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Concordia.
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mehr von der Stelle kann, auf Sand und Haide zu krüppeln
und vor Hunger und Durſt faſt umzukommen?“
„Thu' ihn ab, Junge! Er hat ſein Brot verdient und Du holſt Dir dieſe Woche den Bleſſen von der Weide, das
lange Luder iſt ohnehin mager. So lohnt ſich's noch, ſind ihrer zwei.“
„Thut ihn ſelbſt ab und holt Euch ſelbſt Eure Schind⸗ mähre“— fuhr der Sohn auf—„ich habe das Viehleben bei Euch ſatt und will ein anderes Leben anfangen.“
Der Alte erſchrak über die leidenſchaftliche Antwort ſeines Sohnes und warf ihm einen langen lauernden Blick zu
„Haſt Du Einen über den Durſt getrunken, Burſche?“ fragte er ihn ſatyriſch.
„Wovon ſoll ich trinken? Hält mich doch Euer Geiz immer auf dem Trocknen. Es iſt eine Schande, kein Knecht auf der Haide hat es ſo ſchlimm, als ich bei Euch. Aber Ihr habt's gehört, meine Geduld iſt zu Ende, ich bin Eurer müde und überdrüſſig und will eine andere Wirthſchaft hier einführen.“
„Hund“— rief der Alte zornig, reckte ſich ſteif in die Höhe und hob mit der zitternden Rechten den Stock. Aber noch ehe er ein zweites Wort ausgebracht, warf ihn ein Stoß vor die Bruſt auf ſeinen Stuhl zurück. Ein helles Gelächter ſchallte aus der Kehle des Freiknechts, der ſich in trotziger Stellung, die Fäuſte in die Seite geſtemmt, vor dem zurück⸗ ſinkenden Vater aufrecht hielt und ihn wild anſtarrte
„Ihr ſeht,“ ſagte der Junge,„ich mache Ern ſ. under Väter begeben ſich, wenn ihre Söhne mündig ſind, au Altantheil. Thut desgleichen, ich rathe es CEuch, wenn J Eure alten Tage in Ruh' und Frieden zubringen wollt. Einen Hund heißt Ihr mich, und wahrhaftig, Ihr habt mich zeitlebens nicht anders behandelt als ein Stück Vieh. Drum hab' ich auch kein Mitleid mit Euch. Schlagen könnt Ihr mich nicht mehr, dazu ſind Eure Knochen zu ege ſeid zu⸗ frieden, wenn ich das Blatt nicht umkehre. h hab' mir's überlegt, dieſe Wirthſchaft ſoll ein Ende uhtnene drum macht Euch auf Alles gefaßt, thut keine Einrede, denkt, Euer Regi⸗ ment ſei zu Ende.“
„Willſt Du die Hand gegen Deinen Vater erheben, Schurke?“ kreiſchte der Greis wüthend..
„Ich thäte nur, was Euch gehört!“ erwiderte mit höh⸗ niſcher Gelaſſenheit der Sohn.„So lange ich Euch für den Stärkeren hielt, ließ ich mich von Euch ſchlagen; nun Ihr ſeht, daß Ihr der Schwächere ſeid, niacht es nicht darnach, daß ich das Blatt umkehre. Was iſt das für ein Papier?“ fragte Boß, auf ein zuſammengelegtes Blatt auf der ſchmalen Fenſterbank deutend, nach einer Pauſe, in welcher der Alte ſich von ſeinem Zorn und Shrerben zu erholen ſchien.
„Der Meiſter iſt hier geweſen,“ ſagte der Alte.
