Jahrgang 
2 (1879)
Seite
600
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Concordta.

Amtsfragen, kann mir's denken, antwortete der Invalid halb verdrießlich,dieſe gnädigen Herrſchaſten, ich mag ſie nicht; entweder ſind ſie herablaſſend, oder ſie wiſſen nicht, wie tief ſie uns wollen fühlen laſſen, daß der Zufall ihnen einen beſſeren Rock angezogen hat als uns. Eigentlich weiß ich auch nicht, warum ich zu ihm gehen ſoll; ich hatte mich verſchworen, keinen Fuß mehr in des Krügers Haus zu ſetzen. Hätte ich dem geſchnürten Bedienten da nicht eben zu kommen verſprochen, ſein gnädiger Herr ſollte mich ſchon zu finden wiſſen, wenn er von mir etwas wollte.

Evelis beſänftigte den Vater. Im Grunde ſah ſie's gern, daß ihn eine günſtige Gelegenheit in den verhaßten Krug zurückführte, weil ſie wohl wußte, er würde unter einer ſtrengen Geſchiedenheit von dem eigenſinnigen, aber biederen Krüger, der ſich ſtets als des Vaters Freund erwieſen, zu ſehr leiden.

Ich komme ſogleich zurück, ſagte der Einnehmer, das

Häuschen im Paradeſchritt verlaſſend. Der alte Krieger ſah

noch ganz ſtattlich aus, Kopf gerade, Bruſt heraus, Bauch eingezogen ſo ging er auf dem Fußſteig neben der Heer⸗ ſtraße in's Dorf nach dem Kruge. Der Bediente ſtand vor der Thür und führte den Angekommenen ohne weitere Anmeldung in das Zimmer ſeines Herrn. Dieſer erhob ſich von ſeinem Stuhl vor einem mit Papieren und Karten be⸗ legten Tiſch, ſchritt auf den Eingetretenen zu, der bei der Thür Halt gemacht hatte, blickte ihm forſchend in's Geſicht und fragte freundlich:

Kennſt Du mich noch?

Bei meiner armen Seele! rief der Invalid, ganz aus ſeiner militäriſchen Haltung fallend,ich glaubte,

Herr Lieutenant, Sie wären da oben.(Fortſetzung folgt.)

Plandereien.

Banuernweisheit.

Zur Zeit, als die Ruſſen nach Deutſchland kamen, kam auch eine Einquartierung in ein Dorf, das aus lauter zerſtreuten Häuſern beſteht. Der Quartiermeiſter ſagte beim Schulzen, wo Alles ver⸗ ſammelt war:Da haben wir einen Mordkerl, mit dem iſt ſchwer auszukommen; gebt Den Einem, der ihm die Zähne weiſt. Da trat ein kleines, aber klug ausſehendes Bäuerchen hervor und ſagte: Ich will ihn nehmen. Der martialiſche Krieger geht mit dem Bäuerchen nach ſeinem einſamen Gehöft und flucht ſchon über den Weg, weil ſonſt nichts zu fluchen da iſt. Zu Hauſe angelangt, ſchlägt der Krieger auf den Tiſch und verlangt Wein, Schnaps, Fleiſch und ſo weiter. Das Bäuerchen ſagt:Da, ſetzt Ench hinter den Ofen, ich will Alles holen, wie der Herr befiehlt. Er geht hinaus, läßt die zwei Wolfshunde von der Kette los; die ſind klug und folgſam; er ſagt zu den Hunden:Ihr legt euch vor ihn hin und laßt ihn nicht aufſtehen, nicht muckſen. Die Thür geht auf, die Hunde ſpringen herein und legen ſich dem Fremden zu Füßen. Das Bäuerlein legt nun Holz in den Ofen, was hineingeht, und zündet es an. Dem Krieger fängt es an heiß zu werden, er will auf und hinaus, aber die Hunde laſſen ihn nicht von der Stelle. Der Ruſſe knöpfte ſich nun auf, der Schweiß läuft ihm in Strömen herab; aber er darf ſich nicht rühren. Nach einer Stunde kommt nun das Bänerchen und fragt:Nun, ſeid Ihr jetzt weich ge⸗ kocht?Ihr ſeid mein Mann, erwiderte der Ruſſe,Ihr ver⸗ ſteht mich. Aber nun laßt das Gethier hinaus, und gebt her, was Ihr habt. Sie ſaßen nun friedlich beiſammen, und die Nachbarn, die gekommen waren, um den Spektakel mit zu genießen, ſtaunten, als ſie durch's Fenſter ſahen und der Ruſſe neben ſeinem Quartier⸗ herrn ganz friedlich eine Milchſuppe.

