Jahrgang 
2 (1879)
Seite
689
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Concordia.

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erſchien Dornfeldt's Sekundant bei dieſem und theilte ihm

die getroffenen Verabredungen mit. Eine mit niedrigem Erlen⸗ und Weidengebüſch beſtandene Wieſe zwiſchen den Dörfern Weidenbach und Haidemühl war zum Kampfplatze auserſehen worden; früh ſechs Uhr ſollten ſich die Betheiligten zu Wagen an Ort und Stelle treffen, jede Partei hatte das Recht, einen Arzt mitzubringen; für die Waffen ſorgten die Sekundanten. Die Diſtanz, in welcher gefeuert werden ſollte, war auf zehn Schritt bemeſſen.

Heller, glänzender Sonnenſchein lag auf den thaufriſchen, grünen Matten, die ſeitwärts von Weidenbach ſich bis zu dem benachbarten Haidemühl hinzogen. Grasmücken und Roth⸗ kehlchen ſangen ihre heiteren Weiſen in den friſchen Morgen hinein und in dem kryſtallhellen Gewäſſer des Wieſenbachs huſchten ſpielende Forellen pfeilſchnell dahin. Es lag ein ſeltſamer Kontraſt in dem tiefen Frieden, welcher über die ſtille Landſchaft ausgebreitet war, und dem geheimnißvollen Treiben der ernſten Männer, die ſich hier zuſammengefunden hatten. Blanke Piſtolenläufe blitzten in der Sonne; auf dem Raſen lag Verbandzeug ausgebreitet und zur Seite ſtanden die Gegner, der Rittmeiſter ruhig und feſten Muthes, Dorn⸗ feldt dagegen bleich wie eine Marmorſtatue, mit verſchränkten Armen finſter vor ſich hinſtarrend. Von Zeit zu Zeit über⸗ lief ein leiſes Zittern die hohe Geſtalt des ehemaligen Offiziers, als ſchüttele ihn Fieberfroſt.

Die Vorbereitungen waren beendet, die Duellanten ſtanden auf ihren Plätzen, mit der geladenen Waffe in der Hand des Kommando's harrend, das die todbringende Kugel entfeſſeln ſollte. Der Sekundant des Rittmeiſters, der Forſtmeiſter von Trauchitſch, prüfte noch einmal flüchtig die getroffenen An⸗ ordnungen, um keinerlei Verſtöße gegen die feſtſtehenden Regeln des Zweikampfes aufkommen zu laſſen. Plötzlich blieb er überraſcht ſtehen; ſein Fuß hatte einen Gegenſtand berührt, den der Forſtmeiſter jetzt aufnahm. Es war ein Notizbuch, durch Regen und Schmuz unſcheinbar gemecht, aber noch voll⸗ kommen erhalten. Mit dem Taſchentuche ſäuberte der Forſt⸗ meiſter den Fund, und bald zeigte ſich zu allgemeinem Er⸗ ſtaunen auf dem braunen Saffianband der Brieftaſche in Goldpreſſung die ſiebenzackige Freiherrnkrone und darunter der Name: Kurt, Freiherr von Rothenburg.

Iſt Ihnen dieſe Taſche bekannt, Herr von Dornfeldt? fragte der Forſtmeiſter, indem er auf den Angeredeten zutrat und ihm das Portefeuille entgegenhielt.

Eine ſchreckliche Veränderung ging bei dieſen Worten mit dem ehemaligen Offizier vor. Die vorher bleichen Züge ver⸗ zerrten ſich zu einer entſetzlichen Grimaſſe, die Augen traten hervor und ſtarrten gläſern auf den dargereichten Gegenſtand, die Lippen nahmen eine violette Farbe an und preßten ſich feſt aufeinander und mit den Händen griff er krampfhaft um ſich, wie er es im Zuſtande höchſter Erregung zu thun pflegte. Zu ſprechen vermochte er nicht, der Schreck hatte ihm momentan die Sprache geraubt.

