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thümlichen,
halb höhniſchen, halb triumphirenden Ausdruck angenommen.
„So ſprich doch endlich!“ rief Eliſe ungeduldig, mit dem Fuße ſtampfend.
„Von dem Unglücke, das dem jungen Herrn Grafen zu⸗ geſtoßen iſt, haben das gnädige Fräulein gewiß gehört?“
„Graf Gatlerer, ein Unglück?“ ſtieß die Baroneſſe erregt hervor.
„Bei dem gefirigen ſchweren Gewitter hat ihn der Blitz getroffen.“
Eliſe ſchnellte mit ſolcher Haſt empor, daß der ganze ſchwierige Aufbau der Coiffüre ſich in ein wirres Chaos auflöſte.
„Todt?“ fragte ſie und Leichenbläſſe überzog ihr ſchönes Geſicht.
„Nein, nur betäubt, aber es iſt noch unentſchieden, ob eine dauernde Lähmung zurückbleibt oder nicht. Der junge Herr iſt bei einem Spaziergange im Walde von dem Unwetter über⸗ raſcht worden und in dem Augenblicke an einer hohen Tanne vorübergegangen, als der Blitz in dieſelbe ſchlug. Die Be⸗ wohner eines Bahnwärterhäuschens haben ſich des Verunglückten zuerſt angenommen und unter ihrer Pflege iſt das Bewußtſein bald wieder zurückgekehrt; ſpäter iſt er durch die Gräfin ſelbſt, die man ſchleunigſt benachrichtigt hat, in ihrer Equipage ab⸗ geholt worden.“
„Gott ſei Dank!“ rief die Baroneſſe faſt unwillkürlich.
Der höhniſche Zug in Annettens Geſicht trat ſtärker her⸗ vor.„Ein junges Mädchen, die Tochter des Bahnwärters, hat die Nachricht vom Unfalle in's Schloß überbracht und iſt ſo ſchmerzlich erregt geweſen, daß ſie der Frau Gräfin nur unter ſtrömenden Thränen hat Bericht erſtatten können.“
„Findeſt Du es nicht begreiflich, daß ein junges Mädchen von einem ſolchen Unglücksfall tief erſchüttert ſein kann?“
„Das Kammermädchen der Gräfin, das geſtern Abend vom Herrn Pfarrer hier die Zeitungen holte, ſagte mir, das Mäd⸗ chen ſei ganz außer ſich geweſen. Sie habe geglaubt, der junge Herr werde nur noch wenige Stunden zu leben haben, und ſei während der Erzählung laut weinend zuſammen⸗ geſunken.“
„ Das iſt ſonderbar!“ ſagte Eliſe nach einer kurzen Pauſe, mehr zu ſich ſelbſt als zu ihrer Zofe,„ſehr ſonderbar! Aber — bahl die Tochter eines Bahnwärters!“ fügte ſie verächtlich hinzu und ihre friſchen Lippen kräuſelten ſich zu einem ſpöttiſchen Lächeln.
Die Toilette war inzwiſchen beendet, und wie die Baroneſſe ſo daſtand in ihrem rauſchenden, ſilberfarbenen Seidenkleide, war ſie eine wahrhaft fürſtliche Erſcheinung, eine vollendete Salondame.
Auf dem Korridor traf Annette den Bedienten des Barons.
„Da drinnen war heute wieder Aprilwetter!“ flüſterte ſie dem Diener zu und deutete mit der Hand nach Eliſens Zim⸗ merthür,„aber ich habe dafür geſorgt, daß dabei ein kleines Gewitter nicht fehlte.“
Sie begleitete dieſe Bemerkung mit einem unterdrückten Lachen.
„Du haſt ihr wohl von dem Unglück des Grafen er⸗ zählt?“ fragte Karl, der mit Annette auf vertrautem Fuße ſtand.
„Freilich, und die Geſchichte von der Bahnwärterstochter
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noch obendrein, natürlich mit der nöthigen Ausſchmückung. Dieſes hochmüthige Volk möchte ſich in das warme Neſt drüben in Gatterſee ſetzen, weil es hier anfängt überall herein⸗ zuregnen. Bei dem Feſte neulich im Schloſſe hat die Baroneſſe den jungen Grafen den ganzen Abend nicht aus dem Garne gelaſſen, und es ſollte mich gar nicht wundern, Karl, wenn die ſchlaue Kokette den hübſchen jungen Mann in ihren Netzen fing.“
Der Bediente ſah ſich verſtohlen um.
„Hier geht es zu Ende,“ räumte er der Zofe zu,„ein Gerichtsbote jagt den anderen, und wie ich neulich in der Stadt hörte, wird nächſtens das Gütchen hier unter den Hammer kommen. Dann mag ſich der Baron ſeine Stiefel ſelbſt putzen!“
„Wir werden gut thun, uns bei Zeiten nach einem anderen Unterkommen umzuſehen, Karl. Wie ſteht es mit der kleinen Gaſtwirthſchaft, die Du pachten wollteſt? Wenn das zu Stande käme, Karl—— ach, ich denke mir das ſo hübſch, als muntere Gaſtwirthin in Haus und Küche ſchalten und walten zu können.“
Sie ſagte dieſe Worte mit ſüßer, zärtlicher Stimme und einem ſchmachtenden Blicke.
Da hallten Tritte auf der Treppe; wie auf Kommando prallten die beiden Dienſtboten auseinander. Es war der Legationsrath Stüber.
„Der Herr Baron zu ſprechen?“ fragte er in barſchem Tone und ohne zu grüßen.
„Der Herr Baron ſind in ſeinem Zimmer, Fräulein iſt vor einer widerte der Diener.
„Deſto beſſer, melden Sie mich.“
r folgte dem Diener und trat kurz hinter dieſem in das Gena des alten Herrn.
Dieſer ſaß in einem alten, mit Leder überzogenen Lehn⸗ ſtuhle und blies aus einer langen Pfeife mächtige Rauch⸗ wolken von ſich. Seine gedrungene Geſtalt war in einen türkiſchen Schlafrock gehüllt, der ſeine Glanzperiode längſt hinter ſich hatte.
Auf einem kleinen Tiſchchen vor ihm ſtand eine Flaſche Cognac nebſt Gläſern zwiſchen mehreren zerſtreut umher⸗ liegenden Zeitungsblättern.
„Guten Tag, meine Herrſchaften!“ rief der Legationsrath, indem er auf Eliſe zuſchritt, deren Hand an die Lippen führte und gleich darauf die dargebotene Rechte des Barons kräftig ſchüttelte,„erlauben Sie mir, mich nach Ihrem allſeitigen Be⸗ finden zu erkundigen?“
Die Baroneſſe neigte dankend das Haupt.
„Ein Glas Cognac gefällig, lieber Legationsrath?“ fragte der Baron,„echter, alter, würziger Trank. Verſuchen Sie!“
„Mit etwas Waſſer, wenn ich bitten darf!“ erwiderte der Angekommene,„der Weg von Gatterſee herüber iſt etwas ſonnig und ein kühlender Trunk nicht zu verachten.“
Er miſchte ſich aus der mit Waſſer gefüllten Kryſtall⸗ Karaffe und dem gebotenen Gläschen Cognac das Getränk und nippte davon.
„Wie geht es dem jungen Grafen?“ fragte Eliſe lebhaft.
„Sie haben alſo ſchon von dem Unfalle gehört? Nun, den Umſtänden angemeſſen gut. Er hat am rechten Oberarm eine nicht unbedeutende Kontuſion erlitten, die aber weniger 75
das gnädige Viertelſtunde zu ihm gegangen,“ er⸗


