Jahrgang 
2 (1879)
Seite
665
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Hausſuchung vorzunehmen.

Concordia.

ſchiedenheit zurückgewieſen worden, als in demſelben Augen⸗ blicke Thomas aus dem Gebüſch trat und die letzten Worte ſeiner Frau noch hörte. Am darauf folgenden Morgen fand man den Kentuckyer mit zerſchmetterter Hirnſchale.

Der Verdacht der Thäterſchaft lenkte ſich anfangs auf den Fremden, welcher die erſte Kunde von dem Morde nach T. gebracht hatte; aber bald ſtellte es ſich heraus, daß er unſchuldig war. Dagegen gelangten Momente zur Kenntniß des Gerichts, die den bisherigen Logiswirth Harpers' als dringend verdächtig erſcheinen laſſen mußten.

Ein kleiner Knabe ſagte aus, daß er am vorhergehenden Abende Thomas im lebhaften Wortwechſel mit dem Kentuckyer betroffen habe, an dem ſich auch die Frau des Letzteren betheiligt hätte. Es war dies angeblich nur wenige Schritte von der Stelle geweſen, wo am anderen Morgen der Todte gefunden wurde. Außerdem wollte der Junge eine halbe Stunde ſpäter den Ackerbauer mit ſeiner Frau allein ſeiner Wohnung haben zuſchreiten ſehen und an ſeinen hellen Klei⸗ dern deutliche Blutſpuren bemerkt haben.

Trotzdem wagte der Sherif nicht, auf die Ausſage eines Kindes hin den goachteten Mann zu verhaften; um aber die öffentliche Meinung, die Thomas als den Thäter bezeichnete, zu beſchwichtigen, beſchloß er, zunächſt bei demſelben eine Das Reſultat war überraſchend; nicht nur fand man die weißen Leinwandhoſen des Acker⸗ bauers mit ſtarken, friſchen Blutflecken in einem Kaſten verſteckt vor, ſondern auch das Bowiemeſſer des Kentuckyers, welches derſelbe, wie unzweifelhaft nachgewieſen wurde, bei ſeinem letzten Ausgange bei ſich geführt hatte. Auf Grund dieſer Verdachtsmomente wurde Thomas verhaftet und in's Gefängniß abgeführt. Als Motiv zur That mußte Eiferſucht angenommen werden, zu welcher der Ermordete allerdings vielfache Veranlaſſung gegeben hatte.

Die Einwohnerſchaft der Stadt T. gehörte zum größten Theile den beiden ſtrenggläubigen Sekten der Presbyterianer und Baptiſten an, deren fromme Grundſätze ſie jedoch nicht hinderten, ſich bei jeder Gelegenheit gegenſeitig zu befehden. Thomas war iriſcher Abkunft und Katholik, und die Ent⸗ rüſtung der beiden religiöſen Gemeinſchaften über den neu ſtatt⸗ gefundenen Mord war um ſo größer und allgemeiner, als keine der beiden Sekten Veranlaſſung hatte, den Mörder als einen Anhänger ihres Glaubens in Schutz zu nehmen.

Wenige Tage nach der Verhaftung des Ackerbauers traten die Geſchworenen zuſammen, um über den Fall zu verhandeln. Der Angeklagte erſchien ruhig und gefaßt und beantwortete die Frage, ob er ſich ſchuldig fühle, mit einem feſt und beſtimmt ausgeſprochenen Nein. Er fügte hinzu, daß er den Kentuckyer an dem fraglichen Tage nicht einmal geſehen, viel weniger geſprochen habe.

Der Richter legte ihm das blutige Beinkleid vor.

Ohne Zögern erkannte Thomas daſſelbe als ſein Eigen⸗ thum an, erklärte aber, daß er an dem Tage im Walde einen Hirſch erlegt und ausgeweidet habe, aber von der einbrechenden Nacht überraſcht worden ſei, ſo daß er die Fortſchaffung des Wildes bis zum anderen Tage habe ver⸗ ſchieben müſſen. Seine Verhaftung habe dies unmöglich gemacht, an der bezeichneten Stelle des Waldes werde man aber das erlegte Thier, mit Zweigen zugedeckt, vorfinden.