„Und was giebt's Neues? die Pacht iſt doch noch nicht fällig? Und das pflegt das Einzige zu ſein, was ihn herführt.“
„Arbeit giebt'’s, hab' ich Dir's nicht geſagt? Sie haben einem armen Sünder den Stab gebrochen und wollen ihn um einen Kopf kürzer machen. Nächſten Montag ſollſt Du früh in der Stadt ſein und thun, was der Meiſter Dir heißen noird. Die ganze Woche wird darüber hingehen. Das Ge⸗ rüſt mußt Du mit den Andern aufſchlagen helfen. Die Klei⸗ der gehören Euch, auch ſein Geld, ſein Geld—“
„An's Geld denkt Ihr doch allezeit,“ lachte der Sohn. „Auch an die Sünden,“ ſagte der Al it aufgeſperrter
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Augen;„ſieh' ihn Dir nur recht an, den Galgenvogel. haſt ſchon von ihm gehört; weißt wohl, was er gethan hat?“
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„Ja, ja ein groß' Unglück hat er ſich eingebrockt, der arme Schelm.“ „Unglück? Seinen Lohn empfängt er— daß er ſeinen
leiblichen Vater auf die Seite geſchafft hat, dafür, dafür kriegt er ſeinen Lohn. Ein Vatermörder iſt er; hätte der König ihn begnadigt, würde es kein Recht mehr geben im Lande.“
„Wer weiß,“ murrte Boß mit einem kalten, ſchadenfrohen Blick ſeinen Vater,„ob er ſehr unrecht hatte!“
Alte ſchien die letzten Worte nicht gehört zu haben, er hn ſeinen zitternden Kopf in den Winkel zurück und ſchloß die Augen. Boß warf ſich auf ein Lager, das in einem Alkoven ſtand, ſtreckte die Glieder zum Schlaf und überließ ſich der Ruhe, die ihm ſelbſt nach der körperlichen Anſtrengung und der geiſtigen Aufregung der letzten Stunden nöthig war. Tiefe Stille herrſchte draußen; nur von Zeit zu Zeit kündete das laute Gekrächze der Raben auf dem Aasanger die An⸗ Ankunft neuer beutegieriger Luftgenoſſen an, die Witterung von dem neuen Fraß erhalten hatten. Ihr Krächzen ſchallte laut durch den Wald und ward aus der Ferne gellend erwidert.—
Später als ge öhnlich verl ließ Evelis ihr Lager. Wirre
Träume hatten 85 ihe geſchmälert. Der Schlaf hatte ſie erqulickt. Schweigend
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ar nicht j ging ſie an ihre häusliche Be⸗ ſchäftigung; ſtill und in ſich gekehrt bereitete ſie dem Vater das Frühſtück, das an dieſem Morgen, einem Sonntag, der alten hergebrachten Hausordnung nach, minder karg zu ſein pflegte, als gewöhnlich..
Es war ein trüber Morgen, die Hitze der vorhergegangenen Tage hatte den Hinunel mit Wolken geſchwängert. Schwer hingen ſie herab und lieben keinen Sonnenſtrahl zur Erde
gelangen. Eine drückende Schwüle herrſchte in der Luft und von der Haide herüber wehte ein leiſer Luftzug in das offene
Fenſter des Chauſſeehäuschens.
„Du wirſt doch heute nicht zur Kirche gehen?“ ſagte der Einnehmer zu ſeiner Tochter
„Ich dachte ja!“ erwiderte dieſe.
„Thu' es nicht, Kind; es giebt ein tüchtig Gewitter, viel⸗ leicht Hagelſchlag dazu. Sieh' nur, wie ſchwarz die Haide iſt, als ob wir eine Sonnenfinſterniß hätten. Die Dorfleute werden heut' zu Hauſe fromm ſein. Mach's wie ſie und bleib' daheim, Du biſt auch nicht zum Kirchegehen auf⸗ gelegt; der liebe Gott ſieht lieber fröhliche Geſichter als traurige, glaub' mir!“
„Und doch geh' ich am liebſten zur Kirche, wenn ich traurig bin. Für wen würden auch die Gotteshäuſer gebaut, wenn nicht für die Betrübten?“
„Für die Luſtigen iſt die ganze Welt eine große Kirche, das iſt wahr; drum war ich auch nie ein ſo fleißiger Zuhörer unſeres Paſtors als Du.“
Evelis ging nicht. Bediente des Kommiſſärs aus dem Dorf und brachte eine Einladung von ſeinem gnädigen Herrn, der den Einnehmer noch an demſelben Tage zu ſprechen wünſchte.
wohl
Gegen Mittag kam der goldbetreßte
„Was er nur von Dir wollen mag!“ ſagte Evelis ver⸗ wundert und bürſtete des Vaters Sonntagskleid, mit dem ſauberen Ordensband und der ſilbernen Waterloomednille
Aran roin dran, Lein.


