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Concordia.
erſtaunt;„nicht allein Ungehorſam, auch noch offene Wider⸗ ſetzlickkeit! Mein Fluch wird Dich treffen, wenn Du ſo
etwas wagen ſollteſt, freche Perſon!“
Sir Burton machte Miene, zwiſchen Vater und Tochter zu vermitteln.
„Laſſen Sie, Squire!“ lehnte jedoch der alte Herr heftig ab,„ich erkenne, woher dieſe plötzliche Auflehnung ſtammt; aber ich weiß auch, wie der kindiſche Starrſinn zu beugen iſt! Du gehſt morgen früh nach London, zu Deiner Tante, ungerathenes Kind, und bleibſt dort, bis Dich Sir Robert Burton zum Altar führt. Bis morgen früh verläßt Du Dein Zimmer nicht— fort mit Dir!“
Lady Anna zeigte durch keine Veränderung im Ausdruck ihrer Züge, ob ihr die Anordnung ihres Vaters angenehm oder widerwärtig war. Nach einer kalten und ſtolzen Verbeugung verließ ſie, wie ihr geheißen worden, das Zimmer.
Zwiſchen Lord Travells und Sir Burton erfolgte noch eine ſehr lebhafte Erörterung; dann verabſchiedete ſich auch der Squire, beſtieg auf dem Hofe ſein Pferd und ritt auf dem Wege nach Salisbury davon.—
Auf Anordnung des Lords begann man in Travellshouſe ſofort die Vorbereitungen zu Lady Anna's Reiſe zu treffen. Die alte Wirthſchafterin ward damit betraut, die junge Dame an den Ort ihrer Beſtimmung zu bringen.
Am Nachmittage, um die Zeit, zu der Lord Travells ſeine Sieſta zu halten pflegte, erſchien in Travellshouſe ein Dorf⸗ knabe von vielleicht zehn bis zwölf Jahren. Der Kleine wußte unbemerkt das Zimmer der Lady Anna zu erreichen. Er verweilte nngefähr eine Viertelſtunde in demſelben. Nach Ablauf jener Friſt entfernte er ſich ſo vorſichtig, wie er ge⸗ kommen, aus dem Hauſe und vom Hofe. Lady Anna ſelbſt kam im Laufe des Tages nicht mehr zum Vorſchein.
Als jedoch ſpät Abends im Herrenhauſe und im Hofe von Travellshouſe Alles ſtill geworden— als alle Lichter in den Gebäuden erloſchen waren, verließ die junge Dame, ſchon wie zur Reiſe gekleidet, vorſichtig ihr Zimmer und eilte, von Kälte durchſchauert und vor Angſt bebend, durch die dunklen Korridore des alten Hauſes.
Bald darauf ertönte an der hinteren Seite des un⸗ bewohnten Flügels das wiederholte Knarren der verroſteten Angeln einer gewiß lange nicht geöffneten Thür. Dieſe Töne hätten bei ſtillem Wetter leicht das geheimnißvolle Unter⸗ nehmen der jungen Dame verrathen können. Doch heute wurden ſie von dem durch Sturm und Regen verurſachten Getöſe verſchlungen. Ungehört und ungeſehen huſchte Lady Anna in die ſchwarze, wetterſchwere Nacht hinein.—
Am nächſten Morgen, noch vor fünf Uhr, konnte man bereits die Stimme Lord Travells' vernehmen, der die Leute im Hauſe und im Hofe weckte. Er traf auch ſelbſt alle weiteren Anordnungen für die Abreiſe der Tochter.
Der Reiſewagen ſtand vor dem Hauſe, das Reiſegepäck der jungen Dame und deren Begleiterin war jenem bereits einverleibt. Der Lord gab den Befehl zum Anſpannen, zugleich ſchickte er eine Dienerin ab, ſeine Tochter zu wecken.
Das Mädchen entfernte ſich; kaum waren jedoch einige Minu⸗ ten vergangen, als daſſelbe athemlos die Treppe wieder herabkam.
