Jahrgang 
2 (1879)
Seite
617
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ten Welchen Eindruck dieſe Freudenbotſchaft auf alle Anweſenden

mit machte, läßt ſich kanm annähernd wiedergeben. Jubelnd flog Reschen an den Hals ihres begnadigten Verlobten, und mehr

err ſtammelnd voller Freude als ſprechend, ſagte ſie in angenehm

m⸗ erregter Stimmung:

unt 4So iſt doch mein Weg, Mathies, am Kronprinzen ſeinem

ls⸗ 8 Namenstag net umſonſt geweſen!

aus 3 Ueberraſcht ſchauten jetzt Alle das immer noch jubelnde,

in; 5 liebreizende Mädchen an und Hieſel, ihre kleine Hand in die

ſeine nehmend, unterbrach ſie mit der Frage: Aber liab's Reſerl, ich kann Dich net verſtehen hätt' ich das große Glück Dir zu verdanken?

Mir? hahahaha, mir net, talketer, herzliaber Bua, ant⸗ dei wortete ſie lieb,aber unſerm liaben, guaten König Max haſt Du's zu verdanken! Haſt Du denn net auf'paßt, was in dem am Schreiben von München drinn'ſteht, oder haſt voll lauter ete Freud' nichts mehr verſtanden? ück⸗So muß's ſein, liaber Schatz! erwiderte Hieſelaber wier Du warſt gewiß bei dem König, Reſerl! wie ſollte derſelbe ſonſt wiſſen, was ich Schlecht's'than hab'? deUnd Guat's, fiel ihm hier Thereschen in ſeine Frage. tenSchau', liaba Bua! lang' hab' ich mir's ſchon vorg'nommen ger g'habt, zum König hineinzugehen, denn für Dich iſt mir ur, kein Weg zu weit, Mathies. Am 25. Auguſt hab' ich zon endlich vom Vater die Erlaubniß'kriegt, nach Kirchenthal ffen wallfahrten zu dürfen. Aber ich bin net hinein zu der Mutter⸗ te: Gottes, ſondern hinüber nach Berchtesgaden. Auf einem grün' ger Bergerl ſteht wie ein Paradies dem König ſein G'ſchloß! der Da bin ich'nauf und mein Herz hat mir g'ſchlagen, als der wenn's zerſpringen hätt' woll'n. Ich war faſt ſchon an dem ub wunderſchön' Garten, wo Blüamerln blühen, die ich in meinem 8 Leben noch net g'ſeh'n hab', da iſt mir auf einmal bang' die worden um's Herz und beinah' hätt' ich wieder um kehrt, fe aber ich hab' nimmer können, denn in dem Augenblick iſt n unſer König mit die zwei Prinzen vom Garten heraus'kommen err und gerade auf mich zu'gangen. Gleich hab ich ihn kennt, ygleich freundlich, z'gleich guat iſt er noch wie im Traun⸗ d ſteiner Volksfeſt. Ich wollt' nun davonlaufen, der König b war aber ſchon ſo nahe bei mir, und da hat er mich ſo guat das und ſo liab ang'ſchaut, daß mir alle Furcht vergangen iſt, laut und, in Gott's Nam', hab' ich mir'denkt bin ich vor ihm dn auf die Kniee niederg'fallen und wollt' ihn recht ſchön bitten, del daß er Dich begnadigen ſoll. Kaum bin ich aber vor ſeinen jaut Füßen bittend dort'kniet, hat er mir bffohlen, aufzuſtehen, und mich dann ſo freundlich g'fragt, was ich will und wer un ich bin. Ich erzählte ihm Dein Unglück, Deine Armuth und itd 1 daß Du drüben am Reifelſtein drei Menſchenleben mit eigener Be⸗ Lebensgefahr von ſicherem Tod errett' haſt, kurz Alles, was agd⸗ ich nur gewußt hab' und gemeint hab', daß es Dir nützen von könnt', das hab' ich ihm geſagt. Als ich nichts mehr gewußt, ſſen mußte ein vornehmer Herr, der hinter den Prinzen geſtanden Ver⸗ iſt, unſere Namen in ein goldenes Bücherl einſchreiben und ſict 1 dann ſchaute mich der König wieder ſo väterlich an, daß ich ung, mir denkt hab', ſo ſchaut er ſein ganz' Baiernlandl an; ſo ge treu und guat wie der Vater ſein Kind. Ich durfte dann

gehen, was mir der vornehm' Herr hinter den Prinzen zu erkennen'geben hat, nachdem der König noch freundlich zu mir ſagte:Wir wollen ſehen, was in dieſer Sache zu thun iſt, oder wie, ich hab' ihn, glaub' ich, net recht verſtanden.

