Jahrgang 
2 (1879)
Seite
627
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Die Equipage hielt, wahrſcheinlich auf ein von der Dame gegebenes Zeichen, und dieſe ließ das Fenſter des Schlages nieder; zugleich winkte ſie einen in der Nähe befindlichen Mann zu ſich heran.

Können Sie mir vielleicht ſagen, Sir, was der Auflauf bedeutet? fragte ſie mit ſanfter Stimme.

Jawohl, Mylady! antwortete der Mann,es iſt ein ſchweres Verbrechen auf der Landſtraße verübt worden und man hat eben die Leiche des Ermordeten eingebracht!

Wie ſchrecklich! ſagte die Dame, leicht erbebend; iſt denn der Unglückliche?

Man ſagt, ein Edelmann aus der Umgebung, Mylady!

Kennen Sie ſeinen Namen?

Nein, Mylady, den kenne ich nicht.

Ich danke Ihnen, Sir! beendete die Dame das kurze Geſpräch und zog das Fenſter empor. Die Kutſche ſetzte ſich wieder in Vewegung.

Die Herrſchaft aus Travellshouſe! murmelte der Mann vor ſich hin und trat dem Menſchenhaufen näher, wahrſchein lich in der löblichen Abſicht, ſeine Kenntniſſe über den wich tigen Vorfall womöglich zu vervollſtändigen.

Hätte die junge Dame, der er ſo bereitwillig Auskunft ertheilte, auch noch den Namen des Ermordeten erfahren, würde wahrſcheinlich, wie wir ſpäter ſehen werden, ein zweites, ſchlimmeres Verbrechen verhindert worden ſein.

Von den Organen der Behörde ward zunächſt ſofort eine ſcharfe Umſchau und Nachfrage in dem ſtark verrufenen Palmenhain in Betreff der dort geſtern ſtattgehabten Vor⸗ gänge und der dabei betheiligten Perſonen gehalten. Doch gab die Recherche nicht das geringſte Reſultat für die ein zuleitende Unterſuchung. Es war geſpielt worden, doch ohne Zank und Streit. Der Sauire hatte, gegen ſeine ſonſtige Gewohnheit, nur mäßig getrunken und in ziemlich nüchternem Zuſtande bald nach Mitternacht das Haus verlaſſen. Die außer ihm anweſenden Gäſte waren Bewohner der Stadt ge weſen, welche noch längere Zeit nach der Entfernung Sir Burton's geblieben. Nur ein zu Pferde reiſender Fremder hatte am geſtrigen Nachmittage das Gaſthaus beſucht, war aber ſchon gegen ſieben oder acht Uhr, angeblich in der Rich tung nach London zu, weitergezogen. Dieſem Fremden glaubte man keine Bedeutung in dem vorliegenden Falle bei⸗ meſſen zu dürfen.

Eine Stunde nach dem Wiedereintreffen der Kommiſſion wurde folgende Bekanntmachung an den Straßenecken der Stadt angeheftet:

Heute Morgen, innerhalb der Zeit von zwölf bis zwei Uhr, iſt auf der Straße nach Heytesbury, ungefähr drei⸗ Meilen von hier, im Stadtholze, der Squire Sir Robert Burton, Beſitzer von Burtonsfield, durch Meſſerſtiche er mordet worden. Zur Verübung des Verbrechens hat ein ſtarkes Einſchlagemeſſer mit Hirſchhornſchale ſogenannter Genickfänger gedient, welchen der Mörder in der Bruſt ſeines Opfers ſtecken ließ. Dies Meſſer iſt im Geſchäfts. lokale des Sherifs für Jedermann zur Anſicht ausgelegt, und werden beſonders alle Diejenigen, welche Auskunft über den Eigenthümer dieſes Meſſers geben zu können glauben, aufgefordert, ihre Angaben an Ort und Stelle zu machen.

Außerdem war eine Prämie von fünfzehn Pfund Sterling. auf die Entdeckung des Mörders geſetzt.

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Die Vorbereitungen, dieſe Bekanntmachungen auch in die Tagesblätter rücken und dadurch nach außerhalb gelangen zu laſſen, waren im vollen Gange.

5. Kapitel.

Mr. Wright und ſeine Begleiter hatten den weiteren Weg zurückzulegen, weshalb ſie denn auch erſt gegen neun Uhr Vormittags wieder in Buvtonsſield anlangten.

Schon auf der Rampe trat ihnen Mrs. Rogier mit allen Zeichen großer Aufregung entgegen.

Wie ſchrecklich, Mr. Wright! vief ſie, die Hände vingend, das Entſetzen hat mich ſaſt gelähmt meine Glieder zittern noch ich vermag mich immer noch nicht zu faſſen.

Es geht mir auch nicht beſſer, Miſtreß! antworntete der Verwalter,jetzt brauchen wir Siv Burton nicht mehr zu ver laſſen er hat uns verlaſſen!

Leider leider! erwiderte Mrs. Rogier,wäre es nur nicht auf ſo fürchterliche Weiſe geſchehen aber Sie kommen ja mit den Leuten zu Fuße wo bleibt der Wagen wo⸗ iſt Siv Burton's Leiche?

Die Begleiter des Verwalters waren inzwiſchen in den Hof getreten. Mr. Wright ſtattete der Miſtveß in kurzen Worten Bericht ab.

So, ſo iſt das! vief die Letztere;abey mein Gott ich bemerke das jetzt erſt wie ſehen Sie aus, Maſter? Sie ſind mindeſtens um zehn Jahre älter geworden!

Das glaube ich wohl, Miſtreß! erwiderte der Verwalten traurig.

Es war zu viel für Sie in dem Wetter! fuhr die Frau fort,die Anſtrengung zur Nachtzeit ging über Ihre Kräfte; wir hätten das bedenken ſollen!

Es iſt ja ertragen, Mrs. auch war es ja meine Pflicht, nach den bedrohlichen Vorzeichen, in Perſon nach dem Rechten zu ſehen, und um die Wahrheit zu ſagen: die Anſtrengung hat mir den wenig ſten Nachtheil gebracht oder Schaden gethan plötzlich wechſelnde Empſindungen haben mich erſchüttert und zugleich meinen Körper angegriffen!

Wiſſen Sie'was, Mr. Wright, ſagte Mrs. Rogier, trinken Sie den Thee bei mir, wir können dann mit Ruhe weiter über das traurige Greigniß ſprechen.

Sie ſind ſehr freundlich, Miſtreß, erwiderte Wright höflich,gönnen Sie mir nur ſo viel Zeit, mich umzukleiden, dann werde ich ſehr gern von Ihrer Güte Gebrauch machen.

Schön ich werde Sie erwarten, Mr. Wright!

Beide betraten das Haus und der Verwalter begab ſich in ſein Zimmer, um zu thun, wie er ſagte. Eine halbe Stunde ſpäter ſtieg er im bequemen Hausanzuge die Treppe hinan, um Mrs. Rogier in ihrem Zimmer, einem wahren Schmuckkäſtchen, aufzuſuchen.

Nun kommen Sie, Mr. Wright nehmen Sie Platz! ſagte die gute Dame lebhaft,hier habe ich Ihnen einen Becher heißen Wein mit neunerlei Gewürz zurecht gemacht, ein Mittel, welches Leib und Seele wieder in Ordnung zur bringen im Stande iſt, es erwärmt bis in die Zehen hinein! Bitte trinken Sie!

Sehr verbunden, Miſtreß! entgegnete Wright, platz und führte ohne weitere Zögerung das kräftig duftende, warme Getränk an ſeine Lippen.

Rogier! verſetzte Wright,

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