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Concordia.
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des reichen Gutsherrn zu erheben, für einen Taugenichts, der ſchließlich ſeinem Vater, deſſen Troſt und Stütze er hätte im Alter werden ſollen, davonlief, um auf Abenteuer auszugehen.
Als nun Willibald Dorn eine Stunde nach der That in ſeinem Heimatsdorf, und zwar, wie man wohl bemerkte, erſt nach Einbruch der Dunkelheit, erſchien, bezeichnete ihn die vorſchnelle öffentliche Meinung ſofort als den Mörder, um ſo mehr, als man annahm, er habe triftige Gründe, dem Freiherrn und ſeiner Tochter zu grollen.
Die Verdachtsmomente, welche zur Verhaftung des See⸗ mannes führten, waren gewichtig genug, um die Einleitung der Unterſuchung zu rechtfertigen; ganz beſonders aber ſiel zu Ungunſten des Angeklagten in die Wagſchale, daß der Ermordete ſelbſt noch ſeinen Namen genannt hatte, ſicherlich doch nur, um den Verbrecher zu bezeichnen. Willibald mußte zugeben, daß er von der nächſten Stadt ſo zeitig aufgebrochen war, um bequem zwei bis drei Stunden früher in Haide⸗ mühl eintreffen zu können; wo war er in der Zviſchenzeit geweſen, weshalb hatte er die Dunkelheit abgewartet, ehe er das Dorf betrat? Der Angeklagte erklärte zwar, er habe alles Aufſehen in ſeinem Heimatsorte vermeiden wollen und deshalb abſichtlich unterwegs gezögert, aber er fand wenig Glauben. Auch ſein Einwand, daß er ſchwerlich nach Haide⸗ mühl gekommen ſein und ſich der Gefahr einer Entdeckung ausgeſetzt haben würde, wenn er der Thäter geweſen wäre, ward widerlegt; es giebt Fälle genug, wo der Verbrecher ge⸗ rade durch ſeine Dreiſtigkeit und Unbefangenheit den Verdacht von ſich ablenkte,
Bei dem Mangel an Beweiſen geſtaltete ſich die Unter⸗ ſuchung immer ſchwieriger für den Richter, zumal auch der Angeklagte ein offenes, ſicheres Weſen zur Schau trug und in Bezug auf die That nicht das leiſeſte Zugeſtändniß machte. Es war ärztlich feſtgeſtellt worden, daß der tödtliche Schlag auf das Haupt des Freiherrn mit einem ſtumpfen Inſtrumente, etwa einem Stock mit ſchwerem Bleiknopf, ſogenanntem Todt⸗ ſchläger, erfolgt war; der Stock des Seemannes hätte zu dem ſchweren Streiche nicht ausgereicht, und an der Kleidung und den Effekten des Angeklagten fand ſich trotz der ſorgfältigſten mikroſkopiſchen Unterſuchung auch nicht die leiſeſte Spur von Blut. Das Gericht ſtand dem Falle rathlos gegenüber, dennoch konnte man ſich bei den beachtenswerthen Indicien, auf welche ſich die Anklage gründete, noch immer nicht entſchließen, den Verhafteten freizugeben.
Da meldete ſich eines Tages ein Mann vor dem Unter⸗ ſuchungsrichter, um auf den Mord bezügliche Mittheilungen zu machen. Er erzählte, daß er am Tage der That im Gaſthofe des eine halbe Stunde von Haidemühl gelegenen
Dorfes Weidenbach geweſen ſei, um von einer größeren Fuß⸗
tour auszuruhen. Da ſei ein Reiter geſprengt gekommen, der es augenſcheinlich ſehr eilig hatte. Er übergab ſein Pferd dem Hausknecht und ging in der Richtung nach Haidemühl weiter. Etwa eine knappe Stunde darauf ſei er wieder ge⸗ kommen, habe ſich ſofort auf ſein Pferd geſchwungen, dem Hausknecht ein Trinkgeld zugeworfen und ſei davongeſprengt. Bald darauf ſei das Gerücht von der Ermordung des Freiherrn nach Weidenbach gedrungen.