Concordia.

ſich das vom langen Sprechen etwas erröthete Mädchen nun an den ſtille lauſchenden Kreis,unſer König iſt net nur ein Vater für ſeine zwei Prinzen, er hat ſeine Baiern, uns Alle ſo aufrichtig gewiß gern, als wären wir ſeine Kinder, und wir dürfen uns glücklich ſchätzen, einen ſo herzensguaten Mann als König zu haben.

Die Begnadigung machte das Glück der Verlobten voll ſtändig. Das blinde Mütterlein ſprach leiſe Gebetesworte dankend gen Himmel, während der Müller in übergroßer Freude nun rief:

Konrad! zapf' noch extra ein großes Faß an, das wir zu Ehren unſeres huldvollen Königs trinken wollen! Und Ihr zwoa Leuteln, ſich an die Verlobten wendend, die jetzt das Begnadigungsſchreiben nochmals langſam und andächtig durchlaſen,richt't Euch die Tag' zum Notar, denn um Faſt⸗ nacht könnt Ihr dann meinetwegen heiraten und unſer Herr⸗ gott gieb ſein' Segen dazu.

Alles theilte die Freude und Luſt der nun überglücklichen beiden Menſchen; Städter wie Dörfler drängten ſich in engem Kreiſe um den begnadigten Wildſchützen und ſeine herzliebe Braut und das mit unerſchütterlicher Liebe und Treue an ſeinem verehrten Landesfürſten hängende Völklein des Traun⸗ thals ſtimmte in den Alles begeiſternden, vom Landwehr⸗Major Riegler ausgebrachten patriotiſchen Ruf ein:Es lebe unſer vielgeliebter Landesvater, unſer erhabener König und Herr, Seine Majeſtät König Maximilian II. von Baiern, dreimal Hoch!

Die Bergwände hallten wider von den kräftigen Hoch⸗ rufen der verſammelten Menge. Während die Rufe immer weiter fortrollten von Bergwand zu Bergwand, immer tiefer und ſchwächer in's Bergland hinein, ertönten ſanft auf Loisl's Zither die Klänge der baieriſchen Nationalhymne und benga⸗ liſches Feuer tauchte das nun zu dunkeln beginnende Thal bis hinauf zu den rieſigen Felſen in zauberiſch purpurne Gluth. Die Güſte entfernten ſich allmälig; ſie nahmen aber alle eine gar ſchöne Erinnerung mit hinaus aus dem liebreizenden Thälchen beim Müller am Brandt.

Zwei Jahre ſpäter.

Frühling! Frühling, ſang es, zirpte und ſummte es durch die neu erwachende, herrliche Natur. Der grün⸗ ſammetene Uferrand des toſenden Bergwaſſers an der munter klappernden Mühle am Brandt war mit Vergißmeinnicht und duftenden Schlüſſelblümchen beſtreut. Ein Mütterlein mit grünem Schirme vor den Augen ſaß an dem kühlenden Rain zwiſchen Bächlein und blüthenvollen Obſtbäumen und bei demſelben knieete, das plaudernde Mütterchen ſchmeichelnd, liebkoſend, eine gar anmuthige jugendliche Frauengeſtalt. An einem duftverbreitenden Kirſchbaume lehnte ein junger kräftiger Mann, der ſchaute beglückt auf die vor ihm liegende liebliche Gruppe im blumigen Grund. Die junge, faſt noch mädchen⸗ hafte Frau blickte recht innig mit den hellblauen Augen zum Mütterchen empor, als ihr das letztere eben mit herzlichem Tone zuflüſterte:

Wie liab Du doch biſt, meine Tochter, und wie Du jetzt vor mir ſtehſt in Deinem kornblauen Kleiderl, das ſo guat ſteht zu Dein' wunderſamen Flachshaar, gtaß ſo ſah ich

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