Jahrgang 
2 (1879)
Seite
691
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Concordia. 691

und die gerötheten Wangen ließen ſeine innere Erregtheit er⸗ kennen,Herr Paſtor, ich habe meiner Gabriele verboten, mit Franz ferner umzugehen, und werde es durchſetzen, ſo wahr ich Huber bin, ſollte es mich auch mein einziges Kind koſten. Man ſagt, der Burſche ſei ordentlich und arbeitſam, aber

Aber ohne Glauben die ewige Verdammniß! fiel der Pfarrer raſch ein.Es iſt meine Pflicht als Seelenhirt, über Euch zu wachen und die mir anvertraute Heerde auf den geſegneten Triften der Gottesfurcht und Frömmigkeit vor dem Herrn zu weiden und vor Verirrungen unter dem gnädigen Beiſtande des Höchſten zu behüten und zu be⸗ wahren.

Huber wollte etwas erwidern, aber der Geiſtliche ließ ihm nicht Zeit dazu.

Der Burſche, mit dem ſich Euer Mädchen abgiebt, iſt angeſteckt von den Irrlehren verfluchter Neuerer, die unſere reine evangeliſche Lehre herabziehen möchten in den Staub und ihre Verkündiger vom Erdboden vertilgen. Die heilige Taufe, die kirchliche Einſegnung der Ehe wollen ſie abſchaffen, Unglauben und Gottesläſterung predigen ſie und dem Diener der Kirche entziehen ſie den letzten Biſſen Brot, um deſto mehr in den Wirthshäuſern herumlungern zu können. Dieſer Franz iſt der Schlimmſten einer; er hat es gewagt, am Bier⸗ tiſche gegen den gottesfürchtigen Herrn Baron von Berg⸗ hammer unziemliche Reden zu führen und ſeine Kneipgenoſſen zu warnen, ihre Sparpfennige der unter ſeiner Leitung ſtehenden Kreditbank zu übergeben.

Das hätte Franz gethan? fragte Huber beſtürzt.

Das und noch viel mehr, eiferte der Paſtor weiter; er hat auch mich in den Schmuz ſeiner Schmähreden hinab⸗ gezogen, mich einen Mucker und Heuchler genannt und er⸗ klärt, ſo lange ich Gottes Wort predige, würde er lieber in die Natur, als in die Kirche gehen. Ich würde dem armen Verirrten gern verzeihen, aber daß er den gnädigen Herrn, der die Hälfte ſeiner Einkünfte der inneren Miſſion zuwendet, die Kirche und fromme Stiftungen mit vollen Händen beſchenkt und überall Segen und Freude bringt, wo ſein Fuß ſich hinwendet, daß er dieſen Auserwählten des Herrn ſchmäht, dafür ſtrafe ihn Gott!

Der Wirth hatte unwillkürlich die Hände gefaltet und lauſchte den Worten des erregten Predigers. Nach einer Pauſe fragte er ſchüchtern:

Aber wenn das Mädchen nicht von ihm läßt, was ſoll ich thun?

Meinet Ihr etwa, der Burſche wolle Eure Tochter nur um ihrer ſelbſt willen heiraten? Euer Geld, Huber, Euer hübſches Anweſen, das ſeinen Mann nährt, ſticht ihm in die Augen. Er will ſich in ein warmes, weiches Neſt ſetzen und die Zeit mit Faulenzen verbringen. So lange Ihr ein wohlhabender Mann ſeid, wird er nie ſeine Bewerbungen aufgeben; darum vermacht Euer Vermögen der Kirche und der heiligen Miſſion, die Euch ſegnen und die arme Seele

Eurer unglücklichen Tochter vor dem Untergange retten werden. Huber war nachdenklich geworden, und der Geiſtliche

hütete ſich wohl, ihn zu ſtören. Schweigend ſaßen die beiden Männer eine Weile da, als ſie plötzlich durch lautes Peitſchen⸗ geknall aufgeſchreckt wurden. Der Wirth eilte auf die Straße,

wo in dieſem Augenblicke eine hochelegante Equipage an

ſeinem Hauſe vorfuhr.