Mangel an Redlichkeit im ſtrengſten Sinne des Wortes haßte der König Friedrich, wo er ihn fand, und nichts war im Stande, Den, der dieſe entehrende Seite ſeines Charakters verrieth, bei dem Monarchen in Gunſt zu ſetzen, wenn er auch auf der anderen Seite die größten Vorzüge des Geiſtes, den größeſten Muth zeigte. Der Oberſt*** war jahrelang Friedrich's Liebling geweſen, Jeder hatte ihm die glänzendſte Zukunft vorausgeſagt, als Friedrich, der ſich um des Oberſten Familienverhältuiſſe ſehr genau be⸗

kümmerte, erfuhr, der Oberſt habe in einer Erbſchaftsſache einen ſeyr zweideutigen Eid geſchworen. Friedrich ſah dem Erzähler ſcharf in's Geſicht.Hör' Er Er ſagt ein hartes Wort, er⸗ widerte Friedrich.Mein Oberſt*** ſteht eben nicht im Rufe, ſo etwas ſich zweimal ſagen zu laſſen.Ew. Majeſtät können mich zum Zeugen rufen. Ich war gegenwärtig, und es thut mir leid, ſagen zu müſſen, daß ich meinen Freund vergebens warnte. Die feſte Miene, mit der der Erzähler dieſe Worte dem Könige fagte, überzeugten dieſen, daß nicht Verleumdung, ſondern Wahr⸗ heit zu Grunde liege. Ernſt ging der Monarch einigemal auf und ab; dann ſchickte er zu dem Oberſt. Bei dem Eintreten des letzteren fing der König ſogleich an:Hat Er nicht vor drei Jahren eine Erbſchaft gethan?Ja, Ihre Majeſtät.Aber wie kam das, da doch nähere Verwandte ſich fanden?Freilich, Ihre Majeſtät, indeſſen ichSei Er nur ſtill; ich will nicht wiſſen, wie Er's angefangen hat. Das Garniſonregiment*** iſt vakant. Er iſt Chef deſſelben, reiſe er morgen dahin ab, ſehe Er aber ja dahin, daß die Eide heiliger gehalten werden. Ganz erſtaunt verließ der Oberſt den König, um in einer der entlegenſten Garniſonen ein Kommando zu übernehmen. Nie ſah oder ſprach ihn der Monarch wieder.

An einen katholiſchen Biſchof kamen zu gleicher Zeit zwei Bitt⸗ ſchriften von zwei Geiſtlichen ſeiner Diöceſe. Der eine hielt um die Erlaubniß an, eine Perrücke tragen, der Andere, ſich eine Köchin halten zu dürfen. Beiden war ihr Geſuch mit einer gewiſſen Klauſel zugeſtanden; die Antworten wurden aber vom Schreiber, als dieſer die Ueberſchriften machte, verwechſelt, und derjenige Geiſtliche, welcher eine Köchin wünſchte, bekam daher folgende Reſolution:Sie können ſich eine zulegen, aber eine ſchwarze. Der Andere, welcher ſich eine Perrücke machen laſſen wollte, erhielt zur Antwort:Sie können ſich eine halten; ſie muß aber wenigſtens vierzig Jahre alt ſein und Atteſte ihrer Sittlichkeit beibringen. 4

Ein Kaufmann ließ ſich auf Antrieb ſeiner eitlen Frau den Titel Kommerzienrath erkheilen. Einige Tage darauf ſpielte die nun glückliche Frau mit ihrem Kätzchen auf dem Schoße, ſtreichelte es und ſagte:Ach, du biſt doch mein liebes Mietzchen und ich bin deine liebe Frau Kommerzienräthin!

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//CCC Verantwortlicher Redakteur: Otto Freitag in Dresden. Verlag von Otto Freitag in Dresden. Druck von F. W. Gleißner in Dresden.