Jahrgang 
2 (1879)
Seite
589
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vergnügt her; die Feuerwehr Ruhpoldings toaſtirte eben auf

Concordia. 589

Arbeitervolk, dagegen mehr im Schatten der Obſtbäume zwei

große Ahorntiſche für die geladenen Gäſte beſtimmt waren,

und die vielen ſie umgebenden Stühle waren bereits alle mit lachenden, plaudernden Feuerwehrleuten und gekommenen Freunden von nah und fern beſetzt.

Die Mägde des Müllers hatten vollauf zu thun, die zahl⸗ reiche Menge der Gäſte zu bedienen; die Tochter des Feſt⸗ gebers aber ſtand in der wirklich appetitlichen, reinlichen Küche des Neubaues und bäckt ſchon ſeit dem Morgen Strauben und Kücheln von ſolcher Güte, daß ſie ihrer Kochkunſt alle Ehre anthaten.

Der Müller Thalhofer ging mit zufriedener Miene von Tiſch zu Tiſch, von Gruppe zu Gruppe ſeiner Gäſte. Aus der ganzen Geſellſchaft lachte die fröhlichſte Stimmung dem gaſtfreundlichen Wirthe entgegen; überall fand er die lauterſte Luſt, das herzlichſte Einvernehmen vorhanden.

Die jungen Burſche und Zimmerleute tanzten in un⸗ gezwungenſter Weiſe nach den Klängen der Zither, welche der bekannte Haſeneder⸗Loisl von der Romberger⸗Leite gax meiſter⸗ haft ſpielte, oder ſangen ihre neckiſchen, ſpaßvollen Schnada⸗

hüpfeln dazu, ohne die luſtige Stimmung nur einen Augen⸗

blick hierdurch zu ſtören. Der den Leſern gewiß ſchon zur Genüge bekannte nationale Schuhplattel⸗Tanz der wackeren, kernfriſchen Burſche lockte eine Menge der Gäſte, einen Kreis um den natürlichen Tanzplatz der Gebirgler bildend, heran und Alles war befriedigt von dem taktvollen, originellen Reigen derſelben. Selbſt der mürriſche Forſtwart von Seehaus, der bärbeißige Grauvogel, ſprach ſich zufrieden über das Tanzen der nicht müde werdenden Bergſöhne aus.

Zwei fremde Herren, Touriſten, welche zufällig heute an dieſem Feſte mit theilnahmen, waren förmlich entzückt über die oft unglaublich ſchwierigen Sprünge und Wendungen des Tanzes und vertheilten eine Menge Cigarren unter das fried⸗ fertige, fidele Gebirgsvolk. Auch ſie wurden von dem freund⸗ lichen Müller nicht fortgelaſſen, ohne nicht ſeiner Küche und Keller Beſcheid anzuthun. Die beſten zwei Stühle wurden daher für dieſelben aus der Mühle herbeigeholt.

Das Traunthalvölklein iſt von uralter Zeit her gegen Fremde beſonders aufmerkſam und dienſtfertig geweſen und ſeine aufrichtige Gaſtfreundſchaft fand ſchon manches Plätzchen in den Tagebüchern reiſender Engländer und Amerikaner. In dem Gedächtniß tauſender Paſſanten iſt ſie verewigt; ſie lebt fort in den traulichen Häuſern der Thäler, fort unter dem treuherzigen, gutmüthigen Volksſchlage der baieriſchen Traun.

Aber keine Amerikaner oder Engländer waren es, dieſe zufälligen Gäſte, ſondern ein gar luſtiger Salzburger Bürger mit Namen Nicoladoni und der andere bedeutend ältere Herr der berühmte Augenarzt Silberhorn von Oedhof, welche nun beide, aus Tirol kommend, das Traunthal und ſeine lohnenden Seitenpartien durchzogen.

Sie mußten an dem ſauber gedeckten Tiſche, an welchem die Traunſteiner Gäſte plaudernd um den eben hinzu⸗ gekommenen Müller ſtanden oder ſaßen, Platz nehmen. Die Fremden grüßten artig, die wackeren Traunſteiner aber waren gar bald ein Herz und ein Sinn mit ihren Nachbarn von der romantiſchen Salzach.

