Concordia.
Gefunden!
Roman von C. Engels. (Fortſetzung.)
Plotzki paukte jetzt dem geſpannt Aufhorchenden genau dasjenige ein, was er ſagen ſollte. Beſſelſtein mußte Alles mehrere Male wörtlich wiederholen.
„Nur nicht zu weit gehen,“ ermahnte Plotzki,„das kann bedenkliche Folgen haben. Du darfſt kein Wort mehr oder weniger ſagen, als Du von mir gehört. Machſt Du Deine Sache gut, ſo ſoll es Dein Schaden nicht ſein.“
„Ich werde mir Mühe geben,“ verſicherte Beſſelſtein.
„Hier iſt etwas Geld,“ ſagte Plotzki, indem er mehrere Gulden auf den Tiſch warf;„viel darf man Dir ja nicht geben, ſonſt vertrinkſt Du es. Du weißt, daß Du ſpäter in Begleitung der Dame das Haus zu verlaſſen haſt, um Dich mit ihr in einen Fiaker zu ſetzen, der unterdeſſen vorgefahren ſein wird; dazu iſt das Geld beſtimmt. Daß mir aber von jetzt ab, bis Du Deine Aufgabe erfüllt haſt, kein Tropfen Branntwein über Deine Lippen kommt! Menſch, Du dufteſt ſcheußlich! Anſtändige Kleider haſt Du natürlich auch nicht; ich werde heute noch, ſpäteſtens morgen früh einen neuen eleganten Anzug herſchicken, den Du anzuziehen, mir nachher aber wieder abzuliefern haſt. Und vor allen Dingen ein Bad nehmen— ſofort! Parfüm werde ich auch mitſchicken. Natürlich mit Vorſicht anzuwenden; nicht etwa des Guten zu viel thun.“
„Als ob ich das nicht Alles wüßte!“ erwiderte im Voll⸗ gefühl einer guten Erziehung der ehemalige Oberlieutenant.
„Aber während der langen Zeit, daß ich mit anſtändigen Menſchen nicht mehr verkehrte, nicht wieder vergeſſen hätte!“ unterbrach ihn Plotzki.„Nun, ich komme zur Sicherheit morgen, kurz vor Deiner Abfahrt, noch einmal her, um Deine Toilette zu beſichtigen. Ich rechne, lange wirſt Du nicht fort⸗ bleiben, höchſtens ein und eine halbe Stunde. Ich werde morgen hier auf Deine Rückkehr warten, um den Erfolg ſogleich aus Deinem Munde zu vernehmen. Haſt Du jetzt Alles beſtens capirt?“
„Ja.“
„So ſetze Dich und ſchreibe jetzt gleich zwei Briefe, die ich Dir in die Feder diktiren werde. Hier iſt Papier. Alſo ſchreibe:
„Hochgeehrter Herr Baron! Die Tochter einer gewiſſen, vor Jahren verſchollenen Regine Haller weilt in dieſer Stadt. Ihre Pflegemutter, eine alte, achtbare Dame, lebt in dem Wahne, an ihr die beſte, wohlerzogenſte Tochter zu beſitzen, wird jedoch von dem Kinde, das ſie auf die un⸗ eigennützigſte Art in ihr Haus genommen und das nun zur Jungfrau herangereift, abſcheulich hintergangen. Das junge Mädchen unterhält nämlich den Verkehr mit einer Frau, welche öffentlich als eine der gefährlichſten Kuppler⸗ innen bekannt iſt. Dieſe Frau nennt ſich: Wittwe Schueller, und wohnt Lehmgaſſe Nr. 8. Im Hauſe derſelben, wo ſie faſt täglicher Gaſt iſt, hat ſie, ohne Wiſſen ihrer Pflege⸗ mutter, Zuſammenkünfte, die näherer Beleuchtung wohl nicht bedürfen, um ſie Ihnen verſtändlich zu machen. Bei⸗ nahe jeden Nachmittag gegen vier Uhr iſt das junge Mäd⸗ chen, von der Sittenpolizei bereits wohlgekannt, dort an⸗
