Jahrgang 
2 (1879)
Seite
696
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696 Concordia.

Halb ohnmächtig brach Huber zuſammen; er war ein Bettler.

Schreiend und fluchend wälzte ſich der Volkshaufe der Pfarrwohnung zu, um den Geiſtlichen, der ſo viele Angehörige ſeiner Gemeinde verleitet hatte, ihr Geld in die Bank zu tragen, zur Verantwortung zu ziehen. Vergebens machte ſich die Wuth des Volkes Luft, vergebens zertrümmerte es die Fenſter des Pfarrhauſes und verwüſtete das Innere der Uebelthäter ſelbſt war nirgends zu finden. Einige Landleute hatten ihn bereits am frühen Morgen in der Stadt geſehen; von hier verlor ſich ſeine Spur. Erſt etwa ein halbes Jahr ſpäter erfuhr man, daß er mit wohlgefüllten Taſchen nach Amerika entkommen ſei.

Schwach und krank lag am anderen Morgen der ehemalige Wirth zumgrünen Jäger im Bette, gepflegt von ſeiner Tochter, deren Augen die unverkennbarſten Spuren einer durchwachten Nacht trugen. Gabriele wagte nicht an die Zukunft zu denken; das Vermögen ihres Vaters war dahin, arm und hilflos, betrogen und verlaſſen ſchaute ſie den kommenden Tagen entgegen.

Da trat eine kräftige Mannesgeſtalt in's Zimmer. Mit einemGrüß' Gott! ſchritt ſie auf die Beiden zu und drückte ihnen herzhaft die Hand.

Werner! rief Gabriele freudig aus,bringt Ihr Nach⸗ richt von Franz?

Sie erſchrak, als ſie den Namen des geliebten Mannes ausgeſprochen hatte, als fürchte ſie den Zorn des Vaters.

Huber ſchaute ſeine Tochter mild an.Sprich nur weiter, Gabriele, flüſterte er,das Unglück hat mir die Augen geöffnet. Jetzt erkenne ich, wie unrecht ich hatte, dem Paſtor zu trauen, ſeinen Einflüſterungen und Rathſchlägen Gehör zu ſchenken und ſeine erheuchelte Frömmigkeit für echt und wahr zu halten.

Ihr wußtet alſo nicht, daß der Pfaffe im Dienſte des Barons ſtand und dafür, daß er für die Bank wirkte und ihr die Kapitalien ſeiner Gemeindemitglieder zuführte, überreiche Spenden enmpfing? fragte Werner.

Gott ſoll mich bewahren! entgegnete Huber erregt;

würde ich dieſem Schuft jemals geſtattet haben, meine Schwelle zu überſchreiten? Jetzt muß ich für meine Leicht⸗ gläubigkeit ſchwer büßen. Auch Euch hat der Pfarrer aus der Heimat vertrieben!

Es iſt nicht zu unſerem Unglück geweſen, Huber. Franz und ich haben gemeinſchaftlich eine Werkſtätte für Porzellan⸗ und Dekorationsmalerei errichtet und können die uns zu⸗ gehenden Aufträge nicht bewältigen. Die böſe Abſicht des Geiſtlichen iſt uns zum Segen geworden.

O, warum habt Ihr Franz nicht mitgebracht! rief Gabriele.

Euer Haus iſt ihm ja verboten, ſagte Werner und ſeine Lippen umſpielte ein pfiffiges Lächeln.

Bittet ihn für mich um Verzeihung, ich habe ihm ſchweres Unrecht gethan! erwiderte Huber, dem jungen Manne die Hand reichend.

Nun, das läßt ſich vielleicht kürzer abmachen, lachte Werner und öffnete die Thür, in welcher Franz erſchien

Einen Angenblick ſpäter lag Gabriele in ſeinen Armen.

Wenige Wochen darauf führte Franz ſeine Gabriele zum Altar und mit ſich in ſeine neue Heimat. Der alte Huber begleitete das junge Paar und das Glück ſeiner Tochter wirkte auch kräftigend auf ſeine Geſundheit. Um Be⸗ ſchäftigung zu haben, geht er dem Schwiegerſohne jetzt rüſtig zur Hand.

