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Concordia.
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zeigt, welche Hingebung Du für mich hegſt! D'rum ſoll ge⸗ ſchehen was Du wünſcheſt! Ich will das Vermögen und meine Stellung aufgeben, und das Leben führen, das Du wünſcheſt. Sühnung unterziehen.“
„Churchill, geliebter Mann!“
Sie lag auf den Knieen an ſeiner Seite, ihr Haupt gegen ſeine Bruſt gelehnt, und ihre Augen ſahen mit unausſprech⸗
licher Liebe zu ihm empor.
„Wird dieſes Opfer Dein Herz beruhigen, Madge?“
„Es wird, denn ich glaube, daß der Himmel dieſe Sühne annimmt.“
Sie umſchlang und küßte ihn.
„Mein Theuerſter, jetzt bin ich deſſen ſicher, daß Du mich liebſt!“ ſagte ſie bebend.
Madge verließ ihn. nahm ein Douchebad,
Churchill ging in ſein Ankleidezimmer, um ſeine Lebensgeiſter zu erfriſchen,
kleidete ſich ſorgfältig und ging dann zum Frühſtück. Er fand im Speiſezimmer Viola, mit dem kleinen Nugent ſpielend.
Der Knabe ſchrie vor Freude auf beim Anblicke des Vaters. Churchill nahm ihn auf ſeine Arme und küßte ihn zärtlich, während Viola der Wärterin läutete.
Nach dem Frühſtücke begab ſich Churchill in ſein Ankleide⸗ zimmer, wo ſich in einem eiſernen Schranke ſein Bankiers⸗ buch und alle ſeine wichtigen Papiere befanden. Er hatte während ſeiner Herrſchaft zu Penwyn faſt all' ſein Ein⸗ kommen auf die Verbeſſerung dieſes Gutes verwendet, und es ſtanden ihm bei ſeinem Bankier nur zweitauſend Pfund zur Verfügung. Damit wollte er ein neues Leben beginnen. Es war eine harte Aufgabe für ihn, Mr. Pergament zu ſchreiben, daß er ſeine Beſitzung an Juſtina Penwyn, genannt Elgood, übergebe, falls deren Anſprüche ſich als rechtmäßig erweiſen ſollten.
Seinen Bankier beauftragte er, ſechszehnhundert Pfund in Kanada⸗Bons anzulegen, die er in Sidney jederzeit realiſiren könnte, außerdem verlangte er vierhundert Pfund in Noten der engliſchen Bank.
Einen dritten Brief richtete er an die Agenten einer auſtraliſchen Dampferlinie, mit der Ordre, ihm auf dem „Merlin“, der in einer Woche abſegeln ſollte, eine Kajüte für ſich und ſeine Gattin zu reſerviren. Dieſem Briefe legte er fünfzig Pfund auf Rechnung des Paſſagegeldes bei.
Die Briefe wurden abgeſendet; dann ging Churchill nach dem Zimmer ſeiner Gattin. Dort waren die Rouleaux herab⸗ gelaſſen und Madge ſchlief feſt, aber ſchwer— und der ge⸗ ängſtigte Gatte meinte, ſie habe ſonſt nie ſo ſchwer geathmet. Ihre Wangen waren purpurroth und eine Hand, die er ſanft berührte, war brennend heiß und trocken. Sofort eilte Chur⸗ chill und befahl dem Kutſcher, nach Seacomb zu fahren und Doktor Hillyard, den renommirteſten Arzt dieſer kleinen Stadt, zu holen.
Derſelbe, ein kleiner grauhaariger Mann, kam ruhig in das Zimmer, ſetzte ſich an das Bett, fühlte den Puls des Schlafenden und machte ein ernſtes Geſicht.