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Wie das Meſſer in ſeine Wohnung gekommen ſei, vermochte der Angeklagte nicht anzugeben.

Seine Ausſagen klangen ſo unbefangen und wahrheits⸗ gemäß, daß die Geſchworenen beſchloſſen, die Verhandlung zu vertagen. Eine Kommiſſion verfügte ſich in den Wald, um den ausgeweideten Hirſch zu ſuchen, kehrte aber unver⸗ richteter Sache zurück, da nirgends eine Spur hiervon ent⸗ deckt werden konnte.

Bei der zweiten Vernehmung blieb Thomas bei ſeinen früheren Angaben ſtehen und betheuerte auf's Neue und Beſtimmteſte ſeine Unſchuld. Der Staatsanwalt verſuchte durch geſchickte Frageſtellung ihn in Widerſprüche zu ver⸗ wickeln, aber die Ausſagen des Gefangenen wichen nicht ein Jota von einander ab; mit jener Zuverſicht, welche das Gefühl der Unſchuld verleiht, wiederholte er alles früher Geſagte und ſeine Ruhe und Sicherheit verließ ihn nicht einen Augenblick.

Da beantragte der Staatsanwalt eine nochmalige Durch⸗ ſuchung der Wohnung des Angeſchuldigten, und jetzt fand ſich in einem Stalle unter Stroh verſteckt eine ſchwere eiſerne Hacke, an welcher Blut und Gehirnſubſtanz klebte. Es wurde feſtgeſtellt, daß Thomas dieſe Hacke am Tage des Mordes mit auf's Feld genommen hatte, um Diſteln und anderes Unkraut auszuroden; einige Haare, welche an dem Geräth klebten, rührten unzweifelhaft von dem Kopfe des Ermordeten her.

Das ſichere und ruhige Auftreten des Angeklagten hatte die Geſchworenen anfangs ſehr zu ſeinen Gunſten geſtimmt, jetzt aber mußten ſie ſeine Schuld für erwieſen betrachten und demgemäß ihr Verdikt abgeben. Das Urtheil lautete auf Tod durch den Strang.)

Gefaßt vernahm Thomas ſein Todesurtheil.

Der Schein iſt gegen mich, ſagte er mit der während der ganzen Unterſuchung bewahrten ruhigen Haltung,ich bin außer Stande, die ſchweren Verdachtsmomente zu ent⸗ kräften. Aber meine Unſchuld wird doch an den Tag kommen,

wenn es auch vielleicht dann zu ſpät iſt.

Er bat nur noch, die Vollſtreckung des Urtheils um einige Tage aufzuſchieben, und ließ ſich willig in ſeine Zelle zurückführen.

Die Frau des Verurtheilten hatte von dieſem Tage an unbeſchränkten Zutritt zu dem Gefangenen, und weinend und betend verbrachte ſie oft halbe Tage bei ihm. Die Wärter ließen ſie gewähren, war ſie doch die Einzige, welche dem Unglücklichen Troſt zu ſpenden vermochte. Oft begleitete ſie ihr kleiner Knabe in das Gefängniß, und die Schließer hatten Mühe, ihre Rührung zu bemeiſtern, wenn der Vater ſein Kind in die Arme ſchloß und es mit Liebkoſungen faſt zu erſticken drohte..

Die Bevölkerung von T. hatte den Urtheilsſpruch mit Befriedigung vernommen. In den Augen der großen Menge galt Thomas unzweifelhaft für den Mörder, und nicht Wenige freuten ſich auf das bevorſtehende Schauſpiel der Exekution. Das rohe Element, wie es jeder Ort, ſei er groß oder klein, beſitzt, verleugnet niemals ſeine thieriſche Natur und findet ein grauſames Vergnügen daran, ſeine Neugier an möglichſt ſchauerlichen Scenen zu befriedigen.

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