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Concordia.
„Und Du biſt gewiß, daß Du kein Geld darin aufbewahrt hatteſt?“
„Du weißt, daß ich kurz vorher große Zahlungen zu leiſten hatte für die angeſchafften Vorräthe, die nun leider ebenfalls in Aſche liegen. In dem Käſtchen befanden ſich nur die wichtigſten Familienpapiere und Dokumente, darunter die Quittung vom alten Helmert.“
„Daß auch Niemand von uns an die Rettung des Käſt⸗ chens gedacht hat!“ jammerte Frau Katharine.„Die Papiere ſind unerſetzlich.“
„Ich fand die Treppe bereits in vollen Flammen, als ich zurückkehrte und den Verſuch machen wollte, in den oberen Stock zu gelangen. Daß es nur durch das Unglück unmöglich wurde, den Beweis von der erfolgten Rückzahlung des Kapi⸗ tals an Helmert zu liefern, ſchmerzt mich am meiſten.“
Ein ſchwacher Ruf aus dem Nebenzimmer unterbrach das Geſpräch; die Kranke verlangte nach einem Schluͤck Waſſer.
Leichten Herzens ſchritt am folgenden Tage Ballmann die Straße entlang, welche zur nächſten Stadt führte. Sein Ge⸗ wiſſen war ruhig; was konnte der Staatsanwalt ihm, auf deſſen Ruf nicht der geringſte Makel haftete, anhaben? Feſten Schrittes und offenen Auges trat er vor den Beamten, um. den Grund ſeiner Citation zu vernehmen.
Der Staatsanwalt legte ein Aktenſtück vor ſich hin und richtete zur Feſtſtellung der Perſönlichkeit die üblichen Fragen an Ballmann. Dann eröffnete er ihm, daß wegen Meineids die Unterſuchung gegen ihn eingeleitet werden müſſe, und daß bis nach Ausgang der Sache die Haft über ihn ver⸗ hängt ſei.
Ballmann war ſprachlos vor Schreck— er ein Mein⸗ eidiger! Noch immer hielt er die ganze Angelegenheit für einen ſchweren Irrthum, als ihm aber der Staatsanwalt mit⸗ theilte, daß Helmert zwei Zeugen gebracht habe, die eidlich beſtätigten, Ballmann habe noch vor wenigen Wochen die Richtigkeit der Forderung anerkannt, da brach er unter der furchtbaren Anklage zuſammen, er ſchlug beide Hände vor das Geſicht und ſchwere heiße Thränen entſtrömten den Augen des geprüften Mannes. Die von Helmert benannten Zeugen waren Born und Andreas.
In ſeiner dunklen, einſamen Gefängnißzelle ward dem Ver⸗ hafteten erſt ſein Unglück in der ganzen vollen Größe klar. Sein armes Weib mußte der Laſt der einſtürmenden Schick⸗ ſalsſchläge erliegen, ſeine kranke Mutter auch den Schmerz er⸗ leben, ihren Sohn als Verbrecher gebrandmarkt zu ſehen, und die eigenen Kinder, konnten ſie noch Achtung vor ihrem Vater haben, der als Meineidiger vor ihnen ſtand? Der Gefangene litt Folterqualen, der Schlaf floh ſeine Augen und ſchwere Schweißtropfen ſtanden auf ſeiner Stirn. Andreas, ein Ver⸗ wandter, den er mit väterlicher Güte behandelt, mit Wohl⸗ thaten überhäuft hatte, war einer der gegen ihn auftretenden Zeugen! Ballmann verlor den Glauben an die Menſchheit, an Recht und Gerechtigkeit, und nur zuweilen durchzuckte ihn der Gedanke, daß ſeine Unſchuld doch endlich an den Tag
kommen müſſe, wenn es noch einen Gott im Himmel gebe.
Am dritten Tage erhielt der Gefangene die Nachricht, daß ſeine Mutter ſanft verſchieden ſei; ſie hatte bis zum letzten Athemzuge den Sohn für unſchuldig gehalten, und dies tröſtete ihn etwas in ſeinem Schmerze.
