorhergehenden Und ein wenig ermüdet. Er hatte in dem hellen Morgenſoenſcheine ein abgeſpanntes Ausſehen — eine unruhige Mi, wie Einer, der in den Stunden der Nacht nur wenig geſckfen.
Madge blickte jer Augenblick mit nur halb verſteckter Angſt auf ihn. Eine e Veränderung, war ſie noch ſo leicht, die ſich in dieſem i ſo theuren Geſichte zeigte, war ihr
ſichtbar.
„Ich hoffe, daß D das Ereigniß von letzter Nacht nicht mehr beunruhigt, mei Lieber,“ ſagte ſie zärtlich, indem ſie ihm die Frühſtücks⸗Te reichte.„Die Diamanten ſind in Sicherheit, und es iſt in Zweifel, daß der Menſch für ſeine Verwegenheit in angenſſener Weiſe beſtraft werden wird.“ Ghurchill hatte ihr lles über den verſuchten Raub geſagt, in ſeiner klaren, leidechaftsloſen Weiſe, aber nicht ein Wort über das Zuſammentifen mit dem Vagabunden im Studir⸗ zimmer. Madge, geg alle unſchuldig Leidenden voll Er⸗ barmen, hatte kein Mgefühl für den getäuſchten Einbrecher, ſondern verlangte, da er für ſein Verbrechen geziemend be⸗
ſtraft werde.
„Ich bin nicht beſaders ermüdet, meine Theure. Es war nur ein etwas unangeehmes Ende eines angenehmen Abends, das iſt Alles.“
Man ſaß noch an der Frühſtückstafel, und Sir Lewis Dallas lauſchte noch nit entzückensvoller Aufmerkſamkeit auf Viola's Erzählung vm ihren Gefühlen beim Anblicke des
Diebes, als der Kellermeiſter, der einige Minuten zuvor das Zimmer verlaſſen, wieder eintrat, mit feierlicher Miene und all' der Wichtigkeit, welche dieſer Gattung von Dienern eigen⸗ thümlich iſt.
„Der Mann iſt wieder ergriffen worden, Sir, und be⸗ findet ſich im Dorfgefängniſſe,“ verkündigte er ſeinem Herrn.
Churchill erhob ſich haſtig.
„Wieder ergriffen! Was meint Ihr damit? Ich ließ ihn um zwei Uhr Morgens in meinem Studirzimmer ein⸗ geſchloſſen.“
„Ja, Sir, aber er öffnete die Läden und ſtieg aus dem Fenſter, und er würde auch davongekommen ſein, wenn nicht der Wildhüter Tyrrel und ſein Sohn mit einem Paar Hunden in der Nähe geweſen wären, um auf Wilddiebe zu lauern. Die Hunde gewannen ſeine Fährte, als er gerade über die Einzäunung des Fichtenwaldes ſtieg, und dann faßten ihn die Tyrrel's, ſchleppten ihn nach dem Dorfgefängniß und ließen ihn dort. Tyrrel ſagt, daß er ſich hart wehrte, und bald für Beide zu viel geweſen wäre, hätte man nicht die Hunde gehabt. Dieſe packten den Burſchen, daß er bald klein⸗ laut wurde.“
„Sollte man denken, daß der Burſche ſo nahe daran war, zu entkommen!“ rief Sir Lewis aus.„Ich wundere mich, daß Sie nicht daran dachten, Penwyn, daß er aus dem Fenſter ſteigen könnte. Sie ſchloſſen die Thür und dachten, ſo ſei er ſicher. Sie handelten da ein wenig wie der Mann, der zwei Katzen hatte, eine große und eine kleine, und der zwei Löcher in die Thür ſchnitt, ein weites für die große Katze und ein kleines für das Kätzchen, aber vergaß, daß die kleine Katze ja auch durch das große Loch ſchlüpfen könnte. So geht's mit Euch klugen Männern, Ihr überſeht Neben⸗ dinge.“
„Ich bekenne, es war in der That etwas achtlos von mir,“ ſagte Churchill,„aber ich ward wohl doch etwas verwirrt durch die ganze Geſchichte. Man hat nicht jede Woche in einer
Nacht einen Einbrecher in den Händen. Wie dem aber auch 46