„Fieber!“ ſagte er.„Ich fürchte einen ernſten Anfall. Sie müſſen ſofort eine erfahrene Wärterin nehmen. Ich wünſche Sie nicht umſonſt zu beunruhigen,“ fuhr er fort,
* als er Churchill’s entſetzte Miene ſah,„Mrs. Penwyn's Jugend
Ich will bereuen um Deinetwillen, und mich jeder
und gute Konſtitution ſprechen zu hrom Vortheile, aber ihre Geſundheit muß ſeit langer Zeit gelitten haben.“
„Sagen Sie mir die Wahrheit,“ bat Churchill mit beben⸗ der Stimme.„Denken Sie, daß Gefahr da ſei?“
„Nicht unmittelbar, aber der Zuſtand iſt bedenklich.“
„Kann ſich meinem Weibe ein anſteckendes Fieber mit⸗ getheilt haben? Sie pflegte in der letzten Nacht eine Sterbende.“
„Dann iſt eine Anſteckung außer Frage. Das Fieber würde ſonſt nicht ſo raſch und mit bieſer Gewalt auſgetreten ſein.“
26. Kapitel. „Alles iſt finſter, wo Du nicht biſt!“
Ehe die Woche zu Ende, war Muriel ſoweit geneſen, um die lange Reiſe zu ertragen. Sie war in das Leben des Haushaltes zurückgebracht worden und ihr Vater pflegte ſie mit größter Zärtlichkeit.
Aber ihre alten Phantaſien blieben. Sie ſprach von George Penwyn als einem Lebenden, und konnte nicht ver⸗ ſtehen, daß ihr Kind jetzt erwachſen ſei. Maurice hatte mit Martin, ehe er Cornwall verließ, verabredet, daß dieſer ſeine Schweſter, von Phöbe begleitet, in die Nachbarſchaft von London bringe, wo er ſich bemühen wollte, ihr ein Quartier zu beſorgen. Er fand hierzu ein Haus zwiſchen Kentihſ⸗Town und Highgate, mit einem hübſchen Garten. Drei Tage ſpäter kam Muriel in dieſes Haus, wo ihre Tochter ſie erwartete. Es war ein trauriges, ſeltſames Zuſammentreffen. Es konnte der Mutter nicht begreiflich gemacht werden, daß dieſes vor⸗ nehm ausſehende Mädchen, welches ſeine Arme um ſie ſchlang, ihr vor Jahren geraubtes Kind ſei. Nur einmal wurde ſie Juſtina's Aehnlichkeit mit ihrem Vater gewahr.
„Sie ſind wie George,“ ſagte ſie.„Sind Sie ſeine Schweſter?“
Ein berühmter Irrenarzt von Cavendiſh⸗Square ſah Muriel, und erklärte ihren Zuſtand für hoffnungslos. Juſtina hörte dies mit tiefſtem Kummer.—
Maurice hatte Juſtina's Rechtsangelegenheit ſeinem Ad⸗ vokaten übergeben und war daher nicht wenig erſtaunt, als ihm drei Tage ſpäter Churchill's Verzichtleiſtung auf Penwyn mitgetheilt wurde.
„Dann iſt das ganze Geſchäft geordnet und wir bedürfen des Geſetzes nicht,“ ſagte er.
Aber am ſolgenden Tage beſuchte Maurice die Herren Pergament und erklärte dem Haupte dieſer Firma, daß die junge Dame, für welche er gehandelt, kein Verlangen habe,
Penwyn und ſeine Gattin ihres Hauſes und ihrer Heimat zu berauben.
„Sehr generös,“ erwiderte Mr. Pergament. meinem Klienten dieſen Wunſch mittheilen.“
Juſtina war gerührt von der Idee von Churchill Penwyn’'s Entſagung. All' ihr altes Mißtrauen gegen ihn entſchwand aus ihrem Herzen— jetzt hielt ſie ihn für großmüthig, un⸗ eigennützig, ja für übertrieben Gerechtigkeit liebend.
„Aber es wäre nicht recht,“ rief ſie,„trotz meines Groß⸗ vaters Teſtament! Es iſt nicht gerecht, daß ein Kind des älteren Sohnes Alles nehmen ſoll. Maurice, Sie müſſen Mr. Penwyn meine Wünſche erklären. Ich werde ihn und ſein Weib nicht berauben. Ich kann dieſe Sünde nicht auf mein Haupt laden.“
„Ich werde
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