Jahrgang 
2 (1879)
Seite
675
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Concordia. 675

Stoone beſuchte alſo Burtonsfield und ſeine Freunde nach wie vor, ſetzte auch die Gartenarbeiten fort, ohne daß es Jemandem aufzufallen ſchien.

Dennoch mußte Sir Burton davon in Kenntniß geſetzt worden ſein, da er eines Tages zu ganz ungewöhnlicher Zeit und deshalb unerwartet in den Hof ſprengte. Er hätte es gar nicht beſſer abpaſſen können; denn gerade, als er anlangte, trat auch William Stoone vom Garten in den Hof.

Sir Burton begann beim Anblick des, ihm jetzt aus doppelten Gründen verhaßten jungen Mannes ſofort alle böſen Wetter vom Himmel herabzucitiren, ſprang vom Pferde und rannte mit hochgeſchwungener Reitpeitſche auf den Gärtner zu. Stoone trat dagegen in den Garten zurück, drückte die Thür hinter ſich zu und verſchloß dieſelbe.

Sir Burton ſchlug in ſeiner blinden Wuth auf einige der in ſeiner Nähe befindlichen Leute los, bedrohte auch Mr. Wright und Mrs. Rogier, welche ebenfalls herbeigekommen waren, in gleicher Weiſe. Sodann erſtieg er einen an der Gartenmauer aufgeſtapelten Holzſtoß und ſprang von dieſem in den Garten, um dort ſeinen Feind aufzuſuchen.

Stoone, der ſich vergeblich nach einem anderen Ausgang umgeſehen, hatte ſich inzwiſchen mit einer Bohnenſtange be⸗ waffnet. Als ſein Gegner angriff, benutzte er die Stange ſehr geſchickt als Lanze, um ſich denſelben vom Leibe zu halten, was ihm auch vollkommen gelang..

Der mehr komiſche als ernſte Kampf wogte unter eifrigen Anſtrengungen von beiden Seiten kreuz und quer durch den Garten, nicht eben zum Vortheil der beſtellten Beete. Sir Burton griff unabläſſig an, während ſich William Stoone lediglich auf Vertheidigung beſchränkte.

An Zuſchauern fehlte es bei dieſer Gelegenheit ebenfalls nicht, denn das ganze zahlreiche Hofperſonal lief zuſammen. Doch Niemand fand ſich bewogen, für einen der Kämpfer Partei zu ergreifen; man begnügte ſich, über die Mauer fort, den drolligen Anſtrengungen und Sprüngen derſelben zu⸗ zuſchauen. 4

Wie ſchon früher bemerkt worden, war William Stoone gewandter und ausdauernder als der Squire; dieſer ermattete daher bald und keuchte hörbar; ſeine Angriffe wurden weniger lebhaft. Der Gärtner erkannte dies und nahm Gelegenheit, der Einfriedigung des Gartens nach dem Felde zu näher zu kommen. Hier machte er laufend einige Schritte, benutzte ſeinen Spieß als Springſtange und ſchwebte, dem Verfolger das Nachſehen laſſend, über die Mauer fort.

Der Kampf war durchaus unblutig verlaufen; die Ehren⸗ titel, welche man ſich gegenſeitig in der Hitze des Gefechtes angehangen, hatten ebenfalls keine Wunden verurſacht. Sir Burton tobte noch einige Zeit im Hofe umher und beſtieg dann ſein Pferd wieder. Er hatte die kühne Idee, den Gegner draußen im Felde aufzuſuchen und dort nochmals mit ihm anzubinden; doch es gelang ihm nicht, denſelben aufzufinden.

Selbſtverſtändlich erließ jetzt auch der Squire in Betreff des Gärtners ein ſtrenges Gebot. Derſelbe ſollte unter keinen Umſtänden ſeine Beſitzung wieder betreten dürfen. Es hätte eines ſolchen Verbotes nicht mehr bedurft, denn William Stoone erſchien ſeit dieſer Donquixoterie nicht mehr in Burtonsfield.

Demungeachtet ſollte noch ein drittes, für Stoone ſehr böſes Zuſammentreffen zwiſchen den beiden Männern ſtatt⸗

finden, welches dem Squire zwar noch weniger Ehre wie die vorhergehenden machte, dagegen ſein Rachegelüſt völlig be⸗ friedigte.