Die gegen Berghammer und ſeine Gattin eingeleitete Unterſuchung förderte ſeltſame Reſultate zu Tage. Der an⸗ gebliche Baron war zuletzt Schauſpieler bei einer wandernden Truppe geweſen, hatte ſich dann in verſchiedenen Bädern und Hauptſtädten als Hochſtapler herumgetrieben und war endlich in der Gründerperiode nach X. gekommen, wo er ſich auf Grund gefälſchter Papiere Eingang in vornehme Familien zu verſchaffen wußte. Das Gericht verurtheilte ihn zu fünf Jahren Zuchthausſtrafe, während ſeine Gattin wegen mangelnden Beweiſes, daß ſie von den betrügeriſchen Manipu⸗ lationen ihres Mannes Kenntniß gehabt habe, freigeſprochen werden mußte.

Plaudereien.

Seidenbedarf des chineſiſchen Hofes. Die offizielle Pekinger Zeitung veröffentlichte in einer ihrer neueſten Nummern eine Denkſchrift des Superintendenten der kaiſerlichen Fabriken zu Hongkong, welche die maßloſe und unſinnige Verſchwendung darthut, in Bezug auf den Verbrauch von Seidenſtoffen am Hofe zu ig getrieben wird. Es wurden im Jahre 1878 dem kaiſerlichen Hofe ſeidene Gewebe aller Art im Werthe von 1 ½ Millionen Mark geliefert. Die Liſte weiſt unter Anderem 1300 Stück Seiden⸗ zeug für die Eunuchen und kaiſerlichen Seſſelträger auf. Selbſt⸗ verſtändlich wird ein großer Theil dieſer Stoffe von den Bedienſteten des Palaſtes geſtohlen und an Pfandleiher und Kaufleute abgegeben. Die angeführte Summe begreift nicht die von den Kaiſerinnen und Palaſtdamen konſumirten Seidengewänder ein, von denen einzelne Tauſende koſten. Der Palaſt hat im Ganzen etwa 70 weibliche Einwohner Mitglieder des Kaiſerhauſes, Dienende für deren Toiletten jährlich eine Summe verausgabt wird, die der früher genaunten gleichkommen ſoll; auch iſt es üblich, bei Todesfällen

die

Peki

7 die geſammte Garderobe der Verſtorbenen ſofort zu verbrennen.

Verantwortlicher Redakteur: Otto Freitag in Dresden. Verlag von Otto Freitag in Dresden. Druck von F. W. Gleißner in Dresden.

Ich bin keine Diebin, daß die gnädige Frau alle Schränke verſchließt, ſagte ein Dienſtmädchen.Ich thue es nur, damit Du keine wirſt, gab die gnädige Frau zur Antwort.

Ein weiblicher Räuberhauptmann. Die Umgebungen der Stadt Cantanzaro in Süditalien werden gegenwärtig von einer Räuberbande gebrandſchatzt, deren Befehlshaberin ein junges Weib von fünfundzwanzig Jahren, Maria Crocci, iſt. Jene, welche ſie geſehen haben, rühmen ihre außerordentliche Schönheit. Ihre ſchwarzen Augen ſollen unwiderſtehlich und ihre Phyſiognomie von verführeriſchem Reize ſein. Sie hatte einen Banditen geheiratet, den ſie mit Leidenſchaft liebte, und dieſer wurde in einem Zuſammenſtoß mit den Karabinieren getödtet. Sie hob den Karabiner des Ge⸗ fallenen auf und gelobte an ſeiner Leiche, Rache zu nehmen. Sie hat ihr Wort gehalten. Sie iſt überall zu finden, verbrennt Pacht⸗ höfe, raubt das Vieh, erhebt gezwungene Kontributionen, und es iſt bis jetzt nicht möglich geweſen, ihrer habhaft zu werden. Ihre Bande iſt zahlreich, kampfgierig und wird von den Landleuten ſtets in genauer Kenntniß von Allem erhalten, da dieſe der Schrecken zu

ihren Kundſchaftern macht. Kund)