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Concordia.
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die ſofortige Freilaſſung Ballmann's verfügt, Helmert aber von derſelben Gerichtskommiſſion verhaftet und in's Gefängniß fortgeführt. Auch Born hatte man verhaften wollen, er war aber nirgends aufzufinden geweſen.—
Es war am zweiten Tag nach der Auffindung der Kaſſette, als ein Mann rüſtigen Schrittes die Straße entlang wanderte, die zum Dorf führte. Der Schnee knirſchte unter ſeinen Füßen, die Kälte des klaren Wintertages hatte ihm die
Wangen geröthet, aber er achtete nicht darauf. Hocherhobenen
Hauptes und freien Blickes ſchritt er daher, und als er den kleinen Kirchthurm des Dorfes und ein Haus nach dem an⸗ deren vor ſich auftauchen ſah, da blieb er bewegt ſtehen und wiſchte ſich eine Thräne aus dem Auge. Es war Ballmann, der ehemalige Züchtling, der ſeiner Heimat zupilgerte, nicht mehr gebrandmarkt und mit Schande beladen, ſondern als ehrenhafter Mann, dem durch die Macht der Umſtände ſchweres Unrecht angethan worden war. Jetzt war er gerechtfertigt, ſeine Schuld erwieſen, und in dieſem ſtolzen Gefühl vergaß er den monatelangen Aufenthalt in der Strafanſtalt und ver⸗ zieh Denen, die dieſes Unglück über ihn gebracht hatten.
Da ſchritt er die kleine Anhöhe hinauf, auf der einſt ſein Gehöft ſtand. Er erkannte die Stätte kaum wieder, auf wel⸗ cher ſich jetzt die neuen, maſſiven Gutsgebäude erhoben, und ein wehmüthiges Gefühl beſchlich ihn bei dem Gedanken, daß dies nicht mehr ſein Eigenthum ſei. Drüben, im Nachbar⸗ gut, bei dem alten braven Trinkler, wußte er ſeine Lieben; dorthin lenkte er ſeine Schritte.
Der Hofhund ſchlug an, als er durch's Thor trat, und lenkte die Aufmerkſamkeit der Bewohner auf den Ankömmling; eine Minute ſpäter lag Frau Katharine, ſtumm und Freuden⸗ thränen vergießend, in den Armen des Befreiten. Trinkler und Fritz, das ganze Geſinde, eilten ebenfalls zum Will⸗ kommen herbei und erdrückten Ballmann faſt mit ihren Freuden⸗ bezeigungen und Glückwünſchen. Um die Eingangsthür war eine Guirlande von Tannenreis gewunden und das beſte Zimmer zum Empfang feſtlich hergerichtet. Die Notabeln des Ortes kamen und begrüßten den Angekommenen, ihm auf die wohlthuendſte Weiſe ihre Theilnahme bezeigend, und ſelbſt der Herr Pfarrer erſchien und brachte ſeine Segenswünſche. Sie Alle lud Trinkler zu einem Imbiß ein, den er zu Ehren des unſchuldig Verurtheilten auftragen ließ.
Mancher Trinkſpruch wurde auf das Wohl des Gefeierten geleert, nur der Gutsbeſitzer ſelbſt hatte bis jetzt geſchwiegen. Endlich erhob auch er ſich und die Unterhaltung verſtummte.
„Ihr wißt, meine Freunde,“ ſagte er,„daß mir in dem jungen Fritz Ballinann eine Stütze erwachſen iſt, deren Ehren⸗ haftigkeit, Fleiß und Treue ich mit jedem Tag mehr ſchätzen lernte. Ich ſelbſt habe keine Nachkommen und bin deshalb zu dem Entſchluß gelangt, ihm mein Gut, wie es ſteht und liegt, zu übergeben, mir nur auf Lebenszeit freie Wohnung und Unterhalt vorbehaltend. Ich kann mein Gut in keine beſſeren Hände geben, ſein braver Vater aber möge in meinem Entſchluß eine kleine Entſchädigung und Genugthuung für die ausgeſtandenen Leiden erblicken. Ich bin kein Redner, meine Freunde, darum laſſen Sie mich zum Schluß kommen: Hoch lebe der neue Gutsbeſitzer Fritz Ballmann!“
Lauter Jubel folgte dieſen Worten und glückwünſchend umdrängten die Anweſenden den jungen Mann. In der Thüre aber ſtand, mit Thränen in den Augen, ein junges Mädchen und ſchaute auf die Szene.
