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Concordia.
und die Preſſe trug durch überſchwengliche Artikel dazu bei, das Anſehen des Kreditinſtituts immer mehr zu befeſtigen. Schaarenweiſe ſtrömten die Bewohner der Umgegend nach x., um ihre Sparpfennige in der Berghammer'ſchen Bank niederzulegen, die ihnen bedeutend höhere Zinſen als irgend eine andere Sparkaſſe gewährte. Die Inhaber ſicherer Hypotheken kündigten ihre Kapitale, um ſie mit weit größerem Nutzen in der Kreditbank anzulegen; der fleißige Arbeiter zog ſeine ſauer erworbenen Groſchen aus den öffentlichen Kaſſen zurück, um ſie in die Bank zu tragen, und wer irgend Ge⸗ legenheit fand, ſein Hab und Gut zu verſilbern, übergab den Erlös dieſem Inſtitute, das eine hohe Rente gewährte.
Trotz dieſes außerordentlichen Erfolges blieb der Baron von Berghammer derſelbe fromme und demüthige Mann, der er von Anfang an geweſen war. Er fehlte nie beim Gottesdienſte in der Hauptkirche der Stadt, rüſtete aus eigenen Mitteln Miſſionäre zur Bekehrung der Heiden aus, gründete religiöſe Geſellſchaften und gewährte ihnen reiche Geſchenke zur Anſchaffung und Vertheilung populärer Er⸗ bauungsſchriften. Die Armen verehrten in ihm ihren größten Wohlthäter und die Zeitungen, der Stadt und Provinz be⸗ richteten faſt jede Woche von einem neuen, großartigen Akt der Mildthätigkeit des Bankiers und ſeiner Gattin. Ein⸗ geweihte wollten wiſſen, daß er aus einem alten, weſtphäliſchen Adelsgeſchlechte ſtamme, längere Zeit in England, dann in Berlin gelebt habe und endlich nach X. gekommen ſei, um ſein bedeutendes Vermögen zum Wohle ſeiner Mitmenſchen zu verwerthen.—
Die Ankunft der Gäſte war im Dorfe ſchnell bekannt geworden und die Bewohner hatten ſich vor dem Gaſthofe verſammelt, um den gefeierten Mann, dem auch ihr Ort reiche Geſchenke verdankte, zu ſehen und zu begrüßen. Der Baron wandelte mit dem Geiſtlichen im Garten auf und ab, während deſſen Gattin am Tiſche ſitzen geblieben war und, in Gedanken verſunken, mit ihrer goldenen Lorgnette ſpielte.
„Eure Empfehlung, Herr Paſtor, trägt gute Früchte,“ ſagte der Bankier mit gedämpfter Stimme.„Meine Kaſſen ſind gefüllt, und Euere Pfarrkinder waren nicht die Letzten, die mir ihre Erſparniſſe brachten.“
Er reichte ſeinem Begleiter die Hand und ließ etwas, wie eine gefüllte Börſe, in der des Geiſtlichen zurück.
„Was ich that, geſchah zur Ehre Gottes!“ erwiderte er, und ſeine Augen blieben am wolkenloſen Himmel haften, während die Hand mit der Börſe ſich in die tiefe Taſche ſeines langen, ſchwarzen Rockes ſchob.„Möge der Herr Euch noch lange Eurer ſegensvollen Wirkſamkeit erhalten.“
„Dazu bedarf ich auch ferner Eurer Mitwirkung. Das Landvolk weiß, daß es an ſeinen geiſtlichen Hirten gute Be⸗ rather hat, und vertraut ihnen in allen Dingen. Wirket auch ferner für mich, auf meine Dankbarkeit dürft Ihr rechnen.“
Inzwiſchen hatte ſich die Gaſtſtube des„grünen Jägers“ gefüllt und ein dumpfes Stimmengewirre drang aus der⸗ ſelben hervor. An einem Ecktiſche hatten vier Männer Platz genommen, und ihre lebhaften Bewegungen, ihre gerötheten Geſichter deuteten darauf hin, daß ihre Unterhaltung nicht ganz leidenſchaftslos geführt wurde.
