Jahrgang 
2 (1879)
Seite
677
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Concordia. 677

Da Sir Burton trotzdem darum wußte, ſo iſt wohl an⸗ zunehmen, daß irgend Jemand von den wenigen Dienſtleuten des Hofes ſich zum Spion für ihn hergegeben hatte. Hier⸗ durch ſowohl wie durch ſeine Ausſchreitungen gegen William Stoone verſtärkte er jedoch nur den Haß der Lady Anna gegen ſich ſelbſt.

William Stoone lag infolge der erlittenen Mißhandlungen ſo ziemlich ſechs Wochen lang krank. Schon am Tage nach ſeiner gewaltſamen Entfernung aus Travellshouſe hatte Lord Travells ihm ſeine ſämmtlichen Sachen zugeſchickt, zugleich ein Schreiben, in welchem er ſeine Gründe entwickelte, weshalb er den zwiſchen ihm und dem Gärtner geſchloſſenen Kontrakt aufhebe. Der Schlußſatz des Schreibens lautete dahin, daß Stoone nicht wagen ſolle, ſich wieder in Travellshouſe ſehen zu laſſen.

Zuvörderſt war daran ſeitens des Gärtners auch nicht zu denken. So wie derſelbe jedoch geneſen, begab er ſich zu dem Friedensrichter des Diſtrikts, um ſeine Rechte gegen Lord Travells in Bezug auf den Vertrag geltend zu machen. Gegen Sir Burton und Genoſſen ließ William Stoone durch einen Advokaten in Salisbury eine Klage wegen Mißhand⸗ lung und auf Entſchädigung anhängig machen.

Der Friedensrichter ſetzte wiederholt Termine an, zu welchen er Lord Travells vorladen ließ. Da dieſer jedoch in keinem derſelben erſchien, ſo ging ihm der ſchriftliche Befehl zu, William Stoone nicht weiter in Ausübung ſeiner kon⸗ traktlich feſtſtehenden Rechte zu ſtören. Für den Fall der Nichtbeachtung des Befehls ward mit Verhängung von Ord⸗ nungsſtrafe gedroht.

Lord Travells erhielt dieſen Befehl Ende Oktober, und da er von dieſem Moment ab das Wiederauftreten Stoone's im Garten erwarten mußte, ſo verbot er der Tochter ſtreng, den letzteren in Zukunft zu beſuchen. Wie er ſpäter ſich ſelbſt zu dem Gärtner ſtellen werde, darüber mochte er wohl noch keinen Entſchluß gefaßt haben. Indeſſen ließ ſich auch William Stoone im Garten nicht ſehen, und es ſchien faſt, als ob er von der ihm gerichtlich zugeſprochenen Berechtigung keinen Gebrauch machen wolle.

Unter ſolchen Umſtänden rückte der fünfzehnte November heran. Am Morgen dieſes Tages verfolgten zwei Arbeiter aus einem benachbarten Dorfe, welche in einer, an der Straße nach Salisbury gelegenen Fabrik beſchäftigt waren, den hinter dem Garten von Travellshouſe entlang führenden Weg.

Sieh' da! ſagte einer derſelben, plötzlich nach vorn deutend,der verſoffene Squire aus Burtonsfield!

Sir Burton ſprengte, als dieſe Worte geſprochen wurden, einen Hügel hinan, von deſſen Spitze aus man den Garten von Travellshouſe ſo ziemlich ganz überſehen konnte.

Ja, er iſt es! erwiderte der zweite Mann, nachdem er dem gedachten Manöver mit den Blicken gefolgt war,der Ritter ſchaut nach dem Liebchen aus!

Die beiden Männer lachten, und derjenige, welcher zuletzt geſprochen, warf ebenfalls einen Blick in den Garten.

O weh! rief er ſofort,ſieh' einmal, wer da iſt!

So wahr ich lebe der Stoonel meinte ſein Gefährte; na, s ſoll mich verlangen, ob die nicht ſofort aneinander⸗ gerathen werden!

Im Garten zeigte ſich wirklich William Stoone und be⸗ wegte ſich langſam vom Park aus nach dem Treibhauſe zu.