Vor einigen Tagen— ſo deponirte der Zeuge weiter — erſchien ein Herr in ſeinem Geſchäftslokal, in welchem er ſofort den Reiter von damals erkannte. Der Fremde über⸗
brachte eine zierlich gearbeitete Reitgerte, mit dem Wunſche,
der Zeuge, welcher Inhaber einer Werkſtatt für Gürtlerarbeiten
und Broncewaaren war, möge den unſcheinbar gewordenen Knopf durch einen neuen erſetzen.
Dieſer Knopf hatte die Geſtalt eines ſpringenden Löwen und war mit Blei ausgegoſſen, ſo daß er ein bedeutendes Gewicht beſaß. Die Figur war in Silber gearbeitet, in den Vertiefungen zeigten ſich aber braune Roſtflecken, die dem Zeugen um ſo mehr auffielen, als Silber nicht in der Weiſe, wie Eiſen und Stahl, oxydirt. Das ſeltſame Benehmen des Fremden im Gaſthofe zu Weidenbach und deſſen Abweſenheit genau zu der Zeit, wo der Mord verübt worden ſein mußte, hatte ſchon damals einen leiſen Verdacht hervorgerufen, die Beſchaffenheit des Griffes der Reitgerte aber, deſſen an⸗ ſcheinende Roſtflecken der Zeuge für Blutſpuren hielt, beſtärkten dieſen Verdacht ſoweit, daß derſelbe ſich für verpflichtet hielt, ſeine Wahrnehmungen der Unterſuchungsbehörde anzuzeigen. Die Figur legte er an Amtsſtelle nieder. Seinen Namen hatte der Fremde nicht genannt, vielmehr erklärt, die Reitgerte in etwa acht Tagen perſönlich wieder in Empfang nehmen zu wollen.
Die Ausſagen des Gürtlermeiſters wurden zu Protokoll genommen und derſelbe für den Fall, daß der Fremde wieder zu ihm komme, mit genauen Inſtruktionen verſehen. Die chemiſche Unterſuchung der Löwenſigur ergab die zweifelloſe Gewißheit, daß die angeblichen Roſtflecken wirklich trockenem Blute beſtanden.
Das neue Stadium, in welches die Unterſuchung getreten war, äußerte auf die Lage der gefangenen Seemannes in⸗ ſofern einen günſtigen Einfluß, als ihm jetzt, wo ſeine Schuld mehr als je in Frage geſtellt war, mancherlei Erleichterungen gewährt wurden. Freilich mußte er noch immer in Haft be⸗ halten werden, er vermochte ſchlechterdings nicht ſein Alibi zu beweiſen, und der Richter durfte daher nicht ſo ohne Weiteres annehmen, daß Willibald wirklich unſchuldig und der unbe⸗ kannte Beſitzer der Reitgerte der Mörder ſei; Letzteren aber hatte man noch nicht einmal.
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Auf dem Gute des Herrn von Dornfeldt ging es luſtig zu; der gaſtfreie Beſitzer gab wieder eines jener opulenten Feſte, bei denen der Champaguer in Strömen floß und die Gäſte Zechgelage feierten, welche an die des mittelalterlichen Ritterthums erinnerten.
Der Gutsherr war ein Lebemann; ſchon als Kavalerie⸗ Offizier hatte er die tollſten Streiche ausgeführt, und ein ſolcher ihn auch endlich gezwungen, ſeinen Abſchied zu nehmen. Er übernahm die bedeutenden Beſitzungen ſeines vorſtorbenen Vaters, ſetzte aber ſein zügelloſes Leben fort und hatte ſtets eine Menge Genoſſen um ſich, mit denen er ſpielend und trinkend die Nächte verbrachte. Sein Vermögen ſchwand, es ſtellten ſich Verlegenheiten ein, und endlich fiel er Wucherern in die Hände, die ihm zu enormen Zinſen die Mittel gewährten, ſeinen koſtſpieligen Gewohnheiten weiter zu fröhnen.
Da lernte er Doris von Rothenburg kennen und beſchloß, um die reiche Erbin zu werben. Von Stunde an begann er ein anderes Leben, widmete ſich anſcheinend mit Eifer der Ver⸗ waltung ſeiner Güter und ſchien ſeinen bisherigen leichtſinnigen Lebenswandel gänzlich aufgegeben zu haben. Doris ſah die


