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perſönlich verpflichtet. Er muß daher ſo etwas wie eine Art von Schild gegen die ſpäter möglicherweiſe wider ihn erhobenen Regreßanſprüche haben und er ſchafft ſich jenen durch minu⸗ tiöſeſtes Feſthalten an den Buchſtaben des Geſetzes. Iſt dies geſchehen, ſo braucht er keine Anklage wegen nachläſſiger oder darteiiſcher Rechtspflege zu fürchten.
Die von Salisbury entſendete Kommiſſion beſtand infolge deſſen aus nicht weniger als fünf Perſonen; nämlich einem richterlichen Beamten und ſeinem Gehilfen, dem Coroner oder Leichenbeſchauer, einem Arzte und einem Kriminal⸗Poliziſten.
Am Orte der That galt es zunächſt, die Perſon und die Todesart des Ermordeten feſtzuſtellen. Das Erſtere hatte keine Schwierigkeit, denn der Richter und der Arzt kannten den Verwalter, und dieſer recognoscirte die Leiche. Die Feſt⸗ ſtellung der Todesart war Sache des Leichenbeſchauers, und derſelbe gab das Verdikt ab, daß Sir Robert Burton, Esquire, auf Burtonsfield, todt und ſein Tod infolge der ihm von fremder Hand beigebrachten Meſſerſtiche eingetreten ſei.
Die nur vorläufige ärztliche Unterſuchung ergab als Re⸗ ſultat die Annahme, daß jeder einzelne Stich, den der Ermordeter erhalten, den Tod deſſelben herbeiführen mußte, weil alle entweder das Herz oder die Lunge getroffen und ſchwer verletzt hatten. Der Tod ſchien zwiſchen zwölf und zwei Uhr Nachts eingetreten zu ſein. Der Arzt hielt die Ueberführung der Leiche nach Salisbury, zum Zwecke genauerer Unterſuchung, nöthig.
Inzwiſchen hatte der Kriminalbeamte die Beſchaffenheit der Umgebung des Ortes, an welchem der Ermordete lag, unterſucht. Es war jedoch rein unmöglich, feſtzuſtellen, ob der Mörder ebenfalls zu Pferde, oder zu Fuß geweſen. Es durfte gar nicht daran gedacht werden, eine Spur zur Verfolgung deſſelben aufzuſfinden. Der Regen hatte inſofern Alles gleich gemacht, als ältere und neuere Spuren von Tritten jeder Art daſſelbe Ausſehen hatten, wenn ſie überhaupt noch erkennbar waren.
Den Hauptanhalt für die Forſchung mußte ſomit das Meſſer bilden, und dies ging ſchließlich unter den Beamten von Hand zu Hand, vorläufig allerdings auch nur, ohne etwas feſtzuſtellen.
An eine Aufnahme von Protokollen am Orte der That war ebenfalls nicht zu denken; der Richter erklärte deshalb, einſtweilen nur Notizen machen zu wollen und die eigentliche Vernehmung der bei der Leiche vorgefundenen Leute auf eine ſpätere Zeit zu verſchieben.
Er kroch daher wieder in den Wagen zurück, nahm auf dem einen Sitze deſſelben Platz und ließ auf dem anderen eine Laterne anbringen. Wer vernommen werden ſollte, mußte an den Schlag des Wagens treten, wo ihn die anderen vier Beamten umſtanden. Das ganze Enſemble des Aktes hatte einen Anſtrich von Feierlichkeit, welche einen gewiſſen Eindruck auf die einfachen Landleute machte.
Mr. Wright kam natürlich zuerſt an die Reihe, ſeine Aus⸗ ſage zu machen; er gab die uns bereits bekannten Thatſachen in zuſammenhängender Erzählung an. Befragt, ob er das zum Morde dienende Meſſer oder deſſen Eigenthümer kenne, antwortete auch er jetzt mit einem ganz entſchiedenen Nein.
Dieſelbe Antwort erfolgte ſeinerſeits auf die Frage, ob er eine Vermuthung hege, von wem das Verbrechen verübt ſein könne.
Concordia.