Doch hatten die Leute nicht wahrgenommen, daß einen Augen⸗ blick früher ein bei dem Gärtner befindliches Frauenzimmer eilig im Parke verſchwand.

Wahrſcheinlich hatte dies jedoch der Squire bemerkt, denn er verließ den Hügel im Galopp und ſprengte unter lautem Schimpfen bis an die Einfriedigung des Gartens. Hier ſuchte er offenbar nach einer Stelle in dem verfallenden Gemäuer, welche ihm erlaubte, durch einen kühnen Sprung in den Garten zu gelangen.

William Stoone hatte inzwiſchen wieder Kehrt gemacht

und ſchritt nach dem Parke zurück. Um den an der Garten⸗ mauer umhertobenden Squire ſchien er ſich gar nicht zu kümmern.

Als Sir Burton nicht fand, was er ſuchte, brachte er ſein

Pferd wieder in ſtärkere Bewegung und ſprengte gleich darauf in den Gutshof. Die Arbeiter ſetzten unter Bemerkungen über den Vorfall ihren Weg fort.

So wie Sir Burton im Hofe ſein Pferd losgeworden,

eilte er ſofort in das Haus und ohne Aufenthalt weiter, bis zu den Zimmern des Lords. Gleich nach ſeinem Eintritt in dieſelben ertönte die Klingel, welche mit jenen Gemächern in Verbindung ſtand, heftig durch die Gänge des Hauſes.

Eine Magd erſchien und betrat das Zimmer, in dem ſich gegenwärtig Lord Travells und Sir Burton befanden. Der Lord zeigte ſich in hohem Grade erregt.

Lady Anna, ſchrie er geſtikulirend,meine Tochter, ſoll kommen! ſoll ſofort kommen! ſo wie ſie da iſt!

Das Mädchen entfernte ſich, und gleich darauf erſchien Lady Anna vor den beiden Herren. Sie verbeugte ſich leicht vor dem Vater, nahm aber von Sir Burton, der ſich tief, wenn auch etwas ſpöttiſch verneigte, keine Notiz.

Lady Anna war, wie gewöhnlich, äußerſt einfach gekleidet, ihr Wuchs erſchien jetzt hoch und ſchlank und ihren Zügen fehlte keineswegs Regelmäßigkeit; dennoch durfte ſie nicht für eine beſondere Schönheit gelten. Kummer und Schmerz lagen zu deutlich auf ihrem bleichen Antlitz ausgeprägt. Dagegen ent⸗ behrte ihre Erſcheinung nicht einer gewiſſen Beſtimmtheit oder Feſtigkeit der Haltung.

Du warſt im Garten! ſchrie Lord Travells die Tochter rauh an,warſt wider meinen Willen trotz meines Ver⸗ botes im Garten, Mädchen?!.

Ich war im Garten, Lord Travells! erwiderte die An⸗ geredete mit eiſiger Kälte.

Und warum biſt Du im Garten, wenn ich es Dir ver⸗ biete, ungerathenes Kind?! rief der Vater, mit den beiden Füßen abwechſelnd heftig auftretend.

Ihre Verbote, wie Gebote, Lord Travells, antwortete die Tochter,werden nachgerade ſo tyranniſch und grauſam, daß mir eine Auflehnung dagegen berechtigt erſcheint. Sie haben gegen mich nie die Pflichten eines Vaters erfüllt. Ihr Anrecht an mich iſt daher ein ſehr geringes. Ich habe unter ſolchen Umſtänden nicht Luſt, mich gänzlich Ihren ſelbſtſüch⸗ tigen Zwecken zu opfern. Es iſt mir lieb, in dieſem Moment Sir Burton hier zu ſehen. Sie können ſomit gleich Beide hören, daß ich demſelben nie meine Hand zur Ehe reichen werde, und laſſen Sie mich mit Gewalt zum Altar ſchleppen, ſo werde ich dort der beabſichtigten Verbindung mein eutſchiedenes Nein! entgegenſetzen!

Was was iſt das? rief Lord Travells, auf's Höchſte

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