„Und wenn Du zehnmal den Berghammer den Wohl⸗ thäter unſeres Dorfes nennſt und täglich lange Litaneien für ihn beteſt, ich bleibe dabei, die Sache nimmt kein gutes
Ende,“ rief der Eine, ein ſtämmiger junger Mann, deſſen Arme wie die Säulen des Herkules auf dem Tiſche ruhten.
„Du weißt nicht, was Du ſprichſt, Werner,“ erwiderte ein Anderer;„erſt vor einigen Tagen hat der Schmied drüben in Mangelsdorf auf Zureden des Herrn Pfarrers ſeinen Hof für zwölftauſend Thaler verkauft und das Geld in die Kredit⸗ bank getragen, die es ihm mit zehn Prozent verzinſt, während ſein Grundſtück ihm früher kaum die Hälfte einbrachte. Jetzt lebt er von ſeinen Renten und befindet ſich ſehr wohl dabei.“
„Wer mir den Baron ſchlecht macht, kriegt es mit mir zu thun!“ ſchrie der Dritte und ſtieß ſeinen Bierkrug auf den Tiſch, daß er in Scherben zerſprang.„Aber man weiß ſchon,“ fügte er hinzu,„wer nichts in die Bank zu tragen hat, der ſchimpft auf ſie.“
„Wer geſunden Menſchenverſtand hat, weiß, daß ein ſolches Geſchäft zu Grunde gehen muß, denn dieſe hohen Zinſen, dieſe ungeheuren Speſen und dieſe für Anſtalten und fromme Stiftungen aller Art aufgewendeten Geſchenke vermag kein Geſchäft auf die Dauer zu ertragen. Mit Augen⸗ verdrehen und religiöſen Salbadereien aber werden die armen Betrogenen nicht bezahlt, wenn es einmal zum Bruche kommt, und die gewiſſenloſen Betrüger, die nichts zu verlieren haben, kommen im ſchlimmſten Falle ein paar Jahre auf's Zuchthaus.“
Werner hatte dieſe Worte mit ſchallender Stimme aus⸗ gerufen; kaum war er aber zu Ende, als ihm ein Bierſeidel
mit ſolcher Wucht an den Kopf geſchleudert wurde, daß ihm,
ſofort ein Blutſtrom über das Geſicht rann. Das war das Signal zu einer wüthenden Rauferei, die ſich nun entwickelte. Ein furchtbares Schreien und Drängen begann im Zimmer, Stühle brachen, Fenſterſcheiben klirrten und das Geräuſch fallender Schläge miſchte ſich mit den Schmerzenslauten der Verwundeten. Huber war herbeigeeilt, um die Kämpfenden zu trennen und Ruhe zu ſtiften; aber ehe er ſich's verſah, befand er ſich mitten im Strudel und mußte zu ſeiner Ver⸗ theidigung theil am Kampfe nehmen. Inmer hitziger ge⸗ riethen die Streitenden an einander, dichter fielen die Schläge, wüſter wurde der Lärm—— da plötzlich ertönte ein durch⸗ dringender Schrei und ſchwergetroffen ſank Huber beſinnungslos zuſammen. Die Streitenden ſtoben bei dieſem Ausgange aus⸗ einander, die Schlägerei war zu Ende.
Eine Viertelſtunde ſpäter kehrten der Baron Berghammer und ſeine Gattin nach der Stadt zurück. Die Urſache des Kampfes war ihnen mitgetheilt worden und hatte eine merk⸗ liche Verſtimmung hervorgerufen; ſchweigend hatten ſie ſich in die ſchwellenden Sammetpolſter ihrer Equipage geworfen, Jedes mit ſeinen eigenen, wenig erfreulichen Gedanken be⸗ ſchäftigt.
Drinnen, in ſeinem Bett, aber lag der Wirth zum„grünen Jäger“ mit geſchloſſenen Augen, blaß und blutig; kein äußeres Zeichen verrieth, daß noch Leben in dieſem regungsloſen Körper ſei..
In einem kleinen, aber ſauberen Stübchen, das eine herrliche Ausſicht auf das klare Waſſerbecken und die gegen⸗ überliegenden Ufer bot, ſaß ein junger Mann bei emſiger Arbeit, die er nur ſo lange unterbrach, als er Zeit brauchte, um eine kurze Pfeife in Brand zu ſetzen. Er war Porzellan⸗
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