Die Unterſuchung ging ihren Gang, und als ſie beendet
war, kam der Prozeß zur öffentlichen Verhandlung vor die Geſchworenen. Ihr Wahrſpruch konnte nicht zweifelhaft ſein; die Ausſagen der Belaſtungszeugen waren nicht anzufechten,
und der Obmann verkündete daher das„Schuldig“, infolge
deſſen die Richter den Angeklagten zu drei Jahren Zuchthaus verurtheilten.
Todtenbläſſe auf dem eingefallenen Geſicht, vernahm Ball⸗ mann das Erkenntniß; einige Minuten ſtarrte er ſeine Richter unverwandt an, dann brach er ohnmächtig zuſammen. Zwei Gerichtsdiener trugen ihn aus dem Saale, während ſich die Zuhörer tief erſchüttert entfernten.
4. Kapitel.
Auf der Stätte, wo einſt Ballmann's Gehöft geſtanden hatte, erhoben ſich bereits wieder ſtattliche Gutsgebäude, die mit den dazu gehörigen Ländereien Helmert gehörten. Es war genau ſo gekommen, wie dieſer vorausgeſehen hatte, das Gut kam, nachdem Ballmann in's Zuchthaus abgeführt worden war, zur Subhaſtation und wurde dem jetzigen Beſitzer für ein Spottgeld zugeſchlagen, wobei ſeine Forderung von zwei⸗ tauſend Thalern angerechnet wurde. Durch den Verkauf ſeines früheren Beſitzthums an Andreas und Aufnahme einer Hypo⸗ thek auf ſein jetziges Gut konnte er ſeine drängenden Gläu⸗ biger befriedigen, ſo daß er gegenwärtig mit Recht für einen wohlſituirten Bauern galt. Trotzdem genoß er wenig Achtung im Dorfe, ſeine Streitſucht und ſein großſprecheriſches Weſen hatten ihm viele Feinde zugezogen, und der Umſtand, daß er die Veranlaſſung zu dem Unglück des ſich großer Beliebtheit erfreuenden Ballmann war, trug nicht dazu bei, die öffentliche Meinung zu ſeinen Gunſten umzuſtimmen.
Frau Katharine hatte bei dem menſchenfreundlichen Bauer Trinkler, welcher ſie und ihre Angehörigen nach dem Brande aufnahm, auch nach der Verurtheilung ihres Mannes dauernde Unterkunft mit ihrem Sohne Fritz gefunden, der als Wirth⸗ ſchaftsgehilfe angenommen war. Die gebeugte Frau war kaum wieder zu erkennen; die eingefallenen Wangen, der unſichere Gang, das matte, glanzloſe Auge ließen den tiefen Gram er⸗ kennen, der in ihrem Innern nagte. Still und geräuſchlos verrichtete ſie ihre häuslichen Arbeiten, kein Lächeln kam auf ihre Lippen und nur hin und wieder rang ſich verſtohlen ein tiefer Seufzer aus ihrer gepreßten Bruſt. Sie wußte, daß ihr Mann unſchuldig litt, aber die Unmöglichkeit, dies zu beweiſen, vermehrte nur ihren Kummer.
Fritz dagegen gab ſich mit allem Eifer ſeinem landwirth⸗ ſchaftlichen Berufe hin, und ſein Fleiß, ſeine Kenntniſſe und Umſicht hatten ihn bald ſeinem Brotherrn unentbehrlich ge⸗ macht. Trinkler war kinderlos und lebte in guten Verhältniſſen, er ſchloß ſich daher um ſo leichter dem jungen Manne an, als er deſſen Treue und Zuverläſſigkeit vollſtändig erprobt hatte. Dennoch war auch er ſtill und in ſich gekehrt, freilich noch aus einem anderen Grunde, als über das Unglück ſeines Vaters.
Der junge Mann hatte es nicht über ſich vermocht, mit der Tochter Born's zu brechen, trotz der entſchiedenen Ein⸗ ſprache ſeiner Mutter, die dieſes Verhältniß auf das Nach⸗ drücklichſte bekämpfte. Der Vater des Mädchens hatte durch ſeine Ausſage zur Verurtheilung ihres Mannes beigetragen und keine Bitten und Vorſtellungen, keine Hinweiſe auf die makelloſe Ehrenhaftigkeit Hannchen's vermochten ſie zu be⸗