„Lady Anna,“ ſtieß die Dirne ruckweiſe hervor,„iſt nicht in ihrem Zimmer— iſt fort!“
Fluchend und ſchimpfend eilte Lord Travells ſelbſt die Treppe hinan. Wer gerade in der Nähe war, folgte.
Es war ſo, wie das Mädchen geſagt— Lady Anna's Zimmer war leer. Die junge Dame ſchien entflohen zu ſein.
Lord Travells ſprudelte in ſeinem Zorne Allerlei hervor, wovon nur die Hälfte verſtanden werden konnte. Seine Abſicht war jedenfalls, eine Verfolgung der Flüchtigen anzuordnen.
Da theilte ſich plötzlich der Kreis, welcher ihn an der Schwelle des Zimmers ſeiner Tochter umgab. Lady Anna, im Reiſemantel und vom Regen naß, trat unter die Geſellſchaft.
„Nun, was giebt's?“ fragte die junge Dame ſo ruhig, als ſei nichts Beſonderes von ihrer Seite geſchehen.
„Wo warſt Du?!“ fuhr Lord Travells die Tochter an.
„Im Garten!“ erwiderte die junge Dame genau in dem⸗ ſelben Tone wie geſtern.
Es war, als fahre ein elektriſcher Funke durch die Glieder des Lords; öffnete bereits den Mund zu einer neuen heftigen, vielleicht groben Auslaſſung. Doch mochte er wohl jetzt erſt den ſtarren Blick und die unnatürliche Bläſſe des Geſichts der Tochter erkennen; er unterließ wenigſtens, weiter etwas über deren Abweſenheit zu äußern.
„Frühſtücke!“ ſagte er dagegen kurz.
„Ich habe gefrühſtückt,“ lautete die Antwort der Tochter.
„Biſt Du reiſefertig?“
„Ich bin es.“
„So folge mir.“
Die ganze Geſellſchaft begab ſich nach unten. Die Wirth⸗ ſchafterin erhielt auf dem Wege dahin die Weiſung, ſich mit ihrem Anzuge zu beeilen. Der Reiſewagen war inzwiſchen ſchon beſpannt worden. Lord Travells führte die Tochter zu demſelben und ließ ſie einſteigen.
Bald darauf erſchien auch die Wirthſchafterin und ſetzte ſich zu Lady Anna in den Wagen.
„Daß meine Befehle pünktlich ausgeführt werden, Mrs. Fergus!“ ſagte der Lord, und die Angeredete verſicherte, daß es geſchehen ſolle.
Kein Wort des Abſchiedes, kein Lebewohl, kein freundlicher Wunſch des Wiederſehens ward zwiſchen Vater und Tochter gewechſelt. Lord Travells ſchloß mit einer heftigen Bewegung den Wagenſchlag und gab dem Kutſcher den Befehl, abzufahren. Der Wagen rollte in die noch herrſchende Finſterniß hinein.—
Vielleicht etwas mehr als eine Stunde ſpäter, aber noch vor Tagesanbruch, begegnete den beiden Arbeitern, welche geſtern Zeuge des Benehmens Sir Burton's an der Garten⸗ mauer von Travellshouſe geworden, auf der Straße nach Salisbury ein Mann, der, in ſich ſelbſt verſunken, an ihnen vorüberſchritt.
Sie erkannten dieſen Mann; es war William Stoone, welcher mit hängendem Kopfe und die Arme auf den Rücken gelegt langſam dahinging.
Woher konnte William Stoone ſo zeitig kommen? Viel⸗ leicht von Salisbury? Es war möglich! Doch unfern der Stelle, wo dieſe Begegnung ſtattfand, Straße nach Salisbury ein Weg ab, welcher quer durch die Waldungen lief und ſpäter die Straße von Sahe nach Heytesbury kreuzte.— Unfern dieſes Kreuzungspunktes war der Squire Burton während der Nacht ermordet worden! (Schluß folgt.)*
zweigte ſich von der