Inzwiſchen war der Rittmeiſter ebenfalls herzugetreten, und zu ſeinem Sekundanten gewendet, ſagte er:

Ich erinnere mich jetzt, Herr Forſtmeiſter, daß der Platz, auf welchem wir uns befinden, die Unglücksſtelle iſt, auf welcher

der Freiherr von Rothenburg ſeinen gewaltſamen Dod fand. Iſt's nicht ſo, Herr von Dornfeldt?

Ein entſetzlicher Blick aus den Augen des Angeredeten traf den Sprecher; dann wankte der ſtarke Mann und ſtürzte ohnmächtig in die Arme ſeines Sekundanten.

Meine Herren, nahm der Ritlmeiſter das Wort,der Zufall hat es gewollt, daß Sie gerade dieſe Stelle zum Kampfplatz wählten. Ich zweifle nicht, daß wir dadurch einem ſchweren Verbrechen auf die Spur gekommen ſind. Die Vorgänge hier ſteigern meinen gegen Herrn von Dornfeldt längſt gehegten Verdacht zur Gewißheit, mit einem Mörder aber ſchieße ich mich nicht. Kehren wir zu unſerem Wagen zurück!

Er verbeugte ſich gegen den Sekundanten und den Arzt Dornfeldt's und verließ mit ſeinen Begleitern den Platz. Eine Viertelſtunde ſpäter rollte auch Dornfeldt's davon.

Equipage

Noch an demſelben Tage wurde der Schwiegerſohn des ermordeten Freiherrn verhaftet. Der Forſtmeiſter hatte die Anzeige erſtattet und der Staatsanwalt nicht geſäumt, der⸗ ſelben Folge zu geben. Schon im erſten Verhör geſtand der Gefangene ſofort ſein Verbrechen ein, den Griff der Neit⸗ gerte erkannte er als ſein Eigenthum an und erklärte, damit den tödtlichen Streich geführt zu haben. grauſigen That bezeichnete der Verbrecher 3 mögenslage, in der er durch eigene Schult gerathen war, und aus welcher ihn der Tod ſeines Schwiegervaters, der ſeiner Tochter ein bedeutendes Vermögen hinterließ, befreien ſollte. Jetzt erinnerte man ſich auch des letzten Wortes des ſterbenden Freiherrn; die Kräfte hatten ihm verſagt, um den NamenDornfeldt ganz und deutlich auszuſprechen, und die zufällige Aehnlichkeit dieſes Namens mit dem ſeinigen hatte einen Unſchuldigen in's Gefängniß geführt.

Als Motive der

die zerrüttete Ver⸗

Willibald Dorn wurde natürlich ſofort auf freien Fuß geſetzt; beim Austritt aus dem Gerichtsgebäude überreichte ihm ein Diener in Livrée ein Billet, in welchem Doris von Dornfeldt, geb. Freiin von Rothenburg, den Seemann er⸗ ſuchte, ihr Gelegenheit zu geben, ihn für die erlittene Unbill zu entſchädigen.

Sagen Sie der gnädigen Frau, beauftragte Willibald den Diener,ich bedürfe ihrer Theilnahme nicht; ſie ſolle dieſelbe ihrem Gatten zuwenden, dem ein Wort des Troſtes vielleicht ſehr nöthig ſei.

Ohne ſeine Verwandten und ſein Heimatsdorf wieder⸗ geſehen zu haben, verließ der Seemann den Ort, wo er ſo viel gelitten, für immer, um ſich ſeinem Berufe wieder zu⸗ zuwenden. Nach einigen Jahren kaufte er ſich auf einer der fruchtbaren Inſeln Weſtindiens eine ſtattliche Pflanzung, in deren Beſitz er ſich noch jetzt befindet.

Der Schwiegerſohn und Mörder des Freiherrn von Rothenburg wurde zu lebenslänglicher Zuchthausſtrafe ver⸗ urtheilt; ſchon nach zwei Jahren aber erlag er in der Straf⸗ anſtalt einem unheilbaren Bruſtleiden, zu welchem ſein frü⸗ heres wüſtes Leben den Grund gelegt hatte.