Ein in reichbetreßte, faſt überladene Livrée gekleideter Diener öffnete die Thür des Wagens und ein Herr und eine Dame wurden ſichtbar. Der Erſtere war ein wohlbeleibter Mann in mittleren Jahren, deſſen glattraſirtes, glänzendes Geſicht viel eher zu dem Gewande eines Franziskaner⸗ Mönches gepaßt haben würde, als zu dem feinen, nach neueſter Mode gefertigten Salonanzuge. Ein wohlwollendes Lächeln umſchwebte die Lippen und die feuchten, waſſerblauen Augen richteten ſich zuweilen nach oben oder verbargen ſich halb unter den geſenkten Lidern. Nur ab und zu blitzte in denſelben ein unheimliches Feuer auf, das aber ſofort zu er⸗ löſchen ſchien, wenn ſich die Blicke Anderer auf das Geſicht des Mannes richteten.

Die Begleiterin dieſes Herrn war eine hohe, ſtattliche Dame, ebenfalls in ſehr gewählter Toilette. Sie mochte einige Jahre jünger ſein, als er, aber ihre Züge deuteten auf ein bewegtes Leben, das unverkennbare Spuren auf demſelben zurückgelaſſen hatte. Sie trug eine ſchwere goldene Kette um den Hals und an derſelben ein großes Kreuz von gleichem Metall; der Stoff ihres Kleides beſtand aus dem koſtbarſten Seidenſtoff, der bei jeder Bewegung rauſchte und glänzende Falten warf.

Der Wirth begrüßte entblößten Hauptes die Angekommenen, indem er etwas wie einen Dank für die hohe Ehre ihres Beſuches ſtammelte. Inzwiſchen war auch der Pfarrer lang⸗ ſamen Schrittes herangekommen, bot Beiden vertraulich die Hand und erkundigte ſich in einer Weiſe nach ihrem Befinden, die alte Bekannte vermuthen ließ.

Ich war wegen Ihres langen Ausbleibens in großer Sorge, ſagte der Prediger.Sie hatten ſich für zehn Uhr angemeldet und jetzt iſt es faſt zwei Stunden ſpäter.

Der ſchöne Morgen verlockte uns auszuſteigen und eine große Strecke zu Fuß zu wandeln, erwiderte die Dame. Wenn ich aus dem geräuſchvollen Leben und Treiben der Stadt heraustrete in die prächtige Landſchaft, dann wird es mir ſchwer, mich loszureißen, und ich beneide Diejenigen, denen es vergönnt iſt, inmitten dieſer herrlichen Natur leben zu können.

Der Herr iſt groß in ſeiner Schöpfung! warf der Begleiter der Dame ein,wir armen Menſchenkinder ſind unwürdig ſo vieler Liebe und Gnade!

Baron und Baronin von Berghammer waren mit dem Geiſtlichen in den Garten getreten und hatten an dem für ſie beſtimmten Tiſche Platz genommen, auf welchem ein vor⸗ treffliches Frühſtück ſervirt worden war. Bald waren die Drei in ein augenſcheinlich ſehr wichtiges Geſpräch vertieft, das aber ſo leiſe geführt wurde, daß nur ſie allein es vernehmen konnten. Freilich war auch kein Lauſcher in der Nähe, denn auch Huber hatte ſich zurückgezogen, als er ſah, daß die Herrſchaften ſeiner nicht mehr bedurften.

Der Baron war der Begründer und Chef der vinzial⸗Kredit⸗ und Spar⸗Bank, wie die Firma eines Geld⸗ inſtituts lautete, das in der benachbarten Stadt RX. ſeinen Sitz hatte. Die großartige Wohlthätigkeit des ſehr frommen Bankiers hatte Aufſehen erregt und ihm den Ruf eines ſehr reichen Mannes verſchafft. Das Vertrauen aller Schichten

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der Bevölkerung wandte ſich der von ihm geleiteten Bank zu 87*

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