V
zutreffen. Nicht ſelten werden in dieſem Hauſe nächtliche
Orgien gefeiert, deren Theilnehmerin ſie iſt. Dies muß
die Wittwe Schneller, wenn ſie bei der Wahrheit bleiben
will, jederzeit bezeugen.— Vorſtehende Zeilen ſchreibt Ihnen eine frühere Freundin von Regine Haller, welche Ihre
Beziehungen zu derſelben genau gekannt hat.“
Und der andere Brief:
„Herr Baron! Soeben das Gerücht Ihrer Verlobung mit Fräulein von St. Etienne vernehmend— die Dame ſelbſt ſorgt gefliſſentlich für deſſen Verbreitung— beeile ich mich, Ihnen über genannte junge Dame Einiges mit⸗ zutheilen, was Ihnen noch unbekannt zu ſein ſcheint. lein von St. Etienne täuſcht das Vertrauen ihrer hochacht⸗ baren Pflegemutter in abſcheulicher Weiſe. Sie geht ein und aus in dem Hauſe einer berüchtigten Kupplerin, welche Wittwe Schneller heißt und Lehmgaſſe Nr. 8 wohnt. Fragen Sie dieſe Frau auf's Gewiſſen; ſie muß endlich die Wahr⸗ heit geſtehen. Das junge Mädchen hat im Hauſe derſelben Zuſammenkünfte höchſt zweideutiger Natur, feiert auch nächt⸗ liche Gelage, welche dort abgehalten werden, mit und ſteht unter der Kontrole der Sittenpolizei. Wenn Sie von den Beſuchen im Hauſe der Wittwe Schneller ſich überzeugen wollen, ſo haben Sie nur um vier Uhr Nachmittags da⸗ ſelbſt nach Fräulein Eva zu fragen. Um dieſe Zeit iſt ſie faſt täglich in dem ſauberen Hauſe anzutreffen.— Ich hoffe auf Ihre Dankbarkeit, wenn ich Sie vor einer Verbindung
mit vorerwähnter Dame rette. X. T.““
Nachdem die Briefe geſchrieben, couvertirt und von Beſſel⸗ ſtein der eine an den Baron Rolf von Seidenau, der andere an Herbert adreſſirt waren, ſteckte Plotzki ſie in die Brief⸗ taſche, um ſie ſelbſt zu expediren.
Jetzt blieb ihm noch ein Gang— der zu Eva.
Schreiben durfte er ihr nicht, denn das wäre, falls die Geſchichte wider Erwarten ſchlimm ausfallen ſollte, ein cor- pus delicti, das gegen ihn zeugte. In Gegenwart ihrer Pflege⸗ mutter ſie ſprechen, durfte er auch nicht; wenigſtens wäre dann der Zweck ſeines Beſuches ein vollſtändig verfehlter geweſen. Aber wie unbemerkt mit Eva zuſammenkommen?—
So viel er auch nachdachte, er wußte keinen anderen Aus⸗ weg, als in demjenigen Hauſe, welches der Wohnung Frau von St. Etienne's gegenüberlag, Poſto zu faſſen und hier auf gut Glück zu warten, ob nicht eine der beiden Damen im Laufe der Zeit das Haus verließe. War's Eva, ſo ging er ihr nach, war's die Marquiſe, mußte er ſchleunigſt ihre Ab⸗ weſenheit benutzen, um ſich bei Eva melden zu laſſen.—
Der Zufall wollte in der That, daß Frau von St. Etienne einige Beſorgungen zu machen hatte, und Eva, um einige Briefe zu beantworten, zu Hauſe blieb.
Plotzki, welcher von ſeinem Verſteck aus die alte Dame hatte das Haus verlaſſen ſehen, wartete noch einige Minuten und ging dann zu Eva hinauf.
Dieſe beſchied ihn auf die Meldung des Dieners in den Salon.
„Sie beehrten mich heute früh mit einem Briefe, mein
Fräu⸗
———
———
W
G
——=
O S=
—
=S S===—= g=
——