Plötzlich gewahrte Fritz die Angekommene und ſtürzte auf ſie zu.
„Hannchen!“ rief er,„Du kommſt wie gerufen!“ Und faſt mit Gewalt führte er die Widerſtrebende zu ſeinen Eltern.
„Biſt Du mit dem heutigen Tag noch nicht zufrieden?“ fragte lächelnd der Vater, und zu dem Mädchen gewendet, fügte er hinzu:„Dir haben wir es hauptſächlich zu danken, daß wir jetzt hier ſitzen,— ſeid glücklich!“
Und wieder tönten die Gläſer aneinander, diesmal auf's Wohl des jungen Paares.
„Wie ſteht es mit Andreas?“ fragte Trinkler.
„Ich kam, um Euch zu ſagen, daß er von ſeinen Leiden erlöſt iſt,“ erwiderte Hannchen.
„Möge ihm der ewige Richter gnädig ſein!“ ſprach der Pfarrer.
Helmert wurde trotz ſeines Leugnens der Verleitung zum Meineid für überführt erachtet und erhielt mehrjährige Zucht⸗ hausſtrafe. Born blieb verſchwunden; nur ſeine Tochter kannte das Geheimniß ſeines Aufenthaltes, bewahrte aber darüber das unverbrüchlichſte Schweigen. Selbſt ihr Gatte, Fritz
Ballmann, hat niemals darnach geforſcht.
Ein Abenteuer in den Karpathen.
Jener mächtige, mit unabſehbaren Waldungen bedeeckte Gebirgszug, welcher ſich an der Grenze zwiſchen Mähren und Ungarn hinzieht, die Karpathen, galt im Anfange unſeres Jahrhunderts für einen der unſicherſten, berüchtigſten Theile des öſterreichiſchen Kaiſerſtaates. Die zahlreichen, faſt un⸗ zugänglichen Schluchten des Gebirges, die endloſen düſteren Forſten und die wilden, zerklüfteten Felsmaſſen dienten aller⸗ hand Geſindel zum Aufenthalt, das harmloſe Reiſende über⸗ fiel und ausplünderte, friedliche Dörfer brandſchatzte und nicht ſelten ſogar in kleinere, wehrloſe Städte drang, um Kon⸗ tributionen zu erheben, oder im Weigerungsfalle zu rauben und zu morden.
Die Regierung war viel zu ſehr mit der Abwehr äußerer Feinde beſchäftigt, um im Stande zu ſein, dieſem Uebelſtande
(Nachdruck verboten.) wirkſam entgegentreten zu können; bei der Ausdehnung, welche das Räuberweſen bereits gewonnen hatte, und bei dem ſchwer zugänglichen Terrain hätte es hierzu einer bedeutenden Truppen⸗ macht bedurft, welche das von dem franzöſiſchen Eroberer heimgeſuchte Land nicht entbehren konnte. Das Geſindel kannte die Schwäche und Ohnmacht des Staates recht wohl; um ſo kecker trieb es einzeln und in ganzen Banden ſein ver⸗ brecheriſches Handwerk, ſo daß es geradezu für ein lebens⸗ gefährliches Wagniß galt, ohne hinreichende Bedeckung das Gebirge zu überſchreiten.
Zu jener Zeit lebte in Brünn ein wohlhabender Kauf⸗ mann, deſſen wichtigſte Handelsbeziehungen vorzugsweiſe in den Kronländern jenſeit der Karpathen beſtanden. Die Kriegs⸗ verhältniſſe laſteten ſchwer auf Induſtrie und Gewerbe, und 81*