Man war bis zum Monat Auguſt vorgeſchritten und die Verlobung der Lady Anna Travells mit Sir Robert Burton ſollte ſtattfinden. Sir Burton brachte dazu einige Freunde mit nach Travellshouſe und der Lord Travells war gezwungen, dieſelben als ſeine Gäſte zu empfangen und zu bewirthen. Ingrimmig ließ er ſchnell die nöthigen Vorbereitungen zu einem reichlichen Mahle treffen.

Ließ ſich ein ſolches von den vorhandenen Vorräthen auch allenfalls herſtellen, ſo war es Lord Travells doch unmöglich, bei der Kürze der gebotenen Friſt für ausreichende Bedienung

der Gäſte bei Tiſche in einem ſo unvorhergeſehenen Falle

zu ſorgen. Er nahm keinen Anſtand, dem zukünftigen Eidam, unter verſchiedenen ſpitzigen Bemerkungen, ſeine Verlegenheit mitzutheilen. Sir Burton hielt den Anzüglichkeiten des Lords den dickſten Theil ſeines Felles entgegen und machte den Vorſchlag den Gärtner in dieſem Nothfalle mit zur Be⸗ dienung heranzuziehen.

Wie jeder Menſch möglichſt ſeine Schwächen zu verdecken ſucht, ſo bemühte ſich auch Lord Travells, ſeinen Geiz vor Fremden zu verbergen. Was nutzten aber in dieſer Hinſicht die auf das Mahl verwendeten Unkoſten, wenn man erkannte, daß er nicht einmal die nöthigen Leute in ſeinen Dienſten hatte, daſſelbe ſerviren zu laſſen. Er hätte unter anderen Umſtänden gewiß nicht daran gedacht, William Stoone ſolche Verrichtung zuzumuthen; doch in der Angſt vor den höhniſchen Blicken und ſpöttiſchen Reden der Gäſte griff er zu dem ihm von Sir Burton empfohlenen Auskunftsmittel und ſchickte zu Stoone, um ihn zu dem gedachten Zwecke in das Herrenhaus rufen zu laſſen.

Der Gärtner wunderte ſich über dieſe Zumuthung gewiß nicht wenig; doch mochte er auch wohl ſofort erkennen, wo⸗ durch der Lord zu einer ſolchen Forderung veranlaßt worden. Kurz er erſchien im Herrenhauſe, und gewiß in keiner anderen Abſicht, als dem Wunſche der Lords nachzukommen.

Doch während er durch den Flur des Hauſes gehen wollte, hörte er, wie die fremden Gäſte, natürlich Leute deſſelben Schlages wie Sir Burton, ſich ſchon im Voraus auf den Kapitalſpaß freuten, welchen man ſich mit dem zum Aufwärter gepreßten, ſtolzen Gärtner der Beſitzung machen wollte. Stoone wußte jetzt, wo der Wunſch des Lords entſprungen, und über⸗ haupt, was die Glocke geſchlagen hatte. Er beauftragte eine Magd, Lord Travells zu melden, daß er ſeiner Aufforderung nicht nachkommen könne, und begab ſich wieder in ſeinen Garten zurück. Beſſer wäre es freilich geweſen, er hätte ſich für heute gänzlich von der Beſitzung entfernt.

Durch die Weigerung des Gärtners war Lord Travells genöthigt, zu thun, was er um Alles in der Welt gern ver⸗ mieden hätte. Er mußte die fremden Gäſte bitten, ihm einige ihrer Diener für die Tiſchzeit zu überlaſſen, und glaubte ſich dadurch für immer blamirt zu haben.

Schon ärgerlich über das eigenmächtige Verfahren Sir Burton's, ihm einen Schwarm ungebetener Gäſte auf den Hals zu ziehen, und im Stillen ergrimmt über den dadurch nöthig gewordenen Aufwand, verzehrte ihn faſt die Wuth über die Blöße, welche er ſich trotzdem zu geben gezwungen war. Da ihm die letztere, wie er glaubte, durch die Weigerung 8⁵