An dem nächſtſtehenden Tiſche ging es gleichfalls laut und

den ſplendiden Müller am Brandt. Am Ende dieſes Tiſches war der in der Umgegend weithin bekannte und ob ſeines Biederſinnes von Arm und Reich geſchätzte Müller und Bauer auf Maria⸗G'ſchwend, Engelbrecht Inzeller, eifrig mit einer ihm gegenüberſitzenden Bauersfrau aus Zell im Geſpräche.

Nun, Rigerbäurin, wirſt auch wieder froh ſein, daß der Franz heim'kommen iſt! Zehn Monat' Straf' iſt eine lange, böſe Zeit für einen lumpigen Hirſchen, meinte Inzeller, dabei gemächlich ſein Pfeiſchen weiterrauchend.

Da haſt D' freilich recht, Gevatter, erwiderte die Riger⸗ bäurin von Zell.Mein Bua, Dein Göth'(Pathe), Maria⸗ G'ſchwendner, hat ſich's aber auch für ſein Lebtag gemerkt! Als er am Montag heimkommen iſt von Laufen, da hat er g'ſchwind ſein' Stutzen dem Wirths⸗Anderl(Andreas) drüben verkauft; er will nichts mehr wiſſen vom Wildern, ſelbſt's Scheibenſchießen g'freut ihn jetzt nimmer, endete das noch recht rüſtige Weib.

Um den Maria⸗G'ſchwendner ſtanden jetzt eine Anzahl junger Burſche herum und hörten aufmerkſam ſeine Unter⸗ haltung mit der Rigerbäurin an, als derſelbe endlich auf den flüchtigen Hieſel am Brandt zu reden kam.

Aber dem Hieſel dort oben, ſagte er gerade,haben ſie ſakeriſch zug'ſetzt draußen auf dem Traunſteiner G'richt für ſeinen Spaß mit dem Limpöck. Ein Jahr und elf Monat' haben's ihm'naufdividirt, aber der Hieſel iſt net eing'gangen auf die G'ſchicht' und hat ſich gleich am nämlichen Tag in's Tirol hinein geflücht', als er den Sonntagsjäger von See⸗ haus drüben ein wenig erſchreckt hatt' am Thurnbach⸗Horn droben. Ich hab' dem Burſchen alleweil' allein die Stange gehalten, und die Verhandlung draußen hat es bewieſen, daß ich den Bub'n richtig beurtheilt hab'. Sein Vertheidiger hat uns ſo indirekt einen Rüffler'geben, weil wir dem Bub'n keine Arbeit'geben haben, und der Stadtrath ſelber hat ſeiner großen Noth erwähnt, ſeine Liab' zu der Mutter, ſeine Spar⸗ ſamkeit net veracht' und mildernde Umſtänd' gelten laſſen. Wär' der Hieſel net ſo gut hingeſtellt worden, hätte er ſicher fünf Jahr Zuchthaus erwiſcht!

Die Meinungen und Anſichten waren über den Hieſel am Brandt längſt günſtigere geworden und, was uns beſonders auffallen mußte, hatte ſelbſt der ſtets gegen ihn ſo ein⸗ genommene Müller Thalhofer kein einziges ſchmähendes Wort über den Flüchtling mehr verlauten laſſen ſeit jenem Tage, als derſelbe Schutz in Tirol aufgeſucht hatte. Im Gegen⸗ theil, als Thalhofer jetzt zu dem Tiſche, wo Maria⸗G'ſchwend⸗ ner eben vom Hieſel erzählte, herankam, paßte er aufmerkſam auf Inzeller's Worte, und ſelbſt eine ſtumme Bewegung des Einverſtändniſſes machte der Müller mit dem Kopfe, wenn uns nicht Alles täuſchte. Darauf ſchaute er einen Augenblick im Kreiſe herum und winkte den eben anſichtig gewordenen Zumüller Konrad herbei.

Zumüller! rief er demſelben freundlich befehlend zu, geh', magſt Du net hinaufgehen zum Hieſel am Brandt und die blind' Mutter herunterführen zu uns, ſie ſoll auch theil⸗ nehmen an der allgemeinen Freud' meiner Gäſte und Leut'.

Recht gern, Müller! ich werd' gleich oben ſein bei dem armen Mütterl; und die wird eine Freud' haben, wenn ich ihr von Eurer Einladung ſag, antwortete Konrad und machte ſich auf den Weg zu der Hütte hinauf.

Welche Veränderung iſt in dem Müller vorgegangen, daß