Eine weitere Frage ging dahin, ob er wiſſe, wo ſich der Squire, ſeit er am geſtrigen Morgen Burtonsfield verlaſſen, aufgehalten habe.
„Sir Burton äußerte zu Lord Travells, nach Travellshouſe reiten zu wollen!“ erwiderte Mr. Wright,„und dürfte dies auch ausgeführt haben. Später wird er wohl nach Salisbury geritten ſein und ſich dort, wie auch ſonſt häufig, bis zur Nachtzeit in dem Gaſthauſe aufgehalten haben, in welchem er ſchon ſeit Jahren verkehrt!“
„Welches iſt dies Gaſthaus?“ fragte der Richter.
„Ich kenne es ſelbſt nicht näher,“ antwortete der Ver⸗ walter,„weiß aber, daß man es„zum Palmenhain“ nennt!“
Die Beamten murmelten einige Worte vor ſich hin und der Richter lächelte etwas ſpöttiſch, während er den von Wright genannten Namen verzeichnete.
„Wiſſen Sie, mit wem Sir Burton in jenem Hauſe hauptſächlich Umgang hatte?“ forſchte der Richter weiter.
„Ich habe keine Ahnung davon, Sir,“ entgegnete der Ver⸗ walter lebhaft,„mir iſt die dort verkehrende Geſellſchaft völlig unbekannt.“
Die Vernehmung der anderen Leute ergab ungefähr das⸗ ſelbe Reſultat. Nur wußte der Kutſcher noch einige Angaben über den famoſen„Palmenhain“ zu machen, weil er ſeinen Herrn öfter dahin gefahren oder von dort abgeholt hatte. Er kannte auch noch einige der dort verkehrenden Stamm⸗ gäſte dem Namen nach und nannte dieſelben. Endlich fügte er noch hinzu, daß es im„Palmenhain“ häufig ſehr wild her⸗ gehe, namentlich ſtark geſpielt werde, und der Unterſuchungs⸗ richter gab dem Kriminalbeamten einen Wink, der leicht ge⸗ deutet werden konnte.
Nachdem das Verhör der Leute beendet, trat man darüber in Berathung, wie die Leiche fortgeſchafft werden könne, und faßte den Entſchluß, dieſelbe gleich mitzunehmen. Es wurden daher die nöthigen Vorbereitungen zur Aufnahme des Körpers im Innern des Wagens getroffen; der Ermordete ward vom Boden aufgehoben, etwas gereinigt, in eine vorhandene Decke geſchlagen und im Fond der Kutſche untergebracht. Drei der Beamten nahmen ebenfalls im Inneren des Wagens, einer derſelben auf dem Bocke Platz. Die Leute von Burtonsfield wurden entlaſſen, um zu Fuße nach Hauſe zu gehen. Der Wagen ſetzte ſich wieder nach Salisbury zu in Bewegung.
Es war zwiſchen ſieben und acht Uhr Morgens, als die traurige Fuhre in der genannten Stadt eintraf; der ſpät ein⸗ tretende Novembermorgen graute eben.
Das Gerücht von dem auf der Landſtraße verübten Ver⸗ brechen hatte ſich bereits im Orte verbreitet; eine Anzahl Neu⸗ gieriger erwartete die Rückkehr der Kommiſſion und gab dem von derſelben benutzten Wagen etwas ſtürmiſch das Geleite durch die Straßen.
Als das Fuhrwerk auf dem Marktplatze vor dem Gerichts⸗ gebäude hielt, hatte ſich ſchon eine ziemliche Menſchenmenge angeſammelt. Gerade als die Leiche des Gemordeten aus dem Wagen in das Haus gebracht wurde, langte eine mit vier Pferden beſpannte Reiſeequipage auf dem Platze an, um denſelben zu paſſiren. Auf dem Schlage der Kutſche befand ſich ein Pairswappen und hinter dem geſchloſſenen Fenſter derſelben zeigte ſich das bleiche Geſicht einer jungen Dame, deren Augenlider vom Weinen geſchwollen und geröthet zu ſein ſchienen. Neben derſelben befand ſich noch eine ältere